Magdeburg l Wenn Wulff Aenge-velt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien, von Marktleichen spricht, dann meint er damit beispielsweise den strukturellen Leerstand auf dem Markt für Büroimmobilien. "Von strukturellem Leerstand kann man sprechen, wenn eine Fläche mehr als fünf Jahre leer steht oder wenn sie mehr als zur Hälfte leer steht", sagt er. Für solche Flächen seien kaum noch Interessenten zu finden.

Dass es dennoch Glücksfälle gibt, konnte Annett Lorenz-Kürbis, Leiterin der Magdeburger Niederlassung von Aengevelt, während der Präsentation des 24. Cityreports für Magdeburg berichten: So ist im vergangenen Jahr nach jahrelangem Leerstand eine 8500-Quadratmeter-Fläche in der Halberstädter Straße 39/39a an den Mann gebracht worden.

"Wie Blei hat auch das Bürogebäude Lübecker Straße 2 im Leerstandsbestand gelegen", sagt die Niederlassungsleiterin. Im vergangenen Jahr konnten hier 4000 Quadratmeter vermietet werden an Interessenten aus der Gesundheitsbranche. "Vielleicht spielt hier ja die Nähe zur AOK ein paar Schritte weiter eine Rolle", berichtet Annett Lorenz-Kürbis.

Auch wenn es also aus dem Bereich der Marktleichen Erfolgsgeschichten zu berichten gibt - in Magdeburg gibt es dennoch hoffnungslose Objekte. Wulff Aengevelt: "Diese können dann nur noch vom Markt genommen werden, wie dies beispielsweise in den kommenden Monaten mit den 10 000 Quadratmetern des Blauen Bocks geschehen wird."

Sechs Prozent der Flächen sind Angebotsüberhang


Die Marktleichen sind es, die den Immobilienexperten trotz eines Gesamtleerstands von Büroflächen in Magdeburg von fast zwölf Prozent optimistisch stimmen. 25 Prozent des Leerstands machen sie aus. Im Gesamtleerstand enthalten sind auch 4000 Quadratmeter, die zwar vermietet, aber nicht genutzt sind. Flächen also, die ebenfalls den Immobilienmarkt nicht wirklich belasten.

Zusammen mit einer notwendigen Reserve von rund 23 500 Quadratmetern bleiben noch etwas mehr als die Hälfte der leerstehenden Büroflächen, die einen echten Überhang darstellen. "Am Gesamtbestand macht das rund sechs Prozent aus - und damit kann man leben", sagt Wulff Aengevelt.

Weitere große Büroobjekte, die im vergangenen Jahr neue Nutzer gefunden haben, sind der Block Schleinufer 16 bis 18 (12 800 Quadratmeter), das Marietta-Quartier mit 7300 Quadratmetern und 2100 Quadratmeter in einem Büro- und Geschäftshaus in der Halberstädter Straße 168 bis 172.

Insgesamt sind auf dem Magdeburger Markt für Büroflächen wie im Vorjahr rund 20.000 Quadratmeter vermittelt worden. Zwar liegt das etwas unter dem langjährigen Mittel - dieses ist aber durch eine Großvermietung ans Umweltministerium im Jahr 2011 ohnehin etwas in die Höhe getrieben worden. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden 7000 Quadratmeter an Interessenten gebracht, so dass in diesem Jahr eine Steigerung durchaus im Bereich des Möglichen ist.

Steigender Beliebtheit haben sich 2014 die kleinen Büroflächen bis 250 Quadratmeter mit 17 Prozent am Umsatz von Büroflächen erfreut. 2013 waren es 13 Prozent. Eine Steigerung auch bei den mittleren Flächen von 250 bis 500 Quadratmeter mit 37 Prozent (2013: 18 Prozent). Dementsprechend gesunken ist die Nachfrage nach größeren Flächen. Wulff Aengevelt sagt: "Das kann durchaus ein gutes Zeichen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sein: Die kleinen, neu gegründeten Unternehmen sind es ja, die ein besonderes Wachstumspotenzial in sich tragen und auch Perspektiven für Expansion und weitere Arbeitsplätze bieten."

Spitzenmiete bei 10,80 Euro pro Quadratmeter


Die Bürospitzenmiete lag in den vergangenen Jahren bei 10,80 Euro pro Quadratmeter, nachdem zwischen 2007 und 2012 Werte von 10,50 Euro pro Quadratmeter ermittelt worden waren. Dies biete anhaltend günstige Rahmenbedingungen für Unternehmensexpansionen und Neuansiedlungen, so Aengevelt.