Magdeburg l "Es ist ganz furchtbar, was hier passiert", erklärt der Rothenseer Reinhard Riemann am Redaktionstelefon und meint den neuerlichen Kahlschlag im Ortskern. In der Ziegeleistraße waren in den vergangenen Tagen wieder die Holzfäller im Landesauftrag im Einsatz, um Laubbäume als potenzielle Wirtsbäume für den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) zu fällen.

Doch anders als bisher wird die Kettensäge nicht mehr rigoros an allem, was Blätter hat, angesetzt. Aufgrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse werden Obstgehölze und Eichen wegen ihres geringen Befallrisikos stehengelassen, erklärt Axel Henning von der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG).

Die Behörde koordiniert die Bekämpfung des gefährlichen Schädlings im Norden Magdeburgs. Neben der Ziegeleistraße sind auch am Glindenberger Weg, am Hauptzollamt und auf der Steinkopfinsel an den bisher bekannten Käferfundorten Fällarbeiten durchgeführt worden. Hunderte Bäume wurden seit dem ersten Fund im vergangenen August (siehe Infokasten) vorsorglich gefällt.

Im Februar gab es nach Auskunft von Henning ein Arbeitsgespräch mit den Käferexperten vom Julius-Kühn-Institut und Vertretern der Bundesländer, die mit dem ALB zu kämpfen haben. Dort wurde ein Entwurf besprochen, der derzeit auf EU-Ebene vorbereitet wird und die Bekämpfungsrichtlinien neu regeln soll. "Dieser geht von einer anderen Wirtsbaumliste aus", sagt Henning. Apfel, Birne und Co. sowie die Eiche werden somit nicht länger als attraktive Nahrungsquelle für den ALB angesehen. Obwohl eine Entscheidung der EU-Staaten noch aussteht, richtet sich die LLFG bereits danach und hat in ihren Ankündigungen die Eigentümer bereits über die Ausnahmen informiert.

Über den Winter wurde die Kontrolle aller Bäume in der Quarantänezone fortgeführt. Dabei wurden offenbar auch weitere befallene Bäume entdeckt. Wie viele und wo diese stehen, wollte Henning noch nicht sagen. Er kündigte aber eine neue Allgemeinverfügung für die Zeit nach Ostern an. Diese habe aber nur "unwesentliche" Auswirkungen auf die Größe der Zone. Außerdem sollen dann die neuen EU-Regeln schon eingearbeitet sein. "Wir warten noch deren Beschluss ab", sagte Henning.