Magdeburg l Mehr als 600 Muslime drängen zum Gebet am vergangenen Freitag in die kleine Baracke an der Weitlingstraße. Weil im Gebetsraum kein Platz ist, sitzen sie im Flur, in einem Nebenraum, in der Küche - und auf Teppichen vor dem Haus. Ein Schauspiel, das sich so Woche für Woche wiederholt. Schätzungen zufolge kommen derzeit jeden Monat 20 bis 30 Muslime hinzu, die meisten aus Syrien und dem Irak.

Die Platzproblematik könnte sich nun bald ändern. Die Islamische Gemeinde wird aller Voraussicht nach in ein stillgelegtes Heizhaus an der Max-Otten-Straße umziehen (Volksstimme berichtete). Das Haus gehörte einst den Städtischen Werken Magdeburg (SWM), ging dann in den Besitz der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) über und soll nun an die islamische Gemeinde verkauft werden.

Ein Kaufpreis steht im Raum. Über die Summe wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen der Volksstimme soll die Gemeinde eine Summe anzahlen. Der Restbetrag soll über einen Mietkauf finanziert werden.

Eingefädelt wurde die sich abzeichnende Einigung bei einem Krisengespräch im Rathaus, nach dem die islamische Gemeinde aus der Zeitung erfahren hatte, dass der Mietvertrag für ihr derzeitiges Objekt an der Weitlingsstraße nicht verlängert wird. Bei dem Gespräch im Rathaus vor zwei Wochen waren neben Oberbürgermeister Lutz Trümper und Imam Moawia Al-Hamid auch Stephan Rether vom katholischen Büro Sachsen-Anhalt und der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Magdeburg, Stephan Hoenen.

"Der Kaufpreis ist der gleiche, für den die Wobau das Objekt gekauft hat. Dazu kommen die Sanierungsaufwendungen", sagte Trümper. Jetzt hänge alles an den Endverhandlung zwischen Wobau und Islamischer Gemeinde. "Wenn schnell ein Vertrag zustande kommt, kann der Umzug zum Jahresende erfolgen. Für mich ist das Problem damit gelöst", sagte Trümper weiter. Einen Zeitplan, den auch Al-Hamid bestätigt. Beide Seiten lobten die "sehr konstruktive" Gesprächsatmosphäre. Laut Al-Hamid habe sich auch sein Gemeindevorstand positiv zu den Kaufplänen für das alte Heizhaus geäußert. "Wir hoffen, dass wir die Vertragverhandlungen mit der Wobau noch im Mai abschließen können", sagte er.

Der Bau an der Max-Otten-Straße besteht aus drei Teilen. Der Mittelbau, in dem der Gebetsraum entstehen soll, ist 280 Quadratmeter groß. In einem angrenzenden Gebäude wäre auf zwei Etagen unter anderem Platz für Büros, Toiletten und Küche. "Wenn alles fertig ist, wollen wir auch ein Begegnungsfest organisieren und die Nachbarn einladen", sagt Al-Hamid. Er und seine Gemeinde wollen auch viel in Eigenregie sanieren.

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