Magdeburg l Eigentlich sollten auch die Glocken der Johanniskirche am 16. Januar zum Gedenken an die Zerstörung der Magdeburger Innenstadt durch alliierte Bomber 70 Jahre zuvor läuten. Doch am Abend zur Zeit, als die Glocken der anderen Kirchen in Magdeburg zu hören waren, blieben die beiden Glocken im Turm stumm. Und dies gerade in der Kirche, die über Jahrzehnte als Ruine als Sinnbild für die Zerstörung in der Elbestadt galt.

Bewirtschaftet wird die Johanniskirche von der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg GmbH (MVGM). MVGM-Mitarbeiterin Simone Rauhut bestätigt dies auf Nachfrage der Volksstimme. Sie sagt: Wegen technischer Probleme am Glockenstuhl konnte nicht - wie in der Läuteordnung der Kirche vereinbart - am 16. Januar 2015 um 21.28 Uhr geläutet werden." Die Läuteordnung sieht vor, dass die beiden Glocken nicht nur am 16. Januar zu kirchlichen Veranstaltungen und besonderen Anlässen geläutet werden, sondern auch zum Jahreswechsel, zum Reformationstag am 31. Oktober sowie alle fünf Jahre am Todestag Otto von Guerickes am 11. Mai und am 12. Mai in Erinnerung an den Wiederaufbau der Johanniskirche. Wie Simone Rauhut berichtet, hat es inwischen eine Reparatur gegeben, so dass die Glocken jetzt wieder wie gewünscht geläutet werden können.

In dem Nordturm befinden sich zwei Glocken. Zum einen die drei Tonnen schwere Bußtagsglocke. Sie stammt aus dem Jahr 1649. Diese Glocke erklingt im Schlagton h. Bevor sie wieder erklingen konnte, hatte sie erst noch im schwäbischen Nördlingen restauriert werden müssen.

In G klingt die größere der beiden - die 6,5 Tonnen schwere Festtagsglocke. Sie wurde 1649 erstmals in Magdeburg gegossen, musste aber - nachdem sie im Jahr 1667 gesprungen war - umgegossen werden. Eigentümer der Glocken der Johanniskirche ist übrigens die Evangelische Trinitatisgemeinde, die die Rechtsnachfolgerin der Johanniskirchen-gemeinde Magdeburgs ist.

Bevor die beiden Glocken im Jahr 2008 erstmals seit mehr als sechs Jahrzehnten wieder erklingen konnten, musste ein neuer Glockenstuhl angefertigt werden. Kostenpunkt: 225 000 Euro. Aufgebracht worden war diese Summe durch Fördermittel und durch Spenden.

Überhaupt handelt es sich bei der Johanniskirche um ein beliebtes Objekt der Magdeburger für ihre Spendensammlungen. Viele Arbeiten - einschließlich der Sanierung und Begehbarmachung des Südturms des gotischen Kirchenbauwerks - wurden nicht nur mit Fördermitteln finanziert, sondern maßgeblich auch mit Spenden. Immer wieder in Erscheinung tritt in diesem Zusammenhang das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg.

Übrigens: Weitere Glocken, die 1943 eingeschmolzen werden sollten, stehen zur Besichtigung neben dem Gebäude der Johanniskirche für Besichtigungen bereit.