Magdeburg l Immer wieder hat die Stadt Magdeburg in den vergangenen Monaten im Vergleich deutscher Städte gut abgeschnitten. Vielleicht so gut, dass manch Betrachter sich die Augen ungläubig gerieben hat. So hatte der Ostdeutsche Sparkassenverband die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt mit einem Unternehmerpreis geehrt, da sie seit fünf Jahren wächst und die Einkommenssteuer sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt hat.

Das war die dritte Ehrung dieser Art. Spitzenpositionen gab es 2012 vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln für die größte Dynamik in der Entwicklung und von der Oskar-Petzelt-Stiftung für eine besonders mittelstandsfreundliche Politik. Genutzt haben die Preise zum einen, um das Bild der Stadt nach außen aufzupolieren. Der Beigeordnete schlussfolgert, dass die Wirtschaftsförderung auch in Zukunft ein Hauptanliegen der Kommunalpolitik sein müsse. Bestehende Strukturen und Branchen zu stärken sei der Haupthebel der Wirtschaftsförderung. "Dazu gehört auch die branchenübergreifende Vernetzung zur Schaffung von Wertschöpfungsketten", betont Rainer Nitsche. Die betreffende Unternehmen untereinander, aber auch die Forschungseinrichtungen in der Stadt. Schwerpunkte sollten, so der Beigeordnete, im Anlagen- und Maschinenbau, in der Umwelt- und Kreislauftechnik, in den erneuerbaren Energien sowie in der Gesundheitswirtschaft liegen.

Nichtsdestotrotz liegt Magdeburg nicht immer vorn. So hatte die Stadt 2014 im Dynamikvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft nicht mehr den ersten, sondern den 34. von 69 Kommunen belegt und war damit im Mittelfeld gelandet. Stärken waren der Abbau von Jugendarbeitslosigkeit, die Steigerung der Produktivität und der Rückgang von ALG-II-Empfängern.

Schwächen bei den Schulabbrechern

Deutliche Schwächen in anderen Punkten. So bei der Zahl der Schulabbrecher, die entgegen dem deutschen Trend zwischen 2008 und 2012 um 0,5 Prozent gestiegen ist. Oder das Wanderungssaldo: Zwar hatte die Stadt mehr Zuwanderer als Abwanderer - in den meisten anderen Städten waren es aber deutlich mehr Zugezogene. Das bedeutet in dieser Kategorie Platz 64 für Magdeburg. Und bei der Aufrechnung von Gewerbean- gegen Gewerbeabmeldungen belegte die Stadt den 56. Platz.

Als Hausaufgabe nimmt Nitsche mit ins Wirtschaftsdezernat, insbesondere das Augenmerk auf forschungsintensive Unternehmen aller Branchen und auf die IT-Wirtschaft zu richten, wo besonders hochwertige Arbeitsplätze geschaffen würden. "Prioritäre Aufgabe der Wirtschaftsförderung wird ein maßgeblicher Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels sein", gibt Rainer Nitsche als Messlatte zu Protokoll. Verstärkt werden müssten vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die hohen Zahlen der Schulabbrecher die Aktivitäten zur Berufsorientierung.

Gerade in den Bereichen mit hohem Wachstum - dem IT-Bereich - geht es darum, den Fachkräftebedarf auch aus anderen Regionen zu sichern und dabei beispielsweise auch den Relocation-Service weiterzuentwickeln. Dieser soll ausländische Fachkräfte für Unternehmen und Einrichtungen in Forschung und Wissenschaft gewinnen, um deren Fachkräftemangel zu lindern.

Drittletzter Platz vor Gelsenkirchen und Halle

Einen schlechten Wert hatte Magdeburg beim DekaBank-Städteranking belegt. Dort ging es um das Niveau des Immobilienbereichs, und Magdeburg kam von 39 Kommunen vor Gelsenkirchen und Halle auf den 37. Platz. Zwar hatte die Stadt bei der wirtschaftlichen Stabilität gepunktet (Platz 10), war aber beim "Wohlstand" - gemessen am BIP - weit hinter westdeutschen Kommunen angekommen und in Sachen Erreichbarkeit eingegangen. Schlechter waren da nur Lübeck, Kiel und Rostock. Ein Mittelfeldplatz wiederum bei einem im Handelsblatt veröffentlichten Vergleich, bei dem es um eine möglichst niedrige Verschuldung pro Kopf geht. Magdeburg war hier auf den 14. von 30 Plätzen gekommen.