Magdeburg/Halle l Einen direkten Draht zur MVB-Spitze soll der neue Fahrgastbeirat haben und bei Streckenführungen oder Neuanschaffungen ein Wörtchen mitreden. Doch welche Kompetenzen er letztendlich haben wird und wer sich wann wo dafür bewerben kann, ist bis jetzt noch völlig offen, wie MVB-Sprecher Tim Stein auf Volksstimme-Nachfrage mitteilt.

Mit Unterstützung von Grünen und SPD - und gegen den Verwaltungswillen - hatten die Linken den Fahrgastbeirat auf der jüngsten Stadtratssitzung durchgeboxt. Zu hoch seien die jährlichen Kosten von 5000 Euro für Kaffee, Kuchen und personelle Betreuung bei den angedachten vierteljährlichen Sitzungen, zu gering der Nutzen dieser weiteren Kontrollinstanz, hatten MVB und Stadt dagegen argumentiert.

Nach dem Vorbild der Halleschen Verkehrs AG (Havag), wo es ihn bereits seit 2003 gibt, soll nun aber doch ein solcher Beirat gegründet werden. Im vergangenen Februar hatte sich dieser mit Unterstützung des Havag-Vorstands neu konstitutiert. Neun Mitglieder aus den größten Fahrgastgruppen (u. a. Schüler, Studenten, Senioren, Behinderte, Touristen) sowie neun interessierte Bürger sind seitdem dort vereint. Sie beraten z. B. darüber, wie die neuen Busse aussehen sollen oder welche Fahrkartenautomaten angeschafft werden.

Die Initiative für den Beirat ging in Halle vom Verkehrsunternehmen selbst aus, wie Vorstand Vinzenz Schwarz im Volksstimme-Gespräch erklärt. "Wir wollten aus den jahrelang `eingefahrenen` Strukturen des alten Fahrgastbeirats herauskommen", sagt er. Daraufhin habe man sich die Zusammensetzung der Kunden angeschaut und die entsprechenden Institutionen angesprochen. Diese entsandten wie z. B. das Studentenwerk Halle einen dauerhaften Vertreter, der nun für die Interessen der rund 20000 Studenten der Stadt eintritt. Die "frei gewählten" Mitglieder hatten sich nach einem öffentlichen Aufruf um die Mitarbeit beworben. Das Los hat dann aus der Vielzahl der Bewerber entschieden, erklärt er das Verfahren.

Da der neue Fahrgastbeirat erst seit einem Jahr aktiv ist, könne er allerdings noch keine Bilanz über dessen Arbeit ziehen. "Dazu ist es noch zu früh", so Vinzenz Schwarz. Hinsichtlich der in Magdeburg als Hinderungsgrund ins Feld geführten Kosten erklärt er aber: "Fasst man die Aufwendungen für Sitzungsräume und Getränke zusammen, bleibt ein überschaubarer Betrag, den die Havag trägt."

Hans-Joachim Berkes, Sprecher des Hallenser Beirats, glaubt an dessen Sinn, "wenn es dem Unternehmen ernst damit ist". "Wir versuchen stets darauf hinzuwirken, frühzeitig bei Entscheidungen einbezogen zu werden", erklärt er die Aufgabe des Fahrgastbeirats.

Laut Tim Stein ist derzeit noch nicht abzusehen, wann die MVB-Kunden ihr "Sprachrohr" bekommen. Es seien noch Abstimmungen zwischen Stadt und MVB notwendig, da überhaupt noch gar nicht klar ist, wie der Beirat umgesetzt werden soll. "Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht", so Stein.