Magdeburg l Ende Juli 2014 hat die Polizei ihre Räumlichkeiten in der "Alten Ölmühle" verlassen und ist in das Revier in der Altstadt gezogen. Die alte Villa hat längst einen neuen Eigentümer. Die gelbe Backsteinvilla soll in den kommenden Monaten denkmalgerecht saniert werden. Bei den Arbeiten auf dem Dachboden wurde eine brisante Entdeckung gemacht: Ein dickes Anzeigenbuch der Magdeburger Polizei von 1996.

Diebstähle, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen wurden feinsäuberlich eingetragen. Namen, Adressen und Autokennzeichen, vertrauliche und sensible Daten, können dem Buch entnommen werden. Beispielsweise wurde ein Diebstahl in einem Friseur am Alten Markt angezeigt oder eine Körperverletzung in der Lassallestraße. Festgehalten wurde von den Beamten auch ihr weiteres Vorgehen von der Blutentnahme bis zur Schadensaufstellung.

Die Polizei äußerte sich am Mittwoch vorerst nicht zum Fund. Erst nach mehrmaligen Nachfragen der Volksstimme veröffentlichte die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord am Abend doch noch eine Stellungnahme - jetzt aber für alle Medien. Zusätzlich droht die Behörde dem Finder mit rechtlichen Schritten, will aber auch intern ermitteln. Bei dem Anzeigenbuch handele es sich um ein Karteibuch zur Erleichterung der Anzeigenverwaltung. Es gebe zwar keine Lagervorschriften, "dennoch hätte es beim Auszug in die neue Dienststelle überführt oder fachgerecht vernichtet werden müssen", heißt es in der Mitteilung.

Die Polizeistation Ost war Ende 2014 leergezogen worden und wurde verkauft.