Magdeburg l Im November vergangenen Jahres ist Ben, das zweite Kind von Maik Lingenau und Elisabeth Meiners, auf die Welt gekommen. "Lange vor der Geburt haben wir uns persönlich einen Elterngeldantrag im Sozialamt abgeholt und uns dazu beraten lassen", sagt Elisabeth Meiners. Die Magdeburgerin ist wie ihr Partner 29 Jahre alt und war bis zur Geburt ihres Sohnes berufstätig. Ihr Freund Maik Lingenau ist Maschinen-Bau-Student, bekommt Bafög. Meiners bekäme rund 65 Prozent ihres letzten Netto-Lohnes als Elterngeld (siehe Infokasten), ungefähr 800 Euro. Da das Geld fehlt, klafft in der Haushaltskasse des Paares ein tiefes Loch.

"Soweit es möglich war, haben wir die Unterlagen vor der Geburt zusammengetragen und alles weitere umgehend danach", sagt Elisabeth Meiners. Zu den Unterlagen, die sie einreichen sollte, zählte auch eine Verdienstbescheinigung ihres alten Arbeitgebers. Das zog sich. Vollständig konnte Elisabeth Meiners alle Belege erst Anfang Januar im Amt abgeben. "Die Unterlagen wurden durchgesehen und für gut befunden", erinnert sich die zweifache Mutter. Schon bei der Abgabe im Sozialamt sagte man ihr, dass eine Bearbeitung des Antrages derzeit bis zu zwölf Wochen dauern könne.

Sozialamt meldet sich nach einer Woche

Mehr als eine Woche später meldet sich die junge Mutter telefonisch beim Sozialamt und fragte, ob alles in Ordnung sei. "Da erfahre ich dann, dass umfangreiche Unterlagen fehlen. Man benötige nicht die Verdienstbescheinigungen der Arbeitgeber, sondern meine Lohnabrechnungen", sagt Meiners. Wozu sie die Bescheinigungen habe ausfüllen lassen müssen, sei ihr rätselhaft. "Das wäre nicht nötig gewesen", sagte die Bearbeiterin am Telefon. "Ich ärgere mich darüber, weil es zusätzlich Zeit kostet. Mein Partner bezieht Bafög und ich derzeit Kindergeld und ein wenig Wohngeld. Davon kann unsere Familie nicht leben", sagt Elisabeth Meiners und rechnet vor: 700 Euro Bafög, 360 Euro Kindergeld und 50 Euro Wohngeld. "Strom und Miete kosten uns ungefähr 600 Euro. Da bleibt nicht mehr viel Spielraum."

Hinzu kommt, dass am Elterngeld-Bescheid eine Reihe weiterer Anträge hängen. Für die junge Familie bedeutet das beispielsweise, dass sie kein erhöhtes Wohngeld, keine Kostenübernahme des Kitaplatzes und keinen Magdeburg-Pass beantragen kann. "Mal davon abgesehen, dass das Elterngeld an sich fehlt", so Meiners. In einem Brief an das Sozialamt machte sie kürzlich ihrem Ärger Luft: "Ich finde es unmöglich, dass fehlende Mitarbeiter und die umständlichen bürokratischen Strukturen dazu führen, dass eine junge Familie in existenzielle Schwierigkeiten gerät."

Normal wären sechs Wochen Bearbeitungszeit

Und tatsächlich ist dem Sozialamt ein Fehler unterlaufen, wie Sozialdezernentin Simone Borris auf Nachfrage der Volksstimme bestätigt. "Es erfolgte durch den Beratungsservice eine nicht korrekte Beratung im Hinblick auf den Nachweis des erzielten Einkommens. Das ist zu bedauern und entspricht nicht unseren Qualitätsansprüchen", so Borris. Der Fehler könnte auch an der extremen Belastung der Sachbearbeiter liegen. Denn allein im vergangenen Jahr wurden im Sozialamt 3160 Erstanträge Eltern- und Betreuungsgeld gestellt. Hinzu kamen noch 1013 Folgeanträge bei Änderungen während des Bezugszeitraums. Im Moment werden die Elterngeld-Anträge von fünf Sachbearbeitern bewerkstelligt. "Die Arbeitsbelastung der Sachbearbeiter ist momentan sehr hoch", sagt Borris. Das schlage sich auch auf die Bearbeitungszeit insgesamt nieder. Die liegt bei zwölf Wochen. "Anzustreben wären sechs Wochen", so Borris auf Nachfrage.

Für Elisabeth Meiners und Maik Lingenau sicher nur ein schwacher Trost. Denn die Bearbeitungszeit von zwölf Wochen beginnt erst, wenn alle Unterlagen vollständig sind. "Bis dahin müssen wir vier wohl etwas sparsamer leben", sagt Elisabeth Meiners.