Altstadt l Nach der Wende stets verpönt, entdeckt mit der Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft (MWG) der erste Großvermieter der Stadt die Vorzüge der DDR-Plattenbauweise. Für ihr nächstes Neubauprojekt auf einem Grundstück an der Ecke Faßlochsberg/Neustädter Straße planen die Genossenschaftler die Entwicklung einer Modulbauweise. Fertig geplante 2-, 3- und 4-Raumwohnungen können in den beiden angedachten Gebäuden individuell angeordnet werden. Insgesamt 34 Wohnungen sollen dabei unter der neuen Marke "MWG 2020" entstehen.

Für das Projekt hat sich die Genossenschaft mit Magdeburger Planern und Baufirmen zusammengetan. Durch die langfristige Bindung für die Module haben diese Planungssicherheit für die nächsten 3 bis 5 Jahre und die Kosten können gesenkt werden, ist sich MWG-Vorstandssprecher Thomas Fischbeck sicher.

Hintergrund für das Umdenken sei ein Gepräch mit einer jungen Mutter mit zwei Kindern gewesen, erzählt er. Diese habe zwar das am Nordpark entstehende "Familiendorf" der MWG gelobt, ihm gleichzeitig aber erklärt, dass sie sich die anvisierten 8,50 Euro Kaltmiete nicht leisten könne.

"Das war mein Ansporn", sagt Fischbeck. Denn die Kaltmiete bei dem Neubau mitten in der Altstadt und in Elbnähe soll unter 8 Euro liegen, idealerweise bei 7,50 Euro. Ob das tatsächlich umgesetzt werden kann, muss sich allerdings erst noch zeigen. Durch die Modulbauweise soll der Baukostenpreis für den Quadratmeter unter 2000 Euro liegen. Im bundesweiten Schnitt kostet ein Quadratmeter über 3000 Euro, wie das Verbändebündnis Wohnungsbau erst am Donnerstag beim 7. Wohnungsbautag bekanntgab.

Ronald Meißner, Direktor des Verbands der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt e. V., hält es durchaus für möglich und verweist auf die günstigen Rahmenbedingungen durch die niedrigen Zinsen. Er sagt aber auch: "Da muss man schon Handstand machen, um das ökonomisch gut darstellen zu können."

Auch für Rainer Monsees, Dozent für Bauwirtschaft und Baubetrieb an der Hochschule Magdeburg-Stendal, wären die angestrebten Kaltmieten und Baukosten ein "anspruchsvolles Ziel" und zudem die "Schmerzgrenze". "Bei allem darunter würde man spekulativ handeln", erklärt er. Wenn das jemand leisten könnte, wären es aber die Genossenschaften, die zu den Gewinnern der aktuellen Niedigzinsphase im Wohnungsbau gehören. Industrielle und damit kostengünstige Bauweise wie mit Modulen sei aber ein Ansatz, der immer richtig sein wird, sagt er.

Thomas Fischbeck erklärt, da man nicht auf einen Riesengewinn achten müsse, hätte man entsprechende Spielräume. Er gibt allerdings auch zu, dass die "Luft für hochpreisige Neubauten in Magdeburg immer dünner wird" und man auch deshalb auf günstigere Bauten setze.

Die Bauvoranfrage ist gestellt, positive Signale gab es bereits aus der Stadtverwaltung. Klappt die Umsetzung und können Baukosten und Kaltmieten beim Erstbezug wie geplant niedrig gehalten werden, soll die Modulbauweise auch bei weiteren Objekten der MWG zum Zuge kommen.