Magdeburg l Der große Knall bei der Krisensitzung des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg ist am Freitag ausgeblieben. Zwar haben sich die neun Vorstände darauf verständigt, einen externen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, sie stellten sich aber geschlossen hinter Verbandschefin Ute Simon. "Wir werden einen unabhängigen Prüfer beauftragen und den Bericht abwarten", sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernhard Ruth der Volksstimme. Ute Simon wollte sich gegenüber der Volksstimme nicht öffentlich äußern.

Am Tag zuvor war ein interner Prüfbericht des neuen Schatzmeisters, Hans-Otto Schlehf, öffentlich geworden. Seit September vergangenen Jahres ist Schlehf im Amt und hat den langjährigen Schatzmeister Bernd Delank abgelöst.

In seinem Bericht macht Schlehf auf massive Unregelmäßigkeiten in der Finanzplanung aufmerksam. So soll sich etwa das Verbandsvermögen in den vergangen zwölf Jahren um 1,8 Millionen Euro auf derzeit 230 000 Euro verringert haben. In einer mehrseitigen Analyse der aktuellen Haushaltslage des Verbandes kommt er zu dem Schluss, dass die Dachorganisation der knapp 14 000 Gartenfreunde in Magdeburg bei den derzeitigen Ausgaben 2017 zahlungsunfähig sei, eine Insolvenz noch früher drohe, wenn etwa unerwartet Fördergelder zurückgezahlt werden müssten.

Nach Informationen der Volksstimme gab es bei der Krisensitzung Diskussionen darüber, wie der Prüfbericht an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Er hatte nur den neun Vorstandsmitgliedern vorgelege, die sich jetzt allesamt geschlossen hinter die Vorstands- chefin Simon stellten.

"Wir gehen erst mal nicht davon aus, dass Gelder verschwunden sind", sagte Ruth der Volksstimme. Vielmehr vermute man, dass Zuwendungen nicht jederzeit vom Haushalt gedeckt gewesen seien. Etwa, wenn der Verband einzelnen Gartenvereinen - wie nach Hochwassern - finanziell unter die Arme griff.

Ruth verlas bei der Krisensitzung auch eine Stellungnahme von Ex-Schatzmeister Delank. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. Im Raum steht nämlich auch noch ein Strafantrag gegen Ute Simon von Roland Zander bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Der Vorsitzende des Vereins Lerchenwuhne steht seit Jahren mit Simon auf Kriegsfuß. Simon hat sich nun ihrerseit anwaltlich beraten lassen.

Für den Kleingartenverband Magdeburg kommen diese Turbulenzen zur Unzeit. Gerade erst hatte sich die Debatte um den Führungstil von Geschäftsführerin und Vorsitzender in Personalunion Ute Simon gelegt. Sie war 2013 in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Stadtverwaltung einige Kleingartenanlagen in Bauland umwandeln wollte - und die Vorsitzende den Eindruck erweckt hatte, dass dies in Einvernehmen mit dem Gartenverband passiere. Tatsächlich aber waren die Kleingärtner weder in die Entscheidung einbezogen noch informiert worden. Die Stadtverwaltung hatte daraufhin von ihren Plänen abgesehen.

Diese Debatte kochte dann noch einmal auf einem Verbandstag im September 2014 hoch. Simon konnte allerdings die Mehrheit der Mitglieder des Verbandstages hinter sich bringen. Sie wurde dann für weitere vier Jahre in ihrem Amt bestätigt.