Magdeburg I Perfekte Haut, schöne Zähne, blondes Haar und dazu eine grazile Erscheinung - wer an Tatjana Genrich einen Makel sucht, muss schon pedantisch hinschauen. Dass die 22-Jährige schön ist, wurde ihr bereits 2010, im zarten Alter von 16 Jahren, attestiert - damals ist sie zur Miss Sachsen-Anhalt gekürt worden.

Nun, fünf Jahre später, trägt sie erneut einen Titel - seit vergangener Woche ist sie Miss Ostdeutschland. Damit ist Tatjana neben der amtierenden Miss Sachsen-Anhalt, Mailin Marrero (vorgestellt in der gestrigen Ausgabe), die zweite Schönheitskönigin der Elbestadt, die Mitte Juni an der Miss-Germany-Wahl auf Mallorca teilnimmt.

Dabei hätte Tatjana ihre große Chance beinah verpasst, denn: "Ich hatte hin und her überlegt, ob ich überhaupt teilnehme. Freunde und Familie haben mich zwar motiviert, aber eigentlich entschied ich mich dagegen - einen Tag vor der Wahl habe ich mich dann doch angemeldet. Zum Glück!" Denn nun hat Tatjana die Chance Miss Germany und bestenfalls sogar Miss Intercontinental, für die Miss Germany automatisch nominiert wird, zu werden. "Abwarten!", stoppt Tatjana die Euphorie. "Ich weiß, dass viele wunderschöne Mädchen an der Miss-Germany-Wahl teilnehmen. Jetzt kommt es ganz darauf an, wie man sich präsentiert - und welchen Typ Frau die Jury mag." Mit viel Sport und einem Fitnessplan bereitet Tatjana sich jedenfalls bestmöglich auf die Wahl vor.

Schwer falle ihr das schweißtreibende Programm nicht, schließlich ist sie bereits dreifache Landesmeisterin im Amateurboxen und weiß, dass man für sein Ziel hart arbeiten muss. Die Fäuste schwingt die 22-Jährige zwar nicht mehr, doch Sport spiele neben der Arbeit als Visagistin und Model noch immer eine große Rolle in ihrem Leben. Für einen Freund hingegen hat Tatjana keine Zeit: "Ich bin ständig unterwegs, arbeite viel in Berlin und treffe mich in der wenigen Freizeit, die bleibt, mit meinen Freundinnen."

Auf ihren prominenten Ex-Freund, den Box-Champion Robert Stieglitz, und den Streit, der aus dem Ruder lief und öffentlich wurde, werde sie zwar noch sehr oft angesprochen, doch das sei Schnee von gestern: "Wir verstehen uns sehr gut und unterstützen uns gegenseitig." Zur Miss-Wahl habe er gratuliert und sich für sie gefreut - im Gegensatz zu manch anderen Magdeburgern.

Insbesondere auf Facebook habe Tatjana einige gehässige Kommentare lesen müssen - zu viel Schminke, sie sei eine Anziehpuppe und man warf ihr auch vor, keine Magdeburgerin zu sein. Während sie die Missgunst ignoriert und sagt: "Neid ist doch die größte Anerkennung", hat sie der Vorwurf, keine Magdeburgerin zu sein, gar ein wenig getroffen. Denn schon vor 15 Jahren zog Tatjana mit ihren Eltern aus dem russischen Belgorod in die Elbestadt.

Ihre Großeltern lebten in Magdeburg und auch ihre Urgroßeltern waren hier zu Hause. "Ich bin hier aufgewachsen, ich lebe viel länger in Magdeburg als in Belgorod", sagt sie und findet: "Natürlich bin ich Magdeburgerin."

Nur die Machteburjer Mundart, die hat die zierliche Blondine auch nach 15 Jahren noch nicht angenommen. Als sie am Mittwoch bei SAW-Moderator Ingolf Kloss ihr erstes "großes" Radiointerview gab, war sie mächtig aufgeregt, keinesfalls aber "uffjereecht".Vielleicht waren es aber auch die Herren des Senders, die sie nervös machten. Schließlich hofften alle auf ein Foto mit Miss Ostdeutschland.