Magdeburg l Die Islamische Gemeinde steht offenbar kurz vor einem Umzug. Wie die Volksstimme aus informierten Kreisen erfuhr, hat die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) den Mietvertrag der Gemeinde für die bisher genutzte Baracke gekündigt und ein Ausweichobjekt an der Max-Otten-Straße angeboten. Wobau und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper bestätigten das auf Nachfrage.

Demnach könne die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) wegen des derzeitigen Zustandes des Gebäudes an der Weitlingstraße, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit der Gemeindemitglieder, die weitere Nutzung des Gebäudes nicht mehr gewährleisten, heißt es. Vor einem Jahr hatte die Volksstimme erstmals über die Zustände in der rathausnahen Baracke berichtet. In Spitzenzeiten drängen mehr als 400 Gläubige aus 22 Nationen in das Gebäude und müssen teilweise auf der Straße beten. Wegen wachsender Studentenzahlen und des Bürgerkriegs in Syrien gibt es immer mehr Muslime in Magdeburg. Die Gemeinde suchte deshalb seit Jahren erfolglos nach neuen Räumen für eine Moschee.

Die Entscheidung, den Vertrag für die Weitlingstraße aufzukündigen und das Gebäude an der Max-Otten-Straße als Ausweichobjekt anzubieten, sei im Wobau-Aufsichtsrat einstimmig gefallen. Der Bau soll der Gemeinde zur Miete angeboten werden. Außerdem will der Wobau-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zimmermann der Gemeinde anbieten, die Immobilie mit Wobau-Unterstützung zu sanieren.

Darüber hinaus sollen der Gemeinde auch mehrere bebaubare Grundstücke im Stadtzentrum und im Stadtteil Neue Neustadt zum Kauf angeboten werden. Auch das Grundstück an der Weitlingstraße hatte die Wobau der Islamischen Gemeinde mehrfach zum Kauf angeboten. Dort soll es aber zu keiner Einigung gekommen sein. Auf Nachfrage der Volksstimme begrüßte Trümper die neuen Entwicklungen. "Mit der Max-Otten-Straße im Herzen von Magdeburg kann das Raumproblem gelöst werden", sagte er. Man habe gemeinsam mit der Gemeinde seit 2009 nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht.

Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde, Dr. Moawia Al-Hamid, wusste gestern Abend noch nichts von einer Kündigung und den neuen Angeboten. Er sagte, dass man seit Wochen nichts von der Stadt gehört habe. Nach Informationen der Volksstimme sollen Kündigung und Angebot der Gemeinde gestern Abend per Brief zugestellt worden sein.