Magdeburg l Knapp 20000 Magdeburger Schüler und auch ein Teil ihrer Eltern müssen sich für den morgigen Freitag auf einen ungewöhnlichen Start in den Schultag einstellen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW hat die angestellten Lehrer zu einem Warnstreik aufgerufen. In Magdeburg unterrichten 1670 Lehrer. Schätzungsweise zwei Drittel davon sind angestellt und nicht verbeamtet. Der Ausstand soll von 7 Uhr bis 10 Uhr andauern und betrifft daher in der Regel die ersten beiden Unterrichtsstunden.

Anlass für die Aktion sind die Tarifauseinandersetzungen für die angestellten Lehrer. Die Gewerkschaft will mit dem Warnstreik weiteren Druck aufbauen. Der Streik untermauert die Forderungen nach Angleichung der Bezahlung zwischen angestellten und verbeamteten Pädagogen. Außerdem fordert die Gewerkschaft 5,5 Prozent mehr Lohn. Zudem soll eine Kürzung der Betriebsrente verhindert werden. In Magdeburg sind schätzungsweise 1000 Lehrer in der GEW organisiert. "Das Streikrecht besitzen aber auch alle anderen angestellten Lehrer staatlicher Schulen", sagte GEW-Kreisvorsitzender Dirk Schumeier.

Die Streikteilnehmer werden sich im Haus der Gewerkschaften in der Otto-von-Guericke-Straße treffen. In dieser Zeit soll über eine Notversorgung die Betreuung der Kinder in den Schulen abgesichert sein, hieß es von den Gewerkschaften. Das ist vor allem in den Grundschulen wegen des Alters der Kinder erforderlich.

Martin Hanusch, Sprecher des Kultusministeriums, bestätigt: "In den Schulen sind Notbetreuungen für Kinder gewährleistet." Und: Schulpflicht bestehe trotz des Warnstreiks und des damit verbundenen Unterrichtsausfalls.

In der Praxis stellt das die Schulen vor Probleme. In der Grundschule An der Klosterwuhne in Magdeburgs Norden lernen 300 Kinder, die morgen früh irgendwie versorgt werden müssen. Schulleiter Torsten Olle, selbst nicht verbeamtet, muss die Vormittagsbetreuung der 300 Kinder mit sieben verbeamteten und damit nicht streikberechtigten Kollegen organisieren. 20 Lehrer kümmern sich normalerweise um den Schulbetrieb. 13 davon folgen aber als Angestellte möglicherweise dem Aufruf zum Warnstreik. "Das ist nicht einfach. Die Jungs werden vielleicht Fußball spielen, alle anderen ein Video schauen. Normaler Unterricht wird nicht möglich sein", so Torsten Olle weiter.

Derweil wollen die streikenden Lehrer am Gewerkschaftshaus auf sich aufmerksam machen. Wie viele Kollegen dem Aufruf folgen, ist nicht abzuschätzen. "Vor etwa 2 Jahren waren es rund 500 Lehrer", sagte Steffen Klewe, stellvertretender GEW-Kreisvorsitzender in Magdeburg.

Übrigens: GEW-Mitglieder können den streikbedingten Verdienstausfall aus der Kasse der Gewerkschaft ausgleichen lassen. Alle anderen müssen mit Abzug vom ohnehin niedrigeren Gehalt rechnen.

Die Differenz zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern beträgt in bestimmten Fällen bis zu 1000 Euro, zum Beispiel zwischen Techniklehrern und anderen Kollegen an Berufsschulen, heißt es aus Lehrerkreisen. Und noch etwas ist von dort zu hören: In 15 bis 20 Jahren habe sich die Frage auf andere Weise geregelt. Dann gebe es kaum noch angestellte Lehrer, weil die jüngeren Generationen nahezu vollständig verbeamtet seien. Für die Rechte der Angestellten wolle man jetzt aber kämpfen, sagt die GEW. In Magdeburg mit dem Warnstreik morgen früh von 7 Uhr bis 10 Uhr