Magdeburg l Kommende Woche ziehen in den Wohnblock am Bruno-Taut-Ring die ersten Familien ein. Insgesamt vier Eingänge sollen bis Ende März dort eröffnet werden. "Wir liegen im Plan und sind sogar ein bisschen eher fertig", sagt Torsten Prusseit von der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Magdeburg, die den Block mit den vier Eingängen an die Stadt für zehn Jahre vermietet.

Die Flüchtlings-Familien, die an den Bruno-Taut-Ring ziehen, wohnen derzeit noch in der Gemeinschaftsunterkunft an der Grusonstraße und leben alle schon länger in Magdeburg. Die Familien kommen aus Syrien, dem Iran, Afghanistan und aus der Russischen Föderation. "Hier ziehen Familien ein, die eine gute Chance haben, einen Aufenthaltstitel zu bekommen", sagt Sozial-betreuer Dennis Brandt, der so etwas wie der erste Ansprechpartner vor Ort sein wird. "Wir helfen beispielsweise bei ganz normalen Dingen wie Fragen zu Schul- oder Kita-Plätzen", sagt Brandt, der am Donnerstag Anwohner durch das Haus führt und zeigt, wie die Familien leben werden.

Dieser Tag der offenen Tür geht auf eine Initiative von Anwohnern und des Sozialdezernats zurück. Es wird gehofft, so Vorurteile abbauen zu können. Denn als im vergangenen Jahr die Entscheidung fiel, dass an den Bruno-Taut-Ring Flüchtlinge ziehen sollen, gab es im Stadtteil heftige Diskussionen - bis hin zu einer Einwohnerversammlung, die unter Polizeipräsenz stattfinden musste. Auch gestern standen vor dem Wohnblock Polizei und Ordnungsamt - zum Schutz vor möglichen Übergriffen.

Unterdessen zeigten sich viele Besucher überrascht von der kargen Einrichtung. "Ich hätte gedacht, dass es wohnlicher ist", sagte etwa Karl-Heinz Müller, der in der Nähe lebt. Die Wohnung, durch die ihn Sozialbetreuer Dennis Brandt führt, ist 68 Quadratmeter groß, hat zwei Schlafräume mit vier Betten, Spind, eine kleine Küche und ein kleines Bad und einen Aufenthaltsraum. "Das, was man zum Leben braucht", sagt Brandt.

Derzeit bekommt Magdeburg von der zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (Zast) in Halberstadt im Monat 123 Flüchtlinge und Asylbewerber zugewiesen. "Für uns ist das eine Herausforderung", sagt Sozialbeigeordnete Simone Borris. Für den Februar könne man das noch gewährleisten. Auch deshalb wird im Rathaus über Wohncontainer für bis zu 200 Personen diskutiert. Eine abschließende Entscheidung dazu sei noch nicht gefallen, so Simone Borris. In der Diskussion ist unter anderem eine Freifläche an der Hermann-Gieseler-Halle in Stadtfeld (Volksstimme berichtete).

Im Rathaus wird seit Wochen nach Immobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen gesucht. "Wir sehen uns da auch als kommunale Wohnungsbaugesellschaft in der Pflicht", sagt Torsten Prusseit von der Wobau, die gerade eine Liste mit möglichen Objekten erstellt.

Dass die Stadt unter Zugzwang ist, dürfte auch daran liegen, dass ein geplanter Asylbewerber-Wohnblock am Westring Geschichte ist. Wie Simone Borris bestätigt, hat die Leipziger Eigentümerin ohne Angabe von Gründen den Mietvertrag mit der Stadt gekündigt. Was nun aus dem Plattenbau wird, ist unklar.

In dem Haus wohnen noch immer Leute unter erbärmlichen Bedingungen. Die Eigentümerin hatte das Haus jahrelang verkommen lassen. Die Stadt wollte das Haus mieten, hatte aber aus der Zeitung erfahren, dass darin noch Leute leben. Die Bewohner schlugen sämtliche Ausweichwohnungen, die ihnen angeboten wurden, aus.

 

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