Magdeburg l Für einen Blickfang sorgt Magdeburg mit Stand C500 in Halle 5 auf der Leipziger Buchmesse vom 12. bis 15. März: Die Landeshauptstadt ist hier mit einem eigenen Stand vertreten. Und der wird eine besondere Premiere für Magdeburg sein: Zum ersten Mal präsentiert sich die Stadt auf der Leipziger Buchmesse, und zwar einzigartig mit Bezügen zum Magdeburger Künstler Stefan Wewerka und mit einem Bruno-Taut-Kiosk.

Die Fäden für das Vorhaben hält Norbert Pohlmann vom Forum Gestaltung in der Hand: "Der Taut-Kiosk wird derzeit bearbeitet nach einem historischen Vorbild." Das historische Vorbild gab es ab dem Jahr 1921 sogar mehrfach im Magdeburger Stadtbild: Knallig bunt und in ungewohnter Form wurden im Auftrag der Buchhandlung Wahle seinerzeit zwölf der kleinen Holzbauten im Stadtgebiet aufgestellt. Es gab neun große Exemplare und drei kleine - von diesen kleineren wird der erste Nachbau angefertigt. Wann die Kioske aus dem Stadtbild wieder verschwunden sind - ob dies mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 der Fall war oder erst mit der Zerstörung weiter Teile der Stadt im Zweiten Weltkrieg - vermag Norbert Pohlmann nicht zu sagen. Er baut in diesem Zusammenhang auf das Erinnerungsvermögen der Magdeburger wie im Beispiel des Plakats zum brennenden Stadttheater, das in den vergangenen Tagen in der Volksstimme diskutiert wurde.

In den Kiosken mit expressionistischem Antlitz gab es Magdeburger Literatur - und auf der Buchmesse wird es die auch geben. Selbst wenn die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt heutzutage vielleicht nicht zu den Verlagshochburgen in Deutschland zählt - eine unbekannte Größe ist Magdeburg in der Literatur nicht. Die Stadt wird sich daher auch am Rahmenprogramm der Messe in Leipzig beteiligen - beispielsweise mit einer Expressionisten-Nacht. In der wird zum einen das erste Magdeburger expressionistische Konzert aus dem Jahr 1919 in der Schaubühne Lindenfels aufgeführt - und im Anschluss kommen die Schreibkräfte mit einem Poetry-Slam zum Einsatz. Auf der Messe und im Umfeld werden etwa 20 Magdeburger Autoren auftreten. Auch die beiden bisherigen und der aktuelle Stadtschreiber werden die Elbestadt an der Pleiße vertreten. In den kommenden Tagen soll das Programm für den magdeburgischen Beitrag zum Veranstaltungsmarathon in der sächsischen Metropole fertiggestellt werden.

Und was passiert mit dem Kiosk nach der Messe? Norbert Pohlmann sagt: "Es war von Anfang an wichtig, eine mobile Variante zu bauen." Die Magdeburger Tischlerei Linke habe da bislang sehr gute Arbeit geleistet. Nach dem Abbau in Leipzig könne er zu Veranstaltungen in Magdeburg genutzt werden.

Prädestiniert für ein auffälliges Willkommen, das auf die Traditionen der Stadt verweist, sei der Bahnhofsvorplatz. "Und in der Stadt gibt es immer wieder neue Räume, die gestaltet werden wollen - in Magdeburg wird der Bau des Magdeburger Tunnels dafür ein Beispiel sein."

Da die Elbestadt auch als Korrespondenzstandort für das Bauhausjubiläum fungieren wird, dürfte der expressionistische Kiosk schon für einen weiteren Blickfang mit Erinnerungswirkung weit über die Grenzen der Stadt hinaus wirken.

Nachgebaut werden soll künftig auch das zweite Kioskmodell nach den Plänen von Bruno Taut, der in den 1920er Jahren Stadtbaurat in Magdeburg war.

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