Magdeburg l Da waren die spektakulären Fällaktionen, die bei vielen haften geblieben sind. Rund 100 stattliche Linden fielen seit Anfang Dezember in der Zollstraße für den Hochwasserschutz. Bedrückende Bilder zugleich in Rothensee. 400 Schattenspender wurden bis Jahresende im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer gehäckselt und verbrannt.


Der Alptraum ist indes noch nicht ausgestanden. Und auch mit den Hochwasserfolgen kämpft die Stadt weiterhin. Viele standgefährdete Bäume mussten auch im Herrenkrug gekappt werden, heißt es aus dem Rathaus. "Die Fällungen geschahen aus Gründen der Gefahrenabwehr, vor allem wegen der Schäden, die die Hochwasser der vergangenen Jahre verursacht hatten", erklärt Stadtsprecher Michael Reif. Insgesamt setzte der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg 2014 bei 782 Bäumen aus Gründen der Gefahrenabwehr die Säge an. Darunter waren auch die durch Hochwasser geschädigten. Zu diesen knapp 800 gefällten Bäumen kamen noch Dutzende andere Fällgenehmigungen nach Baumschutzsatzung - etwa wegen Baumaßnahmen privater oder öffentlicher Antragsteller (z.B. MVB oder SWM).

Am Ende schoss damit die Zahl der Baumfällungen im vorigen Jahr hoch auf 2562. Das ist mehr als eine Verdopplung zu 2013, als noch 1272 Schattenspender der Säge zum Opfer fielen. Als Ersatz gepflanzt wurden damals (2013) nur 620 Bäume. Auch 2014 geht die Schere zwischen den 2562 gefällten Bäumen und vom Amt dafür beauflagten Ersatzpflanzungen (1054 Bäume) weit auseinander. Woher kommt diese Diskrepanz? Das Umweltamt argumentiert, dass nur für die Fällung gesunder Bäume Ersatzpflanzungen verordnet werden können. Bei der Beseitigung kranker oder bruchgefährdeter Bäume könnten keine Ersatzpflanzungen gefordert werden. Die Stadt verweist aber darauf, dass der Stadtgartenbetrieb im Vorjahr 328 Bäume neu gesetzt habe, im Jahr davor (2013) 539. Auch die Spendenaktion "Mein Baum für Magdeburg" sorge für eine Aufbesserung in der Bilanz. Sie brachte 2014 95 junge Bäume und 2013 immerhin 71 fürs Stadtgrün.

Dennoch hält der Trend, wonach offiziell mehr Bäume gefällt als nachgepflanzt werden, seit Jahren an. Und: Für dieses Jahr sieht die Entwicklung nicht besser aus. Zurzeit müssen im Herrenkrug allein wegen Hochwasserschäden wieder 97 Bäume gefällt werden. Hinzu kommt, dass die Statistik seit Jahren hinkt, denn "Sonderfälle" wie die gefällten Linden in der Zollstraße, die Fällungen in Nord wegen der Käferplage oder nach Planfeststellungsverfahren werden nicht erfasst. Das räumt das Rathaus auf Nachfrage ein. Eine "ehrliche Baumbilanz" für Magdeburg gibt es demnach nicht.