Magdeburg l Kaum ist der erste Entwurf des Bebauungsplanes für das Cracauer Stadtteilzentrum an der Ecke Cracauer/Friedrich-Ebert-Straße vom Tisch, da gibt es bereits ein neues Konzept der Stadtverwaltung. Die beiden führenden Köpfe der Bürgerinitiative "Friedrich-Ebert-Straße", Klaus-Dieter Pantke und Jörg Vierhaus, sind nicht zufrieden mit dem Vorhaben der Stadt. "Das Verfahren ist wie gehabt. Die Betroffenen werden nicht gefragt. Die Verwaltung macht was sie will, obwohl im Rahmen des Verfahrens eine eindeutige Bürgermeinung geäußert und abgestimmt wurde, die nicht mit den Plänen der Verwaltung übereinstimmt", so Jörg Vierhaus.

In dem Areal zwischen Struvestraße und Cracauer Straße soll weiterhin einem Discounter die Möglichkeit geboten werden, mit den notwendigen Stellplätzen unterzukommen. Der angekündigte Bau einer Kindertagesstätte an der Struvestraße wird auf Kosten des seit Jahren vorgesehenen Spielplatzes erweitert. Die im Flächennutzungsplan enthaltene Trasse für eine Verlängerung der Friedrich-Ebert-Straße zur Potsdamer-Straße wird auf absehbare Zeit nicht realisiert. Allerdings sollen keine Planungen entwickelt werden, die eine zukünftige Trassierung unmöglich machen, heißt es im Entwurf des sogenannten B-Plans.

Der Neubau einer Kita an der Struvestraße wird zwar von den Bürgern begrüßt. Die Pläne der Stadt sehen aber vor, direkt angrenzend an die Außenfläche der Kita Parkplätze für den Discounter zu bauen "Die Spielfläche der Kinder wäre damit einer immensen Belastung durch Abgase und Feinstaub ausgesetzt", befürchtet die Bürgerinitiative und fragt sich: "Wer vertritt eigentlich die Interessen der Kinder bezüglich des gestrichenen öffentlichen Spielplatzes?"

"Die Stadtverwaltung sollte endlich eine Planung entsprechend dem Bürgerwillen vorlegen", ergänzt Jörg Vierhaus.

Zwischenzeitlich hatte die Bürgerinitiative einen Alternativplan für ein Cracauer Stadtteilzentrum erarbeiten lassen, der eine Einfamilienhausbebauung entlang der Straße Am Brellin ausweist, sowie eine öffentliche Grünfläche und einen öffentlichen Spielplatz anstelle von Norma und der Verlängerung der Friedrich-Ebert-Straße vorsieht (Volksstimme berichtete). "Der Plan ist den Parteien im Stadtrat bekannt, auch das Stadtplanungsamt hat davon Kenntnis", erzählt Jörg Vierhaus. Das Unternehmen Dr. Sporkenbach Baukonzept GmbH hat bereits konkretes Interesse an der Umsetzung der geplanten Wohnbebauung gemeldet. In Abstimmung mit der Bürgerinitiative wurde ein eigenes Konzept für das Cracauer Stadtteilzentrum erarbeitet. "Wir haben unser konkretes Interesse an der Umsetzung der geplanten Wohnbebauung als Investor bekundet. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Kaufanfrage an den Liegenschaftsservice der Stadt Magdeburg gestellt. Eine Zwischeninformation wurde uns von der Stadt für die 15. Kalenderwoche in Aussicht gestellt", so Geschäftsführer Detlef Sporkenbach. Weitere direkte Gespräche mit der Stadt gab es nicht.

In der Sitzung der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Ostelbien Ende Februar hat, bis auf wenige Gegenstimmen, die Mehrheit der Anwesenden die Alternativplanung der Bürgerinitiative befürwortet. "Die Anwohner wünschen sich ausdrücklich ein bürgerfreundliches, grünes Stadtteilzentrum anstatt eines neuen Discounters und der verlängerten Hauptverkehrsstraße", erklärt Vierhaus.

Im Rahmen der Offenlegung des ersten Entwurfs haben Bürger und betroffene Anwohner Stellungnahmen beim Stadtplanungsamt eingereicht. "Bis heute haben wir keine Antwort oder Stellungnahmen der Stadtverwaltung auf unsere berechtigten Einwendungen erhalten. Nunmehr schlägt die Stadtverwaltung dem Stadtrat vor, der Ansiedlung von Norma mit dem Bau von Parkplätzen und der Vorhaltefläche für die Verlängerung der Friedrich-Ebert-Straße, sowie dem Wegfall des öffentlichen Spielplatzes zuzustimmen", kritisiert Jörg Vierhaus.

Die Entwicklungsgruppe um Edeka hat sich übrigens Anfang des Jahres entschlossen, dass es nur eine Erweiterung und Modernisierung innerhalb des bestehenden Gebäudes in der Cracauer Straße 62 geben wird. Der Eigentümer wird zugunsten von Edeka sein Gebäude umbauen. Grund hierfür ist ein selbst in Auftrag gegebenes Lärmschutzgutachten. Danach sei das Vorhaben von Edeka trotz erheblicher zusätzlicher Lärmschutzmaßnahmen nicht genehmigungsfähig.