Magdeburg l Es ist das Extreme, das ihn reizt - die Herausforderung, die ihn antreibt. 2600 Kilometer wird Tony Hinze der Länge nach durch Norwegen laufen. Vier Monate lang schlägt er sich allein durch die Wildnis. Am südlichsten Punkt des Landes, bei Lindesnes, beginnt für ihn am 30. Mai das Abenteuer. Kompass und GPS werden seine wichtigsten Begleiter. Mit sich trägt er nur das Nötigste: Zelt, Gaskocher und Schlafsack, eine Handvoll Wechselkleidung und etwas zu Essen.

Das Projekt "Norge på langs" (Norwegen der Länge nach) ist das Resultat einer Begegnung, die der 28-Jährige vor drei Jahren hatte, als er Norwegen schon einmal mit dem Fahrrad bereiste. Damals begegnete er Simon, einem jungen Mann aus Iserlohn, der zu Fuß das Land durchquerte. "Seitdem hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich das auch einmal tun werde."

Jetzt, nach dem Abschluss seines Sport- und Technik-Studiums, schien der richtige Zeitpunkt. "Ich habe nun die Freiheit, mir dafür die Zeit nehmen zu können", erklärt er. Es sei nicht nur "die Erfüllung eines kleinen Traumes", sondern auch eine Art Expertise, die er sich erarbeiten wolle. In der Hoffnung, dass spätere Arbeitgeber sagen, "der Junge war schon mal draußen". "Dervondraussen" ist daher auch der Titel des Blogs, in dem er Familie, Freunde und Interessierte auf dem Laufenden halten wird. Denn gänzlich wird Tony Hinze nicht von der Zivilisation abgeschottet sein. Seine geplante Route führt ihn gelegentlich in kleine Städte, in denen er seine Reiseberichte veröffentlichen will. Zudem hat er ein Notfall-GPS-Gerät, mit dem er Kurznachrichten an seine Familie senden kann, die ihm wiederum dringend benötigte Sachen an in einigen Städten gelagerte Depots schicken kann. Insbesondere zählt der dabei auf seinen Vater, er arbeitsbedingt in Norwegen einen Wohnsitz hat. "Es ist ein kleines Sicherheitsgefühl, zu wissen, dass im Notfall jemand in der Nähe wäre", gibt er zu.

Doch an Notfälle denken möchte er eigentlich nicht. Gefahren versucht er durch eine sorgfältige Planung zu minimieren. Die Route hat er bis zum Ziel, dem Nordkap, geplant. Sie führt entlang bekannter Wanderwege, nicht selten aber auch querfeldein. Von dem, was ihn erwartet, hat er bisher "nur eine Ahnung". Schließlich ist er mindestens vier Monate von Familie und Freunden getrennt. Ist mit sich selbst allein: "Ich hab Zeit, mich im Kopf frei zu machen. Nach ein, zwei Wochen ist man frei von Einflüssen", weiß er aus Erfahrung.

Was die sportliche aber auch mentale Herausforderung mit ihm machen wird, wagt er nicht abzuschätzen. Sehr wohl aber, dass er Magdeburg, insbesondere Abende mit Freunden am Hassel oder im Stadtpark, vermissen werde und sich freue, wenn er Ende September an die Elbe zurückkehren kann.

Wer die Tour verfolgen möchte, kann dies auf seinem Blog oder via
Facebook.