Das Open-Air-Jahr wartet mit einer überraschenden Nachricht auf. Magdeburgs traditionsreichstes Mittelalterfest "Spectaculum" verlässt die Festung Mark und wechselt in die Kasernenanlage Ravelin am Magdeburger Ring.

Altstadt l Hintergrund der Entscheidung sind in erster Linie Lärmschutzgründe. In der Festung hatte es in den Vorjahren Anwohnerbeschwerden und daraus folgend Behördenauflagen an alle Veranstalter gegeben, die in der Feste organisieren. Zu den Betroffenen gehört auch das Mittelalterfest "Spectaculum Magdeburgense". Es hatte in den 12 Jahren bisher rund 150000 Gäste in die Festung Mark gelockt. Doch damit ist nun Schluss. "Wir ziehen ins Ravelin II um", sagte Organisator Mirko Stage vom Veranstalter Kulturszene Magdeburg e. V. Die endgültige Entscheidung sei zu Jahresbeginn gefallen. Mit dem Wechsel sei aber schon länger geliebäugelt worden. Bereits zu Pfingsten 2014 hatte das Mittelalterspektakel seine Außenaktionen aus Lärmschutzgründen aus dem Festungshof in den Park am Hohepfortewall und auf einen benachbarten Schotterplatz verlegen müssen. Man ziehe aber nicht im Groll aus der Festung aus, sondern trage den Umständen Rechnung, hieß es seitens des Kulturszene e. V.

In der Wehranlage zwischen Maybachstraße und Magdeburger Ring hoffen die Veranstalter nun auf bessere Bedingungen. Die Behörden hätten grundsätzlich Zustimmung gegeben. Dazu gehöre auch eine Veranstaltungsgenehmigung bis Mitternacht. In der Festung hatten die Mittelalterfreunde um 21.30 Uhr alle Aktionen im Freien beenden müssen.

Freude herrscht auch bei den Ravelinfreunden: "Wir freuen uns sehr auf das Fest, sagen aber auch gleich: Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz. Das Ravelin wird nicht zu einer zweiten Festung Mark. Ganz im Gegenteil: Wir arbeiten zusammen", sagt Rüdiger Stefanek, Vorstandsvorsitzender des Sanierungsvereins Ravelin II.

Die Festung Mark indes setzt zu Pfingsten nun auf ein großes Familienfest und kann den Wegzug der Mittelalter-Macher nachvollziehen. Geschäftsführer Christian Szibor: "Die Veranstalter haben sich wegen der Auflagen zwar für ein anderes Objekt entschieden. Wir sehen das trotzdem als Bereicherung der Kulturszene in Magdeburg an." Das Konzept des Ravelins sei nicht auf Veranstaltungen, sondern Tourismus ausgelegt, sagte Stefanek weiter. Mit maximal vier größeren Aktionen im Jahr wolle man auf die Anlage aufmerksam machen. Das Ravelin aus dem 19. Jahrhundert solle als Touristenattraktion ausgebaut werden.

Zu Pfingsten wird nicht nur der Festungshof im Ravelin bespielt, sondern auch das grüne Parkareal ringsum zwischen Maybachstraße und der Brücke über den Magdeburger Ring. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Rund 250 Mitwirkende sollen Mittelalterflair verbreiten und dabei auch ein Stück Magdeburger Stadtgeschichte miteinander verknüpfen. Im Mittelalter gab es die Wehranlage Ravelin noch gar nicht. Sie ist stattdessen ein Ergebnis der Stadtentwicklung Ende des 19. Jahrhunderts, als Magdeburg zur preußischen Festungsstadt wurde. Die Grundlagen dafür waren aber bereits im Mittelalter gelegt worden.