Magdeburg l Einen doppelten Schock erlitt eine Trauergemeinschaft am Freitag auf dem Ostfriedhof. Ein geplantes Begräbnis musste dort kurzfristig verschoben werden, weil aus einem ausgehobenen Grab ungewöhnliche Gerüche kamen.

Die Friedhofsmitarbeiter alarmierten die Feuerwehr, da in der Nähe ein Pistolenhalfter, Weltkriegsschutt und Knochenreste gefunden wurden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst und ABC-Spezialisten rückten an und nahmen Boden- und Luftproben. Der Fundort wurde weiträumig abgesperrt. Das Begräbnis musste Dutzende Meter entfernt an einem anderen Ort stattfinden. Die Trauernden warteten auf dem Friedhof, während an einer anderen Stelle ein Grab ausgehoben wurde. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Brandoberrat Armin Hilgers vor Ort. Er hat nach dem Fund die Boden- und Luftproben genommen und im Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge ausgewertet. "Das roch ein bisschen nach Eukalyptus", sagte ein anderer Feuerwehrmann. In dem Grab wurden auch Glasscherben entdeckt.

Im Labor stellte sich später heraus, dass es sich bei dem Stoff wahrscheinlich um Formaldehyd handelt. Formaldehyd-Lösungen (kurz: Formalin) werden unter anderem zur Leichenkonservierung und zur Konservierung von anatomischen und biologischen Präparaten genutzt. In hoher Konzentration ist es lebensgefährlich. Wie und warum der Stoff bei dem frisch ausgehobenen Grab auftrat, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren.

Vermutlich handelt es sich um alte Krankenhausabfälle. Das Grab wurde abgedeckt und soll am Montag vom Umweltamt untersucht werden. Der Ostfriedhof ist ein städtischer Friedhof und hat eine Gesamtfläche von mehr als 65 000 Quadratmetern mit knapp 4000 Grabstätten (Stand 2013). Laut Ortschronik wurde er 1892 eröffnet. Auf dem Ostfriedhof wurden auch Opfer der Bombenangriffe 1944/45 begraben. 1950 wurde für diese Toten ein schlichter Gedenkstein errichtet.

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