Magdeburg l Smart-Boards und Laptopklassen - das Ökumenische Domgymnasium machte schon in der Vergangenheit immer wieder auf sich aufmerksam, wenn es um neue digitale Lernmethoden und auch Ausstattungen ging.

Am Freitag absolvierte die Schule einen weiteren Schritt in Richtung zukunftsfähiges, IT-gestütztes Lernen und präsentierte sich, ausgestattet mit einer hochmodernen WLAN- und Server-Infrastruktur sowie neuen digitalen Lernwerkzeugen, der Öffentlichkeit.

Was sich dahinter verbirgt? Für alle sichtbar sind zunächst die 30 neuen Tablet-PCs und neun neue E-Boards (elektronische Tafeln), mit denen Lehrer wie Schüler im Unterricht arbeiten. Der eigentliche Meilenstein ist aber die besagte Server- und WLAN-Struktur. "Es wurden in jedem Klassenraum WLAN-Excessment-Points installiert, so dass online arbeiten mit den Tablet-PCs jederzeit möglich ist", erklärte Olaf Kleinschmidt. Der ehemalige Lehrer und jetzige Education-Berater (Bildungsberater) von IT-Firmen brachte unter anderem das Projekt mit ins Rollen.

Zu den Lernmitteln gesellt sich außerdem eine zentrale Administration. Das heißt, dass alle Rechner von nur einem Punkt aus gewartet und gepflegt werden müssen. Großer Vorteil dieses Systems ist, dass zum einen die Informatik-Lehrer, die vorher viel Zeit für solcherlei Arbeiten aufwenden mussten, entlastet werden, und damit auch Geld gespart wird, erläuterte Kleinschmidt.

Nicht ganz billig

Das Ganze war natürlich nicht ganz billig. 130000 Euro wurden hier investiert, knapp 100000 Euro kamen aus dem Landesförderprogramm STARK III. Das vorher auf energetische Sanierung von Bildungseinrichtungen ausgerichtete Programm wurde 2012 um den Punkt "Erneuerung und Erweiterung von IT-Infrastrukturen an Schulen" ausgebaut.

Mit dieser Ausstattung gilt das Domgymnasium jetzt als Referenzschule, denn das Konzept kann "als Blaupause auf jede andere Schule übertragen werden", so Kleinschmidt. Und damit nicht genug: Ein entferntes Ziel kann damit die zentrale Administration, Pflege und Verwaltung aller Computer aller Schulen im Land über eine zentrale Stelle sein, die dann vom Land gestellt wird. Damit würde auch der Träger der Schulen langfristig entlastet werden.

Die gute alte grüne Tafel

Bei so rosigen Aussichten gibt es aber auch zweifelnde Stimmen. Schließlich waren die guten alten grünen Tafeln auch nicht schlecht und haben sich über Jahrzehnte bewährt. Preislich sind sie in der Anschaffung erst einmal günstiger. 2500 bis 3000 Euro kostet eine grüne Tafel für die Nutzung mit Kreide, ein E-Board schlägt mit 4000 bis 5000 Euro zu Buche. Doch Kleinschmidt ist überzeugt: "Wir haben bereits für den Hochtaunus-Kreis eine Hochrechnung gemacht. Allein das Abschaffen des Waschbeckens im Klassenraum für das nasse Wischen der Tafeln und auch geringere Reinigung der Räume, da die Kreidestaubbelastung wegfällt, spart so viel, dass ein E-Board sich bereits in drei Jahren amortisiert hat", erklärt er.

Auch im Vergleich zu den bisherigen Beamer-Lösungen schneiden die neuen E-Boards besser ab. Das Bild ist gestochen scharf wie auf einem HD-Fernseher und es hält länger durch. Während ein Beamer nach etwa 45000 Betriebsstunden erlahmt, zählt das E-Board 50000 Arbeitsstunden. "Betrachtet man, wie viele Wochen tatsächlich die Schule geöffnet hat und wie lange das E-Board effektiv an ist, beträgt die Lebensdauer etwa zehn Jahre. In der Zeit müsste auch eine Tafel einmal überholt werden", rechnet der einstige fitteste IT-Lehrer Deutschlands vor.

Ist es das wert?

Aber bei all den Rechnereien und komplizierten systemischen Abläufen bleibt doch die Frage: Ist es das wert?

In den Augen von Schulleiter Dr. Dietrich Lührs in jedem Fall. "Der Kompetenzwahn ist ausgebrochen. Und nach Studien zu urteilen, lässt die Medienkompetenz noch immer zu wünschen übrig. Mit der neuen Technik können wir unseren Schülern vermitteln, dass Medienkompetenz nicht nur das Schreiben auf Facebook oder Whatsapp ist. Sie müssen lernen zu erkennen, dass es manchmal mehr ist, weniger preiszugeben, welche Gefahren, aber auch Möglichkeiten das Internet bietet."

Doch alle Technik wird das Schreiben mit einem Stift und einen guten Lehrer nicht ersetzen, betont er. Eine von diesen Lehrern ist Antje Reuleke. Die 31-Jährige ist Lehrerin am Domgymnasium und hat sich fit gemacht für die Nutzung der E-Boards und Tablets. Im Englischunterricht werden Videos geschaut, die Fragen auf dem Tablet beantwortet, alle Lösungen in einem Ordner gesammelt oder direkt auf dem E-Board angezeigt. "Als Nächstes habe ich einen Video-Chat mit einem Amerikaner geplant, mit dem sich die Schüler unterhalten können", erzählt sie. Auch im Sportunterricht findet sie Anwendung für die Tablets. Zu Hause hat sie in der Unterrichtsvorbereitung Tanzschritte aufgenommen. Die Videos rufen die Schüler dann im Unterricht an Stationen auf und lernen so Schritt für Schritt einen vollständigen Tanz.

Neue Lernmotivation

"Es ist einfach ein differenziertes Arbeiten möglich, jeder in seinem Tempo und alle Lösungen können bequem gespeichert und jederzeit abgerufen werden", beschreibt sie das digitale Lernen. Doch der größte Pluspunkt ist die neue Lernmotivation. "Wir holen die Schüler mit dieser Technik ab. Sie gehen ganz selbstverständlich damit um und können auch mir oft noch etwas erklären."

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