Magdeburg l In Leipzig haben Eltern ohne Kita-Platz unlängst eine Entschädigung vor Gericht erstritten. Gegen die Stadt Magdeburg sind in gleicher Angelegenheit noch keine Prozesse geführt worden, gibt die Sozialbeigeordnete Simone Borris auf Nachfrage zu Protokoll. Zwar scheint die Lage in Leipzig (jahrelange Wartezeiten) um einiges angespannter als in Magdeburg, gänzlich beseitigt ist der Kitaplatzmangel trotz der Schaffung von gut eintausend neuen Plätzen 2012 bis 2014 aber auch hier nicht.

Über rund 9000 Plätze zur Betreuung von 0- bis 7-Jährigen verfügte Magdeburg anno 2011. Sie reichten hinten und vorne nicht, zeitigten mehrere Hundert Kinder auf einer Warteliste im Jugendamt, viel Elternfrust und eine Kita-Ausbau-Kampagne. Inklusive der ebenfalls erweiterten und voll ausgelasteten Kontingente bei Tagesmüttern (aktuell 338 Plätze) sind heute rund 10100 kleine Magdeburger in Tagesbetreuung. "Die Schaffung neuer Kapazitäten hat spürbar zu einer Entspannung" der Situation geführt, sagt Borris. Dies belege zum Beispiel die rückläufige Zahl von Eltern, die beim Platzvermittlungsservice des Jugendamtes (Kontakt siehe Infokasten) um Hilfe bitten. Zu Stoßzeiten ließen dort noch vor zwei, drei Jahren mehr als einhundert Familien monatlich ihre Kinder auf die Kitaplatz-Warteliste setzen. "Zuletzt waren es weniger als die Hälfte", sagt Borris, räumt aber auch ein: "Aktuell sind 76 Kinder zur Platzsuche registriert."

Auch die erweiterten Kita-Kapazitäten sind also regelmäßig erschöpft und Wartezeiten auf einen Kita-Platz weiter an der Tagesordnung. Schon gar nicht kann das Wunsch- und Wahlrecht von Eltern auf einen Betreuungsplatz in einer bestimmten Einrichtung umgesetzt werden. Simone Borris: "Für viele Eltern ist das ein unbefriedigender Zustand."

Borris hofft auf eine weitere Entspannung der Lage nach Fertigstellung weiterer fünf Kita-Neubauten bis 2016. Zwar sind die neuen Häuser in erster Linie als Ausweichobjekte für jene Kitas gedacht, die in den kommenden Jahren leergezogen und saniert werden sollen. Dennoch eröffneten die Neubauten mit mehr als 500 neuen Krippen- und Kindergarten-Plätzen auch neue Spielräume bei der Platzvergabe.

Beigeordnete schließt höhere Beiträge nicht aus

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten über stark steigende Kita-Gebühren in manchen Kommunen des Landes fragen sich auch Magdeburger Eltern: Bleiben die Beiträge in Magdeburg stabil oder müssen Familien auch hier mit Mehrbelastung rechnen? Aktuell zahlen Ein-Kind-Familien 207 Euro im Monat für eine Ganztagsbetreuung in der Krippe (bis 3 Jahre) und 120 Euro im Kindergarten. "Ausschließen kann ich eine Erhöhung nicht", sagt die zuständige Beigeordnete und verweist auf die per Landesbefehl laufenden Verhandlungen zum Abschluss neuer Leistungsvereinbarungen mit den freien Kita-Trägern.

Bis Jahresende sollen Ergebnisse auf dem Tisch liegen und nicht nur Simone Borris, sondern auch OB Lutz Trümper und der Stadtrat rechnen mit Mehrkosten und einer Auseinandersetzung darüber, wer sie tragen soll. Borris: "Das Land will das nicht tun. Die Stadt hat auch kein Geld übrig. Bleibt es dabei, müssten auch wir die höheren Kosten auf die Eltern umverteilen."

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