Maurice Gajda kennen viele aus dem Musikmagazin Pop10 vom Offenen Kanal, als Moderator von Veranstaltungen und dem Radiosender Fritz. Seit 2013 ist er auch Moderator bei joiz.de. Vor allem ist er mit seiner Community verbunden, für die er eigentlich fast immer erreichbar ist. Kevin Lüdemann sprach mit ihm.

Volksstimme: Du bist Moderator, Designer, DJ, Optimist, Veganer und jetzt auch YouTuber. Was wissen wir noch nicht über dich?
Maurice Gajda: Ich bin sehr unordentlich und schaffe es nicht aufzuräumen. Ansonsten ist das meiste bekannt. Ich gehe ja auch offen mit meinen Meinungen und Ansichten um. Man kann mich erstmal alles fragen, dazu rufe ich auf. Eine eindeutige Grenze ziehe ich, wenn jemand versucht, etwas über mich durch mein Umfeld oder Freundeskreis herauszubekommen.

Wenn du einen Trend setzen könntest, welcher wäre das?
Ich unterstütze den Trend, bewusst zu leben. Es ist nicht alles selbstverständlich und darum gehört es für mich dazu, auch den Konsum zu hinterfragen.

Welche Eigenschaft ist dir besonders wichtig?
Ehrlichkeit. Sich selbst und anderen gegenüber. In der Branche ist das aber recht selten. Es gibt die unausgesprochene Jagd nach dem noch Besseren. Und letztlich schaut jeder auf sich selbst. Darum mag ich auch Menschen, die nichts mit diesem Bereich zu tun haben, aber das ist gar nicht so häufig, denn man gewinnt natürlich auch hier Freunde. Meinen Job mache ich verdammt gerne, ich arbeite auch sehr viel. Ich finde es nur sehr sehr schade, dass ich damit nicht die Welt verändern kann. Auf der anderen Seite ist es ganz wunderbar, weil man auch merkt, dass es alles nicht so wichtig ist.

Was vermisst du an Magdeburg und wo siehst du dich geografisch?
Ich vermisse die kurzen Wege. Ich habe immer noch im Kopf, dass ich überall hin nur 15 Minuten brauche. Ich bin schnell überall, nicht nur geografisch. Ansonsten denke ich nicht so in Grenzen. Ich bin auf jeden Fall geborener Magdeburger und Europäer, der gerade in Berlin lebt. Auf jeden Fall bin ich kein Sachsen-Anhalter, denn damit kann ich mich gar nicht identifizieren. Es ist ein Land, in dem es keinen Rückhalt gibt, in dem die Menschen verschieden sind und wenig miteinander zu tun haben wollen. Es hat weder Einheit noch Identität und man könnte es einfach unter den anderen aufteilen.

Ein hartes Urteil über unser Bundesland, über das man sicher auch streiten kann. Aber zu einem anderen Thema: Du machst seit deiner Schulzeit was mit Medien. Was empfiehlst du Jugendlichen, die das beruflich machen möchten?
Es ist ein Bereich, in dem man seine Persönlichkeit einbringt und somit sehr zeitintensiv. Man muss dann arbeiten, wenn alle feiern, Urlaub oder Wochenende haben, schlafen oder vom Feiern zurückkommen, denn Medien werden konsumiert, wenn die Leute frei haben. Wenn man gerade bei YouTube erfolgreich sein will, braucht man viel Disziplin, Lust zu arbeiten und Glück. In der Regel wird man nicht reich damit. Du musst immer am Ball bleiben. Schwierig ist auch der Opportunismus, denn alle sollen zwar Ecken und Kanten haben, aber doch die Meinung der Geldgeber vertreten. Ich sage auf jeden Fall meine Meinung und kann sie auch begründen. Mir macht das alles aber auch sehr viel Spaß und ich fühle mich gut damit.

Wie siehst du die mediale Entwicklung?
Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ändern sich die Mess- und Äußerungsmöglichkeiten. Sie sind genauer und zeigen genau, was konsumiert wird. Vor- und Nachteil kann sein, dass auch nur diese Inhalte gebracht werden. Der mobile Markt wächst, während der Desktop-Markt schrumpft. Vielleicht kommen wir so auf ein gesundes Maß zurück, wie bei der Plattenindustrie, wo dann gezahlt wird, wenn es einem auch etwas wert ist.

Welches Thema beschäftigt dich momentan?
Mich beschäftigt gerade das Flüchtlingsthema sehr und ich finde den Egoismus vieler Menschen unerträglich - nur weil man durch Zufall in eine Nation geboren wurde, wofür man nichts getan hat. Lieber engagieren und andere unterstützen ist angesagt.

Zu einem Video bei Youtube schreiben viele Jugendliche, dass sie pessimistisch sind und die Digitalisierung kritisch sehen. Was meinst du?
Ich war selbst überrascht und habe mich gefragt, was da los ist. Digitalisierung ist für mich so gut wie abgeschlossen. Mein Leben findet komplett digital statt. Ich unterscheide nicht zwischen digital und real, denn es ist ein Kommunikationsweg. Ich verstehe die Unterscheidung nicht, denn es kommunizieren ja reale Menschen. Die Hürden werden gesenkt. Es gibt mehr Kommunikation - alle reden viel mehr miteinander. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder selbst entscheiden - ich finde es gut. Wir nutzen mehr Zeit zum Kommunizieren.

Es birgt auch Risiken wie Mobbing oder gemeine Äußerungen.

Was bedeutet dir deine Community?
Sehr viel. Für jemanden in den Medien ist es das Schönste, was es gibt. Ein Rückkanal, den es vorher nicht gab und man erhält wichtiges Feedback. Medienmacher sind teilweise verwundert über die Mündigkeit der Zuschauer. Man muss auch nicht alles ernst nehmen, aber im Grundsatz ist es mir sehr wichtig.

Es kommt viel mehr positives als negatives Feedback. Früher hat man mehr das Negative hervorgehoben, aber jetzt eben auch das Positive. Bei joiz sagen sie mehr Negatives, aber bei einer Person sind die Leute schon sensibler, dabei wird eigentlich auch ein Sender von Menschen gemacht.

Wer Maurice live sehen will, kann ihn am Sonnabend, 9. Mai, bei der Veranstaltung freistil.connect in Halle sehen. Weitere Informationen unter www.freistil-lsa.de