Magdeburg l Am Montagabend ist der Magdeburger Ableger des Anti-Islam-Bündnisses Pegida "Magida" zum zehnten Mal durch Magdeburg "spaziert". Die Kundgebung startete an der Hauptwache. Die laut Polizei 280 Teilnehmer liefen dann mit Fackeln über die Ernst-Reuter-Allee, den Breiten Weg, die Danzstraße, Otto-von-Guericke-Straße und zurück zur Hauptwache. Vergangene Woche kamen laut Polizei 290 Teilnehmer zur Magida-Demonstration, in den Wochen zuvor waren es bis zu 800 Teilnehmer.

Die Magida-Route verlief damit am Dom vorbei. Die Evangelische Domgemeinde ließ als Mahnung die Domglocken läuten. Außerdem veranlasste Prediger Giselher Quast, dass die Dom-Beleuchtung ausgeschaltet wurde. Ähnliche Aktionen hatte es bereits auch in anderen Städten wie etwa Köln gegeben. Eine von insgesamt fünf Gegenkundgebungen an der alten Staatsbank stand unter dem Motto "Kein Fackelzug in die Vergangenheit". Denn der Magida-Aufmarsch fiel auf den 82. Jahrestag des Reichsermächtigungsgesetzes. Zusammen mit der Reichstagsbrandverordnung gilt es als Rechtsgrundlage der NS-Diktatur. Auch damals zogen Menschen mit Fackeln durch Innenstädte und vor die Parlamente. Während die Magida-Organisatoren stets betonen, dass sie nicht in die "rechte Ecke" geschoben werden wollen, sah Domprediger Quast in seiner Rede eine Nähe zu rechtem Gedankengut gerade durch die Fackelsymbolik erneut bestätigt. Er sagte: "Fackelmärsche sind das Zeichen von Diktaturen. Wenn etwas brennen muss, dann sind es unsere Herzen." Quast rief bei der Kundgebung am Dom aber auch zum politischen Diskurs mit den Magida-Teilnehmern auf. Man dürfe diesen Teil der Gesellschaft nicht aufgeben.

Extremismusexperte David Begrich, der ebenfalls auf der Gegenkundgebung am Dom sprach, sagte: "Fackelmärsche sind kein Mittel politischer Argumentation." Wer so durch die Stadt laufe, müsse sich den Rechten zuordnen lassen. Begrich spielte damit auf die NS-Ästhetik im Dritten Reich an. "Damals brannten erst Fackeln, zum Schluss Menschen", so Begrich weiter.

Bei zurückliegenden Magida-Veranstaltungen waren wiederholt NPD-Funktionäre und Rechtsextreme ans Mikrofon getreten. Auch AfD-Mitglieder gehörten zu den Sprechern. Im Magida-Umfeld war es auch zu Morddrohungen gegen Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) gekommen, der seitdem Personenschutz vom LKA bekommt (Volksstimme berichtete). Laut Innenministerium Sachsen-Anhalt gehören Dutzende Rechtsextreme, Rocker und Hooligans zum Magida-Umfeld. Eine Einschätzung, die auch Extremismusexperten und Staatsschutz teilen. Auch am Montag waren wieder Vertreter der Freien Kräfte, der NPD und der Partei Die Rechte unter den "Spaziergängern". Auf einem Schild der Magida-Demonstranten stand etwa der Spruch "Rassenmischung ist Gotteslästerung".