Magdeburg l In den Verkehrsnachrichten liefen Hinweise auf eine Wildschweinjagd im Stadtpark. Auf Navigationsgeräten vieler Autofahrer erschienen Warnungen: "Schusswechsel in Magdeburg". Auch bei der Volksstimme meldeten sich Mittwochabend Leser und fragten, was es mit dieser Jagd auf sich habe.

Am Abend bestätigte die Polizei eine Jagd im Stadtpark zwischen 18 und 20 Uhr. Nähere Informationen gab es nicht. "Wir wurden vom Ordnungsamt auch erst zehn Minuten vor Beginn der Jagd informiert", sagte ein spürbar verärgerter Polizeisprecher über die Informationspolitik der Stadt.

Nachfragen im Rathaus bestätigen: Das Lage-und Führungszentrum der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord wurde tatsächlich erst kurz vor Beginn der Jagd informiert. Laut Stadtsprecher Tino Netzel handelte es sich um einen kleinen Einsatz mit zwei Jägern und zwei Mitarbeitern des Ordnungsamtes. Erlegt wurde ein Frischling (32 Kilogramm).

Trotzdem steht die Frage im Raum, warum die Öffentlichkeit über eine Jagd im Stadtpark am frühen Abend nicht informiert wird, zumal zu diesem Zeitpunkt Jogger und Radfahrer im Stadtpark unterwegs sind, es für viele eine Abkürzung auf dem Nachhauseweg ist. "Die Information der Polizei erfolgt regelmäßig bei diesen Maßnahmen erst zehn Minuten vor Beginn. Sie dient auch nicht dazu, dass die Polizei tätig werden soll, sondern dass sie im Falle von Anrufen besorgter Bürger über wahrgenommene Schüsse Auskunft geben kann", sagt Stadtsprecher Netzel. Diese Jagd sei auch nicht mit den vor kurzem im Bereich des Biederitzer Buschs und der Kreuzhorst durchgeführten Gesellschaftsjagden zu vergleichen, die allein von der Anzahl der Beteiligten und der Anzahl der gestreckten Wildschweine einen ganz anderen Charakter gehabt hätten.

Koordiniert werden solche Einsätze von der Jagdbehörde in Zusammenarbeit mit dem Stadtordnungsdienst, der die Jäger bei ihrer Jagd begleitet. Sie sollen im jeweiligen eng begrenzten Einsatzgebiet für zusätzliche Sicherheit sorgen. Insgesamt habe es bereits fünf solcher Einsätze auf dem Gebiet des Stadtparks gegeben. Man verfolge damit nach wie vor das Ziel, "durch einen selektiven Einzelabschuss für den notwendigen Jagddruck zu sorgen und letztendlich das Wild zu vergrämen".

Magdeburgs Kreisjägermeister Dr. Gerd Petzoldt bestätigte der Volksstimme ebenfalls, dass es sich am Mittwochabend lediglich um eine kleinere Jagd mit zwei Jägern gehandelt habe. Auch er sagte, dass es generell nicht üblich sei, bei den sogenannten Einzelansitz-Jagden vorab die Öffentlichkeit zu informieren. Man wolle damit auch verhindern, dass unnötig Schaulustige das Jagdrevier aufsuchen. "Sollte es eine größere Drückjagd im Stadtpark geben, würden wir auf jeden Fall vorher informieren, denn hier handelt es sich um einen ansonsten befriedeten Bereich. Das ist etwas ganz anderes", beteuert der Kreisjägermeister.

Man habe allerdings gar nicht vor, im Stadtpark größere Jagdeinsätze zu starten, betonte er. Solche Gemeinschaftsjagden (z.B. Drückjagden) seien in Zukunft vielmehr in den Jagdrevieren des Biederitzer Buschs, auf den Flächen nördlich der Pferderennbahn oder der Kreuzhorst geplant. Hier hatten die Jäger erst im Januar bei einer zweitägigen Großjagd insgesamt 53 Wildschweine zur Strecke gebracht (Volksstimme berichtete).

Seit Jahren steigen die Zahlen der erlegten Wildtiere. Danach wurde in der Saison 2012/2013 dreimal mehr Schwarzwild gestreckt (138 Tiere) als noch vor gut zehn Jahren: In der Saison 2000/2001 waren den Jägern in Magdeburg 45 Wildschweine vor die Flinte gekommen (1992/93 waren es 9 Schwarzkittel). Bei den Mardern hat sich die Zahl der getöteten Tiere seit 2000 fast verdoppelt. 26 wurden 2012/2013 zur Strecke gebracht. Während die Zahl der erlegten Füchse mit 164 (2012/2013) etwa gleich blieb, hat die Zahl der gejagten Waschbären (22 im Zeitraum 2012/13) sprunghaft zugenommen.

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