Magdeburg l Die Aufnahme des Plakats am City Carré hatte in den vergangenen Tagen für eine riesige Resonanz unter den Volksstimme-Lesern gesorgt. Am Morgen der Veröffentlichung des Aufrufs zur Mithilfe stand das Telefon in der Redaktion nicht mehr still. Mit Hilfe zahlreicher Hinweise von Volksstimme-Lesern und tatkräftiger Unterstützung des Stadtarchivs steht nun fest: Das Bild auf dem Plakat zeigt tatsächlich eine Feuerwehrübung, und zwar die vom 22. Juni 1956.

Die entscheidenden Hinweise zur zeitlichen Einordnung des Bildes kamen Anfang der Woche von Ingo Kauder und Karl-Ernst Ferchland. Kauder schrieb der Redaktion von einer Postkarte mit dem gleichen Motiv wie auf dem Plakat am Block in der Innenstadt, die aus dem Jahr 1956 stammt. Und Ferchland lernte bei eben dieser Feuerwehrübung seine Frau Eva-Maria kennen, so dass beiden das Datum noch gut im Gedächtnis ist.

Stadtarchiv findet die gedruckten Nachweise

Im Stadtarchiv wälzten daraufhin die Mitarbeiter gleich die Unterlagen und Zeitungen aus dem Juni 1956 und wurden tatsächlich fündig. Sowohl die Volksstimme als auch das Blatt Der neue Weg kündigten die Feuerwehrübung damals am gleichen Tag an, nämlich direkt am 22. Juni 1956.

So titelte die Volksstimme damals "Großbrand im Alten Stadttheater?" und klärte im dazu passenden Artikel auf, dass an jenem Freitagabend eben ab 21 Uhr jene Großübung der Feuerwehr stattfinden solle, deren Bild auf dem Plakat am City Carré prangt. Dabei ließ die damalige Redaktion durchaus Humor durchblicken: "Heute Abend werden pünktlich um 21 Uhr die Flammen aus dem Alten Stadttheater schlagen. Auf den Alarmruf hin rücken 12 Löschzüge aus, um dem Brand zu Leibe zu gehen. Keine Angst, liebe Leser, wir sind nicht unter die Hellseher gegangen, sondern haben der Feuerwehr nur ein wenig hinter die Kulissen geschaut."

Die christlich geprägte Zeitung Der neue Weg kündigte die Übung mehr im Telegrammstil an, weist auch noch auf das Kulturprogramm hin, das die Zuschauer unterhalten sollte: "Freitag: 21 Uhr, Großübung am Alten Stadttheater. Zwölf Löschfahrzeuge kommen zum Einsatz. - Menschenrettung, Sprungtuchspringen, Straßenbahnheben, Pferdheben, Löschangriffe, Handfeuerlöscher-Vorführungen, Einsatz mit Motorsägen und Schweißgeräten. Zuvor findet ein Kulturprogramm statt. - Für den Abtransport stehen Straßenbahnzüge zur Verfügung."

Die Übung sollte der krönende Abschluss der Brandschutzwoche sein, mit der die Magdeburger zum Brandschutz informiert werden sollten.

Mit der Berichterstattung vom Ereignis ließen sich allerdings beide Zeitungen etwas Zeit, erst am Dienstag, 26. Juni, gab es eine Zusammenfassung der Ereignisse vom Freitag vorher. Laut "Der neue Weg" waren 150 Feuerwehrleute mit 17 Löschfahrzeugen bei der Übung im Einsatz, dazu 50 Mann vom Roten Kreuz.

Straßenbahn gehoben und Baumstämme zerteilt

Von der Beteiligung des Roten Kreuzes hatte bereits Volksstimme-Leserin Rita Schulzeberichtet, sie war als Kind bei der Übung als "Opfer" eingeteilt und wurde von den Sanitätern "gerettet". Für die Zuschauer gab es einiges aus dem Können der Feuerwehr zu sehen: Mit Motorsägen beseitigten die Feuerwehrleute Baumstämme, entgleiste Straßenbahnen wurden wieder aufgestellt, eine Handspritzpumpe von 1890 überbrückte die Zeit bis zum Eintreffen der Löschzüge. Insgesamt haben die Einsatzkräfte wohl 22 Minuten gebraucht, um den Brand vollständig zu löschen, unter Kontrolle war er bereits zehn Minuten nach dem Eintreffen der Feuerwehr.

Neben dieser Großübung am alten Stadttheater muss es auch noch andere Vorführungen gegeben haben, denn die Volksstimme schreibt am 30. Juni 1956 noch: "So sahen etwa 40.000 Menschen die Darbietungen auf den zentralen Plätzen und etwa 85.000 Bürger besuchten die Ausstellungen in den einzelnen Dienststellen der Feuerwehr." Nicht fehlen durfte natürlich auch eine direkte Ansprache an die Leser zum Thema Brandschutz: "Dadurch helft ihr, wertvolles Volksgut zu erhalten und die Mittel, die dadurch eingespart werden, können, für andere Dinge verwandt, uns allen zugutekommen."

Initiator Pohlmann von Engagement beeindruckt

Norbert Pohlmann, auf dessen Initiative das Plakat am City Carré prangt, ist beeindruckt von der Leidenschaft, mit der die Magdeburger ihre Heimatgeschichte bewahren und sich an der Spurensuche beteiligt haben. "Vielleicht macht das Plakat auch einige Menschen nachdenklich, wie man heute zum Teil mit Kultur umgeht", wünscht er sich.

Für ihn bleibt das Bild höchst aktuell, auch wenn das Feuer auf dem Bild keinen kriegerischen Hintergrund hat wie zuerst vermutet. Pohlmann, Geschäftsführer des Forums Gestaltung, hatte das Plakat als Beitrag zur Magdeburger Bewerbungskampagne zur Kulturhauptstadt 2025 gestalten lassen.

   

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