Magdeburg l "Rechte Gewalt und Rassismus sind heute mehr geächtet als noch in den 1990er Jahren", sagt Pascal Begrich als Geschäftsführer des Vereines Miteinander. Doch rechte Gewalt sei nach wie vor ein Problem. Deshalb haben sich Mitglieder des Vereines Miteinander am Sonnabend anlässlich des 23. Todestages von Torsten Lamprecht zu einer Gedenkveranstaltung am Magdeburger Wasserfall getroffen.

Torsten Lamprecht war nach einem rechtsextremistischen Angriff am 9. Mai 1992 auf die Gaststätte "Elbterrassen" in Cracau ums Leben gekommen. "Der Tod Torsten Lamprechts fiel in eine Zeit entfesselter neonazistischer und rassistischer Gewalt", sagte Pascal Begrich am Sonnabend in seiner Ansprache. Beinahe täglich habe es damals Angriffe auf nicht-rechte Jugendliche, Migranten und Asylunterkünfte gegeben, erinnerte er. "Es scheint, als würde die Dimension rechter Gewalt immer nur für jenen Moment des Entsetzens begriffen werden, in dem es Ereignisse gibt, die ihre Existenz vergegenwärtigen", erklärte er. Die Angriffe auf Asylbewerberheime in Tröglitz und Bitterfeld seien aktuelle Beispiele, "die sogleich im Strudel der Nachrichten wieder untergehen". Doch sie seien Teil einer Kette aus Hass und Gewaltbereitschaft.

An Torsten Lamprecht zu erinnern heiße, an die Spur rechter Gewalt aus den 1990er Jahren bis heute zu erinnern. "An die Opfer rechter Gewalt zu erinnern heißt, ihnen mehr einzuräumen als einen Gedenktag im Kalender", sagte Begrich. Es bedeutet, die Umstände im Blick zu behalten, in denen Menschen ausgegrenzt, diskriminiert, beleidigt und geschlagen würden. "Es bedeutet, sensibel zu bleiben für das, was passiert, wenn Neonazis anfangen, Unterschriften gegen Flüchtlinge zu sammeln und die Vorbehalte und Ängste von Menschen rassistisch zu radikalisieren", fuhr er fort.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung am Torsten-Lamprecht-Weg weihten die Mitglieder ein neues Zusatzschild an dem Straßennamen ein, das nun auf die Geschichte Torsten Lamprechts aufmerksam macht. Obwohl es aktuell wieder rechte Gewalt und Rassismus gibt, räumte Pascal Begrich ein, dass sich das gesellschaftliche Klima seit den 1990er Jahren geändert habe. Es gebe mehr Sensibilität und mehr Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus und für den Schutz von Demokratie und Menschenrechten einsetzen würden. Das führt er auch auf zahlreiche Aktionen gegen Rechts zurück, die es immer wieder gegeben hat.

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