Magdeburg l Von der Zeugung bis zur Leiche - Vergleiche, Vergleiche, Vergleiche ... Nur wenn man alle Optionen kennt, kann man sich entscheiden? Weit gefehlt, meint Florian Schröder und tritt in seinem Programm "Entscheidet euch!" die Beweisführung an. Zeugen dieses Erlebnisses gab es am Freitagabend zahlreich im Theater in der Grünen Zitadelle, und sie amüsierten sich köstlich.

Rund drei Stunden lang unterhielt der Kabarettist sein Publikum mit scharfsinnigen Analysen von Politik und Gesellschaft, mit psychologischer Beweisführung und Humor zwischen gut und schlecht, Ja und Nein, Schwarz und Weiß, Frau und Mann, Ying und Yang.

Denn täglich müssen wir Entscheidungen treffen - nur welche sind die richtigen? Oftmals sind Frauen die Entscheidenden, sagt Schröder, und die Beweisführung am Abend gab ihm recht: "Frauen wollen raus, wie heute hierher ins Theater. Männer würden gern zu Hause vor sich hin altern." Frauenstimmen lachen, Männer schmunzeln.

Im Laufe des Abends wechselten die Gefühlsäußerungen. Denn jeder bekam sein "Fett weg". Auf die Missverständnisse des Lebens schaute der Kabarettist, pikste zielsicher dorthin, wo es weh tut - um dann aber letztlich befreiendes Lachen zu erzeugen. Die Zuhörer dankten mit Applaus.

Dabei ließ Florian Schröder kaum ein Thema aus. Von der wichtigsten Entscheidung, der Partnerschaft, über NSA, Snowden und Putin, Griechenland, die deutsche Flüchtlingspolitik, Bestechung, Fußball-WM und Olympia, Minderheiten und Gleichberechtigung bis zur persönlichen Qual der Wahl beim Technikkauf oder dem Bestellen im Restaurant reichte das Spektrum. Lustiges erklärte er wie das Erfolgsprinzip des Dschungelcamps und warum die Ehe eine "Institution zum Schutze des Mannes vor sich selbst" ist. Anderes war so bitterböse, dass einem das Lachen im Hals steckenblieb. Auch das ist Kabarett, auch so muss es sein. Das tut gut im Gros der unter-Niveau-witzelnden Comedians!

Immer wieder zwischendurch bewies sich Florian Schröder als Meister der Parodie. Ob Oettinger, Schäuble oder Ottfried Fischer und - natürlich - seine "Mutti Merkel", bei vielen anderen ebenfalls im Programm, von kaum jemandem so perfekt geboten wie von Florian Schröder. Geniale Dialoge mit wunderbaren Wortspielen, zudem in einer Geschwindigkeit geboten, dass schon allein das zum Erlebnis wird. Als Höhepunkt zelebrierte er einen unvergleichlichen Reich-Ranicki im "Himmelsgespräch", für das er stürmischen Beifall erntete.

Beste Voraussetzung für schlechte Entscheidungen sind hohe Erwartungen, sagt Florian Schröder. Und bewies an diesem Abend die Ausnahmeregel: Von Schröder kann man Gutes erwarten und bekommt es auch - ein Abend mit ihm ist eine gute Entscheidung! Nach rund drei Stunden verabschiedete sich der Kabarettist vom begeisterten Publikum, das sich von ihm noch eine Zugabe erklatscht hatte, mit dem Versprechen wiederzukommen.

Als einen Termin nannte er den 10. April 2016 und erklärte dazu: "Ich zähle die Tage bis dahin."

Ganz gewiss nicht nur er.