Magdeburg l Gegenwärtig werden 980 zusätzliche Plätze für eine Unterbringung von Flüchtlingen in der Stadt benötigt - nicht nur in Gemeinschaftsunterkünften (die sogenannte Wohnstufe I, erste Anlaufstation nach Zuweisung aus der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber Halberstadt), sondern auch in Wohngemeinschaften (Wohnstufe II) und Einzelwohnungen (Wohnstufe III, private Anmietung). Angebote und Möglichkeiten werden derzeit stadtweit geprüft.

Auch in Sudenburg, so Simone Borris bei einer Zusammenkunft der Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Sudenburg am Dienstag im katholischen Gemeindehaus an der Rottersdorfer Straße. Die Überlegungen beziehen sich auf den Lemsdorfer Weg, um kleinere Wohneinheit zu konzipieren und um eine kleinere Gruppe von Flüchtlingen unterzubringen. Konkret sei aber noch nichts. Borris: "Gespräche sind noch nicht so weit fortgeschritten, dass schon etwas verkündet werden kann."

Gleiches gelte für einen Standort an der Helmstedter Straße, der im Fokus steht. Dass irgendwann Flüchtlinge in einer "überschaubaren Größenordnung in Sudenburg untergebracht werden", stünde fest. Kapazität: Zwischen 30 und 40 Personen. "Viel mehr werden es nicht." Offen ist der Zeitpunkt. Dies sei auch vom Sanierungszustand der Wohnungen abhängig. "Wir sind bemüht, darüber rechtzeitig zu informieren", so Borris. Pläne zur Unterbringung von Flüchtlingen an der Gernröder Straße im Stadtteil Lemsdorf bestätigte sie nicht.

Wegezeiten zu groß

Allgemein gilt: Perspektivisch wird versucht, gestreute Wohnungen in Anspruch zu nehmen, klärte Simone Borris die Anwesenden auf. Selbst jene Flüchtlinge, denen noch kein dauerhaftes Bleiberecht ausgesprochen wurde, sollen die Möglichkeit erhalten, in Wohngemeinschaften untergebracht zu werden. Aktuell sei es so, dass der Stadt überwiegend alleinreisende männliche Flüchtlinge zugewiesen werden. Die Herausforderung bestünde darin, diese in kleineren Wohnräumen unterzubringen. Ziel ist auch, die Betreuung in Wohnungen nicht vom Sozialdezernat, sondern von freien Trägern in den Stadtgebieten mit einem Bezug zum sozialen Dienst übernehmen zu lassen - nicht jedoch ein komplettes Betreiberkonzept zu vergeben, wie dies in anderen Kommunen getan wird. "Die Stadt ist im Personalzuwachs nicht flexibel genug", räumte Simone Borris ein. Zudem seien Wegezeiten zum Erreichen der Wohnungen zu groß.

Blick nach Neu-Olvenstedt

Sie schätzt den Stadtteil Sudenburg als offen ein, Flüchtlinge aufzunehmen und willkommen zu heißen. Als positives Beispiel nannte die Sozialbeigeordnete Olvenstedt, wo Bewohner sowie Mitstreiter der Gemeinwesenarbeitsgruppe Neu-Olvenstedt Angebote wie Stadtteilspaziergänge zum Kennenlernen der Umgebung organisieren und Aktionen wie einen Gemeinschaftsputz des Wohnumfeldes anbieten, die zur Verständigung untereinander beitragen. Eine wesentliche Rolle nehmen Sprachangebote ein. Noch einen Hinweis zu Kleiderspenden: Die sollten nicht in Unterkünften, sondern in zentralen Sammelstellen wie an der Karl-Schmidt-Straße (Buckau) abgegeben werden. Aus hygienischen Gründen werden diese vor der Weitergabe gereinigt.

Randnotiz: Während der Ausführungen von Simone Borris stießen mehrere Personen hinzu, die von den Anwesenden dem rechten Spektrum zugeordnet wurden. Nach dem Tagesordnungspunkt "Flüchtlingsunterbringung" verließen sie geschlossen das katholische Gemeindehaus wieder.