Magdeburg (pl) l "Sie müssen sich vorstellen, der Bahnhof fing an zu strahlen! 14 Intercitys hielten täglich in Magdeburg!" Ein wenig schwärmt Konrad Mieth noch heute vom 2. Juni 1991. An diesem Tag musste Magdeburgs nach 1989 erster frei gewählter Präsident der Stadtverordnetenversammlung etwas früher aufstehen, denn er hatte eine zukunftsweisende Verabredung auf dem Hauptbahnhof, Bahnsteig 6. Dort fuhr um 7.38 Uhr der erste Intercity (171/170 "Andreas Schlüter") in Richtung Karlsruhe ab. Ein großes Ereignis für Magdeburg.

Endlich war die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt in den Club der europäischen Metropolen aufgenommen. Von Magdeburg direkt nach Paris, Genf, Amsterdam, Frankfurt oder München. Der Intercity war das Modernste, Schnellste und Komfortabelste, was die Deutsche Bahn damals auf die Schienen brachte. Die hieß übrigens noch "Deutsche Reichsbahn/Deutsche Bundesbahn", die Wiedervereinigung war erst acht Monate her und die "Bahn" war eine staatliche Behörde, ihre Mitarbeiter Beamte.

"Ich habe damals als Stadtverordneten-Präsident den ersten Intercity-Termin übernommen, OB Willi Polte dann den zweiten. Der lag später, er wollte wohl nicht so früh aufstehen", schmunzelt Konrad Mieth. Dem ersten Intercity in Magdeburg wurde ein "großer Bahnhof" bereitet: 6.30 Uhr Blasmusik auf dem Bahnhofsvorplatz, 7.10 Uhr Eröffnungsmusik auf Bahnsteig 6, Ansprachen von Bahnprominenz, auch Konrad Mieth sagt ein paar Worte. Ein neuer Abschnitt für die Geschichte der Stadt sei es, die Trennung der beiden deutschen Staaten, unter der auch Magdeburg gelitten hatte, war überwunden, durch die Intercity-Verbindungen werde Magdeburg zu einer Nahtstelle zwischen Hamburg und Leipzig, Berlin und Bonn, Warschau und Paris.

Mieth fährt im Luxuszug mit bis nach Hannover. "Vorher habe ich dem Lokführer im Namen der Stadt Magdeburg noch einen Blumenstrauß übergeben. Und ich bekam eine Pfeife und eine rote Dienstmütze und habe dann feierlich das Abfahrtsignal gegeben." Mütze, Trillerpfeife, Fahrschein, Bahn-Prospekte, ICE-Fahrpläne von damals, Zeitungsausschnitte, Konrad Mieth hat alles aufgehoben. Als Geschenk der Bahn bekommt er später noch das offizielle erste Namensschild des ersten Intercity, der in Magdeburg haltgemacht hat.

In Hannover ging dann der "große Bahnhof" weiter, auch dort feierte man die schnelle Verbindung nach Magdeburg. Mit dem Gegenzug ging es dann zurück nach Magdeburg, wo Willi Polte das "Offizielle" übernahm. "Der Intercity war nicht nur eine wichtige Verkehrsverbindung, sondern auch ein Symbol des Aufbruchs und der Veränderung", so Konrad Mieth zurückblickend. Und darum sei es auch sehr schmerzlich, dass mit dem Neubau der Schnellbahnstrecke über Wolfsburg und Stendal nach Berlin Magdeburg ab dem Ende der 1990er Jahre von dieser wichtigen Verkehrsverbindung einfach abgehängt wurde. "Eine Landeshauptstadt ohne ICE-Verbindung ist ein Unding."

Aber das soll sich ja laut neuestem Bahn-Entwicklungsprogramm wieder ändern. Bis 2020 oder 2030 ...