Magdeburg l Nun ist es amtlich. Die Stadtverwaltung hat die Kosten für die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen deutlich nach oben korrigiert - auf 14 Millionen Euro. Bei der letzten Prognose im Dezember war man für 2015 noch von Kosten in Höhe von ungefähr 11 Millionen Euro ausgegangen.

Über das Finanzausgleichsgesetz wird sich Magdeburg zwar den Großteil vom Land zurückholen. Trotzdem rechnet man im Rathaus damit, 2015 auf Kosten in Höhe von 5 Millionen Euro sitzenzubleiben. "Das Land ist hier in der Pflicht", sagt Sozialbeigeordnete Simone Borris der Volksstimme auf Nachfrage. Ob es am Ende für Magdeburg bei den 5 Millionen bleiben wird, ist ebenso unklar. Laut Sozialdezernat liegt diesen Zahlen die aktuellste Kalkulation zugrunde. "Übersteigen die Zuweisungen die der Planung zugrunde gelegte Prognose, wird sich auch das Defizit noch weiter erhöhen", so Borris weiter.

Bis zum Jahresende muss die Stadt 980 zusätzliche Plätze schaffen. Das soll hauptsächlich in Wohnungen und dezentral geschehen. Entgegen ersten Ankündigungen soll die Wohnunterkunft am Bruno-Taut-Ring um einen Aufgang erweitert werden. Ursprünglich sollten in dem Plattenbau vier Eingänge angemietet werden. Der 5. Aufgang werde von der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) nun wegen akuten Bedarfs und "aus wirtschaftlichen Gründen" saniert. "Zurzeit sind am Bruno-Taut-Ring keine weiteren Anmietungen für 2015 beabsichtigt", versicherte Borris. Die Sozialbeigeordnete rechnet bei der Unterbringung bis zum Jahresende "kurzfristig und kurzzeitig mit erheblichen Engpässen". Kritiker der Unterbringung am Bruno-Taut-Ring hatten in der Vergangenheit immer wieder angemahnt, dass die Eröffnung von mehr als vier Eingängen zu einer Ballung führe. So fordern etwa die Grünen seit Jahren eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Wohnungen und im gesamten Stadtgebiet. "Die Stadt hält an der dezentralen Unterbringung fest", sagte Borris auf Nachfrage.

Lobend äußerte sich Borris über die positiven Signale aus der GWA Neu-Olvenstedt und von vielen Anwohnern. Die Stadt hatte beispielsweise einen Tag der offenen Tür organisiert. Trotzdem warfen Unbekannte am Tag der Eröffnung Fensterscheiben der Asyl-Unterkunft ein, die Täter wurden nicht gefasst.

Derzeit hat Magdeburg 77 Wohnungen mit einer Kapazität von knapp 280 Plätzen angemietet. Es laufen Gespräche mit Vermietern in Sudenburg, Stadtfeld-Ost und Neue Neustadt. Planungen für mehrere Container-Bauten an der Gieselerhalle existieren.

Derzeit bekommt Magdeburg pro Monat 137 Flüchtlinge und Asylsuchende zugewiesen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden Magdeburg 380 Flüchtlinge zugewiesen. In der Landeshauptstadt leben (Stand Dezember 2014) ungefähr 1200 Asylbewerber und Flüchtlinge. Davon knapp 600 in Gemeinschaftsunterkünften und 600 in Wohnungen.