Magdeburgl Das Biomasseheizkraftwerk entsteht zwar auf einem Gewerbegebiet, doch rund 300 Meter entfernt befindet sich eine Wohnsiedlung. Die Anwohner befürchten Geruchs-, Lärm- und eine zunehmende Verkehrsbelastung und fordern einen Baustopp. Bereits 200 Unterschriften haben Bernd König und Hans-Thomas Weigel gegen die SWM-Anlage gesammelt und hoffen auf weitere Unterstützung - auch aus der Politik.

"Meine Bedenken bei der Sache sind der Verlust der Lebensqualität und der stabilen Immobilienpreise in Cracau. In Rothensee verkaufen sich Immobilien schlecht durch die Industrie und die wachsenden Probleme. Das wollen wir hier sicher nicht", sagt Sylvia Lampe während eines Vor-Ort-Termins mit der Volksstimme. Sylvia Lampe engagiert sich seit Jahren für die ostelbischen Stadtteile. Sie befürchtet durch das Heizkraftwerk vor allem ein Verkehrschaos. "Das Hauptproblem bleibt der Verkehr Richtung Heyrothsberge und über den Nordbrückenzug", erklärt Sylvia Lampe und fragt sich, wie zukünftig das Biomasseheizkraftwerk beliefert werde.

Hans-Thomas Weigel und Bernd König kritisieren auch die Informationspolitik der SWM. "Die Anwohner sind regelrecht vorgeführt und vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Die SWM stellen sich mit diesem Projekt in ein sehr schlechtes Licht", so Hans-Thomas Weigel. Bei so einem Großprojekt wäre es besser gewesen, die Anwohner durch ein Schreiben oder bei einer Bürgerversammlung zu informieren, so die Meinung des Magdeburgers. Die Anwohner merkten zudem an, dass vor wenigen Wochen noch ein Verkaufsschild auf dem Grundstück am Gübser Weg gestanden hatte. Hans-Thomas Weigel werde rechtlich prüfen, ob die Genehmigungsverfahren korrekt gelaufen seien. Auch Bernd König merkte an, dass man zur Not einen Anwalt einschalten werde.

Zum Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme am Dienstag hatten sich auch Vertreter der SWM, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Anja Keßler-Wölfer, Bereichsleiter Thomas Pietsch und Projektleiter Nico Küster eingeladen. Sie versuchten die Bürger zu beschwichtigen. Dass nicht ausreichend Informationen an die Bevölkerung gegeben wurden, wollten die SWM-Vertreter nicht auf sich sitzen lassen. "In der Volksstimme, im Kundenmagazin sowie auf der Internetseite der SWM wurde über das Projekt informiert", so Anja Keßler-Wölfer.

Das Biomasseheizkraftwerk werde mit einer modernen Abgasreinigungsanlage ausgestattet, für die viel strengere Grenzwerte gelten als für Kamine in privaten Häusern, versuchte die Pressesprecherin die Argumente der Anwohner zu widerlegen. Die Verbrennung werde nicht zu Einschränkungen führen.

Das Kraftwerk soll mit 45000 Tonnen Holz im Jahr eine Leistung von 11 Megawatt Wärmeenergie und 1,5Megawatt Strom bereitstellen. Für die Brennstoffversorgung werden zukünftig 8 bis 10 Lkw-Ladungen täglich benötigt. Die Brennstoffbelieferung erfolgt, laut Anja Keßler-Wölfer, montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr. Die Einfahrt zum Gelände liegt an der Leineweberstraße. Mit Schnittholz und Astwerk soll die Anlage zukünftig gefüttert werden. "Es wird naturbelassenes Holz in Form von Holzhackschnitzeln verbrannt. Das Holz stammt aus Sachsen-Anhalt und dem Harz", erläuterten Thomas Pietsch und Nico Küster. Zudem müssten die SWM auch bestimmte Auflagen im Bereich des Lärm- und Emissionsschutzes einhalten.

"Neben diesem Standort waren in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auch andere Standorte im Gespräch", erklärte Anja Keßler-Wölfer auf Nachfrage. Für die Versorgung von Ostelbien mit grüner Fernwärme sei der Standort am Gübser Weg der technisch und wirtschaftlich sinnvollste.

Die unangenehmste Einschränkung wird es in Cracau im Laufe dieses Jahres geben, wenn die Fernwärmeleitungen in die Erde verlegt werden. "Diese Baumaßnahme lässt sich leider nicht verhindern. Hier liegt auch der Grund, warum das Biomasseheizkraftwerk in der Stadt steht und nicht außerhalb, weil wir mit der erzeugten Wärme viele Immobilien beheizen, die heute noch mit Erdgas oder Heizöl beheizt werden", so Anja Keßler-Wölfer.

Vertreter der SWM haben gestern Abend auf der Sitzung der Gemeinwesenarbeit (GWA) Ostelbien noch einmal Stellung zum Bau des Biomasseheizkraftwerkes bezogen. Doch die Kluft zwischen dem Energieversorger und den Anliegern konnte nicht überwunden werden. Die Eigenheimbesitzer bleiben dabei, sie wollen kein Biomasseheizkraftwerk in ihrer Nachbarschaft.