Magdeburg l Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Im vergangenen Januar sah es schlecht für den knallroten Bus der Magdeburg-Marketing-Kongress- und Tourismus-GmbH (MMKT) aus. Magdeburg hatte sich 2011 eine grüne Umweltzone für die Innenstadt gegeben, nur "saubere" Fahrzeuge mit grüner Plakette dürfen seitdem in die City fahren.

Ausgerechnet der beliebte Bus (Baujahr 1982) für Stadtrundfahrten mit seinem PS-starken Dieselmotor erfüllt die Abgasnorm nicht. Es gab zwar Ausnahmegenehmigungen, damit war aber für 2015 Schluss. Eine Umrüstung des Motors schien unmöglich, und auch eine Sondergenehmigung, um den Bus als "historisches Fahrzeug" weiter durch die Stadt lenken zu können, war nicht mehr zu bekommen. Denn ganz so "historisch" ist der Bus nicht, auch war schon zu viel an dem Doppeldecker modernisiert worden.

Ende! Zukunftsperspektive für den "Roten": Schrottplatz.
Die Volksstimme berichtete im Januar darüber. Den Artikel las in Berlin ein ehemaliger Magdeburger, der - wunderbarer Zufall - in einem Unternehmen arbeitet, das sich mit der Umrüstung von Motoren beschäftigt. Der Mann meldet sich bei MMKT-Geschäftsführerin Sandra Yvonne Stieger. "Es gab richtig viele Telefonate. Er wollte unbedingt etwas für seine Heimatstadt tun und hat seine Hilfe angeboten."

Mit Unterstützung des Fachmanns wurde in ganz Deutschland nach einem Umrüst-Bausatz gesucht. "Das war nicht ganz einfach, denn unser Bus hat einen ganz speziellen, eher seltenen Motor, und zwischenzeitlich sah es auch so aus, als wären alle Mühen vergebens", sagt Sandra Yvonne Stieger.

Vor ein paar Tagen, am 17. März, kam dann aber die frohe Botschaft: Ein Nachrüst-Bausatz ist gefunden, er kann eingebaut werden! Allerdings hat er eine etwas längere Lieferzeit. "Der Motor kann erst Ende April umgerüstet werden", sagt die MMKT-Geschäftsführerin. Das werde von der Buswerkstatt der MVB, die den "roten Dieselflitzer" warten, übernommen. "Die MVB sind ein guter Partner für uns und machen an dem Bus eine tolle Arbeit", lobt Stieger. Auch sitze hinter dem Steuer des Doppeldeckers immer ein MVB-Fahrer.

Mit dem dann abgasgereinigten Motor könne der Bus noch einige Jahre genutzt werden, so Sandra Yvonne Stieger. Das rechtfertige auch die Kosten von rund 20000 Euro für den Umrüst-Bausatz. "Ohne den Bausatz hätten wir den roten Bus, der in einem richtig guten Allgemeinzustand ist, verschrotten und einen teuren neuen Bus anschaffen müsse." Zur Erinnerung: Der Kauf des Rundfahrtbusses hatte die Stadt seinerzeit 130000 Euro gekostet.

"Der rote Bus mit seiner auffälligen Erscheinung ist für die Stadt Magdeburg zu einem wichtigen Werbeträger geworden, auf den wir nicht verzichten können", sagt Stieger. Die Stadtrundfahrten mit dem Bus seien in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Mittlerweile müsse man die Rundfahrten schon frühzeitig buchen, um zum gewünschten Termin auch tatsächlich einen Platz zu bekommen.

Am 1. April wird der Doppeldecker dann wieder wie gewohnt mit Stadtrundfahrten in die Saison starten. Das ist möglich, da die MMKT für den "Roten" doch noch eine "kleine" Sondergenehmigung für einen Monat bekommen konnte. "Ich bin froh, dass ich nicht gleich zu meinem Amtsantritt zur Schrotthändlerin geworden bin", freut sich Sandra Yvonne Stieger, die die MMKT-Geschäftsführung erst am 1. Januar 2015 übernommen hatte.