Er liegtals Bettwäsche in ihrem Schlafzimmer, hängt in großen Bildern an der Wand, sitzt als Kissen auf dem Sofa und füllt mit seinen Schallplatten so ziemlich jeden Schrank: In der Wohnung von Karin Kirbis ist Udo Jürgens allgegenwärtig - auch nach seinem Tod.

Es ist keinesfalls übertrieben, die 77-Jährige als größten Udo-Jürgens-Fan der Stadt zu bezeichnen. Seit 20 Jahren leitet sie ihm zu Ehren einen Fanclub, besuchte unzählige seiner Konzerte, Wohn- und Wirkungsstätten. Sie veröffentlichte 145 Ausgaben der Fanclub-Broschüre "Bühnengeflüster" und versorgt die 34 Clubmitglieder stets mit neuestem Bild- und Infomaterial. Erstmals gesehen hatte sie Udo Jürgens im Westfernsehen. Von da an sammelte sie, was sie kriegen konnte. Inzwischen kann sie mehr als 140 Platten und über 70 Filmaufnahmen ihr Eigen nennen; etliche davon sind mittlerweile überaus wertvoll. Poster, Autogrammkarten und Zeitungsartikel hat sie in Hülle und Fülle.

Dass es ein bisschen sonderbar ist, jeden Schnipsel von und über Udo Jürgens zu sammeln, streitet Karin Kirbis nicht ab. Dabei beteuert die Magdeburgerin, dass es keine Liebelei sei: "Udo ist ein attraktiver Mann, aber nicht mein Typ". Vielmehr begründen seine Songtexte ihr Fan-Dasein. Er schrieb über 1000 Lieder. Für jede Lebenssituation gebe es ein passendes. "Ich höre es und denke: `Danke Udo, jetzt geht`s mir wieder besser`."

Nur für den 21. Dezember 2014 hat es gewiss keines gegeben - an diesem Tag starb Udo Jürgens im Alter von 80 Jahren an Herzversagen. Karin Kirbis weiß noch genau, was sie tat, als sie davon erfuhr: "Ich hatte gerade einen Umschlag mit unserer neuen Ausgabe der Fan-Zeitung fertig gemacht, dann rief eine Freundin an ... Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Damit hatte ich nicht gerechnet."

Knapp vier Wochen zuvor hatte sie ihn noch in Hamburg auf einem Konzert erlebt. "Da war er total aufgedreht und sprang noch über die Bühne", erinnert sie sich.

Nun ist er nicht mehr da und was bleibt, sind die Erinnerungen. Aber von denen hat sie immerhin eine Menge. Die schönste sei ein gemeinsamer Abend in den 90ern. Jürgens sei damals in der Stadthalle aufgetreten. Nach dem Konzert teilte sich der Fanclub auf, um zu schauen, in welchem Hotel er untergebracht war. Fündig wurden sie im Herrenkrug. Dort saß er zunächst mit einigen Leuten in der Ecke, kam aber später mit ihnen ins Gespräch. "Er saß auf der Couchlehne die ganze Zeit neben mir. Unsere Knie berührten sich", erzählt sie und zeigt das Foto dazu.

Besonders freue sie sich jedoch, dass sie im Besitz von zwei seiner roten Einstecktücher ist. Eines habe sie von ihm geschenkt bekommen, das andere bei einem Konzert "gemopst". "Wir standen damals in der ersten Reihe. Und als er sich von der Bühne hinunterbeugte, um Blumen in Empfang zu nehmen, hab ich`s ihm aus der Brusttasche gezogen", erzählt sie schmunzelnd. Mittlerweile ziere beide Tücher auch das Signum des Musikers. Dass sich zu diesen "Schätzen" und Erinnerungen keine weiteren hinzugesellen werden, macht sie traurig. "Sein Tod hat uns alle sehr mitgenommen." Aus diesem Grund legten sie am vergangenen Freitag auch Blumen und Kerzen vor der Getec-Arena nieder. Denn an diesem Tag hätte Udo Jürgens in Magdeburg ein Konzert gegeben. Alle hatten schon Karten.

Den Fanclub nun aufzulösen, komme erst mal jedoch nicht in Frage: "Wir werden uns vermutlich zweimal im Jahr treffen, um die Erinnerungen an ihn wachzuhalten." (ka)

Bilder