Magdeburg l "Mit Schrotewasser" sei er getauft, sagt Günter Hammerschmidt, und damit ein waschechter Ur-Stadtfelder. Seit 85 Jahren lebt und arbeitet er im Stadtteil. Fast genauso lange beschäftigt er sich mit Heimatgeschichte. "Als ich jung war, haben meine Onkel in der Altstadt als Zahnarzt und Herrenfriseur gearbeitet. Da bin ich viel herumgekommen", erinnert er sich an die Anfänge seiner Leidenschaft für Historisches. Einmal habe er dabei in einem Keller einen zugemauerten Gang unter der Straße entdeckt. Das sei der Ausgangspunkt gewesen.

Forschung über Familien wie die der Knigges

Inzwischen hat der Diplomingenieur, der beruflich eigentlich Schaltanlagen entworfen hat, über 30 Bücher veröffentlicht. Das erste stellte er noch zu DDR-Zeiten über das Wasserschloss Flechtingen zusammen.

In der Folge verfasste er viele Familiengeschichten von Adelsfamilien, auch für die Nachfahren von Adolph Knigge hat er schon geforscht. Später kamen dann Historien über Magdeburger Familien wie die Guerickes, Budenbergs oder Wolfs hinzu.

Am Anfang waren die Wüstungen

Nun also die "Chronik von Magdeburg-Stadtfeld". Mit dem Hauptaugenmerk auf die Große Diesdorfer Straße, den "ersten Feldweg", den es damals gab, stellt er zahlreiche Häuser und Firmen und ihre Geschichten vor.

Die Darstellung beginnt mit der frühen Entstehungszeit, als das Gebiet der Wüstungen Harsdorf und Schrotdorf langsam besiedelt wurde, und führt weiter zur Entstehung des Stadtteils unter den Bedingungen des Festungszwangs. Der zeitliche Schwerpunkt liegt aber in den Jahren von 1860 bis heute. So erfährt der Leser bei vielen Hausnummern nicht nur, wer vor 100 Jahren dort gearbeitet hat, sondern auch welches Geschäft heute dort zu finden ist.

Das Oli-Kino in der Olvenstedter Straße und sein glücklicher Wiederaufbau in den vergangenen Jahren ist genauso zu finden wie ein Kapitel über das Ende des Kahlenbergstifts, das 2011 abgerissen worden war. Heute steht dort ein Aldi-Discounter.

In der Reihe "Magdeburg-Geschichte(n)" wird er sein Buch am kommenden Mittwoch, 27. Mai, ab 15 Uhr in der Stadtbibliothek am Breiten Weg 109 vorstellen und auch einige Exemplare für Interessierte mitbringen. Im freien Buchhandel gibt es die Chronik nämlich nicht.

Anlässlich der Lesung präsentiert der passionierte Sammler eine Auswahl der dabei zusammengetragenen weitgehend unbekannten Abbildungen, z. B. vom Garten des früheren Hohenzollernparks zur Zeit des Kaiserreichs. Die Stadtbibliothek zeigt begleitend zur Buchvorstellung ältere Darstellungen Stadtfelds aus ihrem historischen Bestand.