Die Masern - eine schon fast tot geglaubte Krankheit - sind wieder hochaktuell. Ein Todesfall in Berlin schürt auch hierzulande Angst. Wie gut ist Magdeburg geschützt? Die Volksstimme fragte nach.

Magdeburg l "In Magdeburg ist in diesem Jahr bisher nicht ein einziger Fall an Masern zu verzeichnen", kann Dr. Eike Hennig sagen. Der Leiter des Gesundheitsamtes ist auf dem Laufenden, denn Masern sind eine meldepflichtige Krankheit. Nicht nur das: Sogar Kontakte von nicht geimpften Kindern mit Masernerkrankten müssen vom jeweiligen Gesundheitsamt ermittelt und an die betreffenden Gesundheitsämter gemeldet werden. "Wir würden es sofort registrieren - und handeln", versichert Dr. Hennig. Das Gesundheitsamt darf laut Infektionsschutzgesetz in das Persönlichkeitsrecht eingreifen und ein Besuchsverbot für die Kita aussprechen, wenn ein ungeimpftes Kind Kontakt zu einem an Masern erkrankten Kind hatte. Dieses Verbot gilt für die komplette Inkubationszeit.

Der Tod eines Kleinkindes kürzlich in Berlin hatte die Krankheit Masern wieder aktuell gemacht und auch Ängste geschürt. Doch dass es in Magdeburg zu einem Ausbruch kommt, hält Dr. Eike Hennig für sehr unwahrscheinlich. Schließlich ist die Impfmoral in Magdeburg sehr hoch. Die erste Impfung erhalten 98 Prozent der Kinder, 96 Prozent die zweite.

Verunsicherung spürbar

"Das haben wir auch den sehr engagierten Ärzten in der Stadt zu verdanken", weiß der Gesundheitsamtsleiter, "die Impfungen empfehlen, gut beraten und aufklären" würden, lobt er. Zu denen zählt auch Kinderarzt Dr. Gunther Gosch. In seiner Praxis berät er die Eltern zum Thema und kann eine vermehrte Nachfrage nach Impfungen feststellen. "Eine leichte Verunsicherung ist zu merken", sagt er. Auch, ob Kinder, die bereits in der Krippe sind, aber noch nicht das empfohlene Impf-alter von elf Monaten haben, schon geimpft werden könnten, wird erfragt. "In dem Alter haben die Kinder eigentlich noch die Antikörper, die sie von der Mutter mitbekommen haben. Natürlich kann man es trotzdem machen, aber die Wirkung verliert sich wieder, so dass im empfohlenen Alter wieder geimpft werden muss", erklärt er. Auch in Praxen der Hausärzte ist die Nachfrage nach Masernimpfungen leicht gestiegen, sagt Dr. Gitta Kudela, langjähriges Mitglied im Vorstand des Hausärzteverbandes und Allgemeinmedizinerin. "Vor allem Großeltern sind verunsichert", obwohl sich diese am wenigsten Sorgen machen müssten. Doch die Ärztin begrüßt die Umsicht.

Folgen häufig unklar

Obwohl die Impfmoral in Magdeburg hoch ist, gibt es Impfkritiker. "Gefühlt, nimmt diese Zahl zu", meint Kinderarzt Dr. Gosch. Die Argumente, die er oft hört, reichen von "Mein Kind soll nicht mit Chemie vollgepumpt werden", über "Aber Impfungen lösen Krankheiten aus" bis zu "Diese Krankheiten gibt es doch heute gar nicht mehr". Alles Argumente, die nicht zutreffend sind, wie Dr. Gosch bekräftigt. "Die Auswirkungen einer Krankheit wie der Masern ist oft gar nicht mehr klar, weil sie eben auf Grund des hohen Impfgrades kaum noch vorkommt", erklärt er sich den Umstand, wenn zu nachlässig mit dem Thema umgegangen wird.

Deshalb helfe nur eins, wie Dr. Eike Hennig vom Gesundheitsamt bekräftigt: "Die Ärzte müssen aufklären und beraten, damit Verunsicherungen, Unwissenheit und falsche Vorstellungen ausgeräumt werden können."

Auch die Kassenärztliche Vereinigung unterstützt das. "Impfen ist ein Dauerthema. Deshalb sind wir dauerhaft an dem Thema dran, starten sogenannte Impfkampagnen, die wir in Form von Plakaten in die Praxen schicken, um Patienten und auch Ärzte dafür zu sensibilisieren", so Mathias Tronnier, geschäftsführender Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt.