Magdeburg l Das gibt es nicht alle Tage: Unter den 68 Schülergruppen, die am von der Sparkasse ausgerichteten Planspiel Börse 2014 teilgenommen haben, konnten Gruppen vom Hegelgymnasium die drei ersten Plätze belegen. Wirtschaftslehrerin Petra Hammermann sagt: "Unsere Klassen machen schon seit ein paar Jahren mit, aber so etwas hatten wir noch nicht."

Smart-Phone mit Zugkraft

Gewinner ist die Gruppe "Schöner Mike" mit Maximilian Schenke, Lou-Elliot Werner und Sascha Piertuska. Zwischen den Namen fügen sie den Erfolgsnamen Mike sogar in Gänsefüßchen mit ein. Maximilian Schenk erzählt: "Den Spitznamen ,Schöner Mike` haben wir uns ja nicht ausgedacht - aber er steht für unseren Erfolg." Und wie kam der zustande? "Wir haben einen großen Teil des fiktiven Gelds in Apple-Aktien investiert und dabei auf die Zugkraft des neuen iPhones gesetzt." Das war eine gute Entscheidung, ebenso wie die für die Coca-Cola-Aktien.

Kein Glück hatten die Schüler mit ihren Aktien aus Europa: Die Adidas-Aktien in ihrem Portfolio hatten zum Schluss keine gute Figur gemacht. Petra Hammermann sagt: "Wären die nicht gewesen, hätten die drei wohl sogar den Sieg in Sachsen-Anhalt errungen." Immerhin: Unter dem Strich wäre ein Gewinn von 6006,32 Euro geblieben.

Die Strategie vom "Schönen Mike" war es, das Geld anzulegen und dann vor allem zu beobachten. Petra Hartmann: "Überhaupt ist bei den meisten Gruppen die Strategie zu investieren und dann zu halten. So richtige Trader haben wir hier selten." Lou-Elliot Werner bekennt: "Zum Ende hatten wir selbst zum Nachschauen, wie die Kurse stehen, nicht mehr richtig Zeit - wir mussten was für die Schule tun." Ein solches Bekenntnis wird jeden Lehrer freuen.

Tipps vom Vater sind erlaubt

Von der zweitplatzierten Gruppe, die unter dem Namen "Die Einhörner" aktiv war, waren Sophie Scherbarth und Melissa Walter zur Preisverleihung gekommen. Auch sie hatten in Apple investiert. Und in Daimler und Bayer. Melissa Walter sagt: "Mein Vater hatte sich einmal mit Aktien beschäftigt und mir ein paar Tipps gegeben." Das ist laut Spielregeln nicht verboten, so dass die väterlichen Ideen kombiniert mit denen der Neuntklässlerinnen am Ende einen fiktiven Gewinn von 5608,89 Euro gebracht haben.

Als Preis gibt es echtes Geld

Einen Beitrag zum vollendeten Glück des Hegelgymnasiums haben übrigens auch Tobias Steudel, Marcus Linke und Bettina Schulze geleistet. Als Spielgruppe HAX haben sie den dritten Platz erreicht. Ihr fiktiver Gewinn beläuft sich auf 5025,67 Euro.

Als Preis gab es Geld - und zwar echtes in einem Umschlag. Einig waren sich "Die Einhörner" und "Schöner Mike": Dieses Geld fließt nicht an die Börse. Für die Siegergruppe gab es 250, für die Zweitplatzierten 150 und für die Drittplatzierten 100 Euro. Klar - junge Leute können ihre Euro gut auch für anderes gebrauchen. Zumindest für die Zwölftklässler steht ja auch bald ein neuer Lebensabschnitt an. Die Börse wird dabei aber wohl nicht im Mittelpunkt stehen: Alle drei wollen studieren, setzen dabei aber eher auf Kommunikation und Medien, Naturwissenschaft und das Wirtschaftsingenieurwesen.

Gerade, nachdem es bundesweit jüngst Kritik an praxisfernem Unterricht gab, sieht Petra Hammermann im Wirtschaftsunterricht ein Beispiel dafür, dass Schule eben doch viel fürs Leben vermitteln kann - eben mit dem Thema Anlegen und Sparen in ihrem Fach. Die Bedeutung solcher Unterrichtsinhalte sieht auch Jens Eckhardt, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Magdeburg, so. Bei aller Kritik, die es an Börsengeschäften geben mag, sagt er: "Für den Anleger waren Aktien seit einiger Zeit angesichts der niedrigen Zinsen ja eine lohnende Alternative." Überhaupt seien die vergangenen Monate voller Überraschungen gewesen, die nicht ohne Folgen für den Aktienmarkt geblieben sind.

Markt in Bewegung

Als Beispiel nennt der Finanzexperte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, Staatsanleihen aufzukaufen. Jens Eckhardt kommentiert dies mit den Worten: "Hoffentlich geht das gut." Eine andere Überraschung, die für Turbulenzen gesorgt hat, war die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, den Schweizer Franken nicht mehr an den Euro zu koppeln. Beides Themen, die auch im Wirtschaftsunterricht vieler Schulen in Magdeburg eine Rolle spielen dürften.