Reform l Die Sprachverständigung ist noch ein wenig holperig, aber Margot Krüger, Bewohnerin im Awo-Seniorenzentrum "Hilde-Ollenhauer-Haus", war früher Lehrerin und hat Geduld. Sie fühlt sich gut betreut von der neuen chinesischen Pflegerin Mulin Lin auf ihrer Station. Fröhlich sei sie, hilfsbereit und freundlich. Und das mit der Sprache werde schon. Mulin Lin gehört mit zu einer Gruppe von fünf chinesischen Pflegekräften, die seit rund einem Monat in den Awo-Pflegeheimen "Hilde-Ollenhauer-Haus" in Reform und "Hermann-Beims-Haus" im Kannenstieg arbeiten.

Dass die fünf neuen Mitarbeiter aus dem fernen China nach Magdeburg gekommen sind, ist aus der Not geboren. "Wir benötigen dringend qualifizierte Pflegekräfte in unseren Einrichtungen", sagt Awo-Landesverbandsgeschäftsführer Wolfgang Schuth. Und entsprechende Mitarbeiter seien zurzeit nur sehr schwer auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu finden.

So schwer, dass in einigen Pflegeheimen im Land bereits ein Aufnahmestop gilt. Und die Personalsituation werde sich in den kommen Jahren noch verschärfen. Viele Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen würden in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, gleichzeitig sei mit einem Anstieg an pflegebedürftigen Senioren zu rechnen. Darum habe man bei der Awo bereits in den Nachbarländern nach Mitarbeitern Ausschau gehalten. In Tschechien etwa oder in Lettland.

Und in China. Der Kontakt zu Lijia Guo, Yingying Hou, Mulin Lin, Rongmei Yang und Xia Zhang kam durch eine Personalagentur zustande. Die Agentur schaue sich auf dem chinesischen Arbeitsmarkt speziell nach Pflegekräften um und habe die fünf angesprochen, ob sie sich vorstellen könnten, für einige Jahre in Deutschland zu arbeiten. Alle sind gelernte Gesundheitspflegekräfte und haben nach kurzem Überlegen zugesagt.

"Mich interessiert, ein anders Land, eine andere Sprache und neue Menschen kennenzulernen", sagt Mulin Lin, die aus Hénán nach Magdeburg gekommen ist. Natürlich sei China ganz anders. Gewundert habe sie sich über die "wenigen" Autos und die wenigen Menschen auf den Straßen von Magdeburg. In Hénán, die Stadt ist eine der vielen Millionen-Städte in China, sei alles viel enger.

Für die Chinesen war der Sprung nach Magdeburg mit viel Vorbereitungsarbeit verbunden. Acht Monate vor ihrem Abflug haben sie angefangen, die neue Sprache zu lernen und sich mit den deutschen Pflegestandarts vertraut gemacht.

Noch viel lernen
Und das Lernen geht weiter, denn um in Deutschland arbeiten zu können, müssen sie noch Sprachkurse absolvieren und für die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse Prüfungen ablegen. Darum seien sie vorerst als Pflegehilfskräfte eingestellt worden. Nach bestandenen Prüfungen sollen sie dann normale Arbeitsverträge bekommen - mit der gleichen Bezahlung, wie ihre deutschen Kollegen. "Wir hoffen, dass dies in drei Monaten erledigt ist", sagt Schuth. Auf den Stationen seien die jungen Asiaten bereits sehr beliebt und bekommen jede Hilfe, die sie benötigen. Mentoren kümmern sich um sie und die Awo hat ihnen eine feste Ansprechpartnerin zur Seite gestellt, die ihnen helfen soll, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

In den Awo-Pflegeheimen seien gut qualifizierte ausländische Fachkräfte sehr willkommen. Den vorhandenen Personalstamm durch Qualifizierung stärken, Nachwuchskräfte ausbilden und daneben durch ausländische Mitarbeiter den Personalbedarf decken, das sei die Strategie der Awo, so Geschäftsführer Wolfgang Schuth.

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