Magdeburg l Nach der überraschenden innerparteilichen Niederlage als Landtagsdirektkandidat der CDU ist die Zukunft des langjährigen Landtagsabgeordneten Wigbert Schwenke im Landesparlament weiter offen. Schwenke hatte am 30. April bei der Nominierung für den Landtagswahlkreis 12 völlig unerwartet gegen Neuling Florian Philipp mit 16 zu 17 Stimmen verloren. Die Mehrheit der 33 Wahlberechtigten aus den Stadtteilen Diesdorf, Sudenburg, Stadtfeld-West, Nordwest und Olvenstedt versagten dem dreimaligen Wahlkreisgewinner Schwenke die Gefolgschaft.

Schwenke hüllte sich seitdem öffentlich in Schweigen und gab m Mittwoch gegenüber der Volksstimme erstmals einen Einblick in seine Gemütslage. "Ich habe sicher auch Fehler gemacht. Aber damit habe ich nicht gerechnet. Das ist eine bittere Niederlage für mich. Ich muss mich erst mal sortieren", sagte der Ottersleber. Das CDU-Urgestein hatte für die CDU seit 2002 dreimal nacheinander ein Direktmandat in einem Magdeburger Wahlkreis errungen und sitzt seit 1990 ununterbrochen im Stadtrat.

Für Schwenke wird mit dem Wahlausgang die Luft dünn, wieder in den Landtag einziehen zu können. Chancen darauf haben in der Regel nur Christdemokraten mit einer Direktkandidatur. Das lehrt die Erfahrung. Bei der Landtagswahl 2011 beispielsweise gewann die CDU so viele Direktmandate, dass Kandidaten von der Landesliste nicht zum Zuge kamen. Das ist auch für den neuen Wahlgang im März 2015 möglich.

Was also bleibt für Schwenke? Tritt er jetzt in einem der beiden noch offenen Wahlkreise erneut an? Schwenke selbst will sich dazu nicht äußern. Eine Kandidatur schließt er nur für den Wahlkreis 10 im Magdeburger Norden aus. Dort bewerben sich morgen mit der Ex-OB-Kandidatin Edwina Koch-Kupfer und Ex-Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann bereits zwei starke Christdemokraten. Ausgang offen.

Bleibt noch der Süden u. a. mit Ottersleben, Reform, Buckau und Salbke und Westerhüsen. Allerdings: Hier gibt es schon jetzt fünf (!) Kandidaten, allesamt CDU-Schwergewichte. Ins Rennen gehen bisher Ex-Landtagspräsident Dieter Steinecke, Stadtratsvorsitzender Andreas Schumann, der stellvertretende Ratsfraktionschef Frank Schuster, die Landesvorsitzende der Frauen-Union Sabine Wölfer und der Vorsitzende des CDU-Kreisparteigerichts Christian Lisec.

Sie müssten also entweder zugunsten von Schwenke zurückziehen oder ebenfalls mit einer herben und öffentlich werdenden Niederlage rechnen. Auch Schwenke müsste im Fall einer Kandidatur erneut mit einer parteiinternen Watsche rechnen.

Wohl genau aus dieser Konstellation wollen sich weder Schwenke noch der CDU-Kreisvorsitzende Tobias Krull zum Fortgang äußern. Krull: "Es laufen Gespräche. Mehr möchte und kann ich dazu nicht sagen." Vom Ausgang hängt auch Schwenkes persönliche Zukunft ab. "Ich habe kein Netz, in das ich falle", sagt er, der seit 2002 hauptamtlich Abgeordneter ist.

Für das CDU-Urgestein gab es in dieser Woche aber auch eine positive Nachricht. In der Stadtratsfraktionssitzung am Montag brachte Schwenke von sich aus seine bitterste politische Niederlage zur Sprache. Dort habe es aber einstimmig Rückendeckung gegeben, hieß es. Ob dieser Vertrauensbeweis im Kampf um eine Kandidatur für das Direktmandat hilft, ist fraglich.

Am 27. Mai jedenfalls bestimmt die CDU ihren Kandidaten für den Wahlkreis 12 im Süden. Mit Schwenke auf der Kandidatenliste? Völlig offen. Klar ist nur: Der Kreisverband hat bis dahin eine knifflige Personalie zu lösen.