Magdeburg l Müsste man für das Wahlforum in der Johanniskirche für alle Fragen aus dem Publikum einen gemeinsamen Nenner finden, dann den, dass sich alle Wortmeldungen weniger um Zukunftsvisionen, sondern um ganz konkrete Probleme drehten.

Themen waren unter anderem: Bürgerbeteiligung, Kita-Plätze, Schulstandorte, Hochwasserschutz, die Körperbehindertenschule Fermersleber Weg, die Nord-Süd-Straßenbahntrasse, Kleingartenanlagen, die Unterbringung von Flüchtlingen und Fachkräftemangel.

Verkehr

Die meisten Fragen drehten sich um Verkehrsthemen. Wiederholt wurde die Sinnhaftigkeit des City-Tunnels (Argument Kostensteigerung) infrage gestellt. Ein Thema, das mehrmals angesprochen wurde: die 2. Nord-Süd-Straßenbahnverbindung. So wollte etwa Klaus-Dieter Trieb aus dem Kannenstieg wissen, ob der Bau dieser Trasse in seiner jetzigen Form wirklich notwendig sei (Volksstimme berichtete). Er habe den Eindruck, dass die Bürger nicht einbezogen worden sind. Lutz Trümper (SPD) konterte, dass der Bau der Nord-Süd-Verbindung vor mehr als zehn Jahren vom Stadtrat mehrheitlich beschlossen wurde und abschnittsweise passiere. "Einen Trassenbau ohne Betroffene wird es nicht geben", sagte er und spielte damit etwa auf den Protest der Laubenpieper des Kleingartenvereins "Am Ring" an, deren Parzellen gänzlich dem neuen Streckenverlauf weichen müssen. "Im Übrigen wird der Ausbau zu 90 Prozent gefördert. So eine Chance kommt nie wieder", sagte Trümper.

Frank Theile (Linke) gab zu bedenken, dass ein Ausbau - auch wenn er noch so sinnvoll ist - nichts bringe, wenn er in der Bevölkerung nicht auf Akzeptanz stoße. Edwina Koch-Kupfer (CDU) sagte, dass man "die Menschen hätte mitnehmen müssen". Wie, sagte sie aber nicht. Olaf Meister (Grüne) bezeichnete den Trassenbau als richtig. "Worüber man streiten kann, ist der Streckenverlauf", so Meister. Einzelbewerberin Christine Meier vermied konkrete Aussagen. Sie sagte nur: "Das ist ein großes komplexes Etwas, wo man noch mal genauer gucken muss."

Bildung

Der emotionalste Moment des Abends war die Wortmeldung von Katja Rohjan aus dem Jerichower Land. Die Mutter berichtete von ihrer Tochter, welche die Körperbehindertenschule am Fermersleber Weg (FÖS) besucht. Sie fragte den Oberbürgermeister, was aus ihr werden soll, wenn an der Schule wie angekündigt nur noch Magdeburger Kinder unterrichtet werden sollen (Volksstimme berichtete). Lutz Trümper wies die Schuld für die aktuelle Situation von sich. "Das Land ist in der Pflicht", sagte er. Man habe keine Möglichkeit, ab 2016 noch Kinder aus anderen Landkreisen zu unterrichten. Frank Theile (Linke) zeigte sich erschüttert von der verfahrenen Situation und der Bürokratie seitens des Landes und sagte, dass inklusive Beschulung möglicherweise das Problem lösen könnte. Olaf Meister (Grüne) gab Trümper indirekt recht, dass dieses Problem auf Landesebene gelöst werden müsse. Er kritisierte aber auch, dass die Stadt städtisches Geld beim Tunnelbau ausgebe, bei einem FÖS-Neubau aber keine städtische Finanzierungsmöglichkeit sieht.

Fachkräfte

Am Ende der Debatte meldete sich Student Marcel Müller. Er wollte wissen, was die Kandidaten tun würden, damit Fachkräfte nach ihrer Ausbildung in Magdeburg bleiben. Er war damit einer der wenigen Fragesteller, die eine Zukunftsvision hören wollten. Josef Fassl (Tierschutz) sagte, dass es in Magdeburg immer noch zu wenig Arbeitsplätze gebe und mehr große Unternehmen - wie etwa der Versandhändler Otto in Haldensleben - in die Landeshauptstadt gelockt werden müssten. Christine Meier (Einzelbewerberin) plädierte hingegen für die Stärkung von kleinen und mittelständischen Betrieben. Edwina Koch-Kupfer (CDU) schlug eine Fachkräfte-Offensive und eine stärkere Vernetzung von Hochschulen und Betrieben vor. Damit stimmte sie mit Olaf Meister (Grüne) überein, der ebenfalls für eine stärkere Vernetzung von Hochschulen und Unternehmen plädierte. Lutz Trümper verwies hingegen auf das Erreichte. So hätten sich in Magdeburg in den vergangenen Jahren mehrere große Unternehmen (u.a. IBM) angesiedelt. Frank Theile (Linke) appellierte jedoch an die Eigeninitiative junger Fachkräften. "Wir müssen Vernetzung fördern. Aber der wichtigste Punkt sind Sie", sagte er.

In den kommenden Tagen werden in der Volksstimme die wichtigsten inhaltlichen Positionen der Kandidaten noch vergleichend dargestellt.

 

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