Magdeburg l Die Grabungen an der Baustelle für die neue Haltestelle Weinarkade stehen zwar noch ganz am Anfang, versprechen aber bereits jetzt einige spannende Entdeckungen. Thomas Weber, der verantwortliche Referatsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, erklärt im Volksstimme-Gespräch, was die bisherigen Funde bedeuten.

So handelt es sich bei den Knochenüberresten wohl tatsächlich um ehemalige Gräber des Ulrichskirchhofes. "Es spricht viel dafür. Die Menschen wurden nach christlichem Ritus beerdigt, in West-Ost-Richtung und gestreckter Rückenlage", erläutert er die Gründe für diese Annahme. Zudem stand die Ulrichskirche gut 900 Jahre an dem Ort, und bis 1827 wurden dort zahllose Menschen beerdigt. Der damalige Oberbürgermeister August Wilhelm Francke verbot mit der Eröffnung des ersten städtischen Friedhofs, des heutigen Nordparks, Bestattungen auf Kirchhöfen.

Wie alt die gefundenen Knochen nun tatsächlich sind, kann Thomas Weber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Eine Radiokarbondatierung könnte genaueren Aufschluss geben. Die koste aber Geld und werde auch nur bei zusammenhängenden Skeletten durchgeführt, erklärt Weber weiter. Dass Knochen gefunden werden, hätte er übrigens schon vorher prophezeien können. Denn bereits als 1998 dort Leitungen für die Beleuchtung verlegt wurden, hatte man welche gefunden. "Es kommt also nicht völlig unerwartet", sagt er und kündigt an: "Es werden noch mehr in Richtung Breiter Weg zutage kommen."

Mit Blick auf die eigentlichen Arbeiten für den Tunnel unter den Bahnhofsbrücken hofft er auf weitere Funde von archäologischer Bedeutung. Die alten barocken Festungsreste aus der Zeit des "Alten Fritz" würden er und seine Kollegen dort erwarten.

Viel jüngeren Datums ist wohl eine Wand mit gelben und grünen Fliesen, die einige Meter weiter östlich vom Knochenfund aus dem Boden ragt. Die verwendeten Ziegel im sogenannten Reichsformat wurden erst ab 1871 hergestellt. Auch hier hat Thomas Weber bereits eine Theorie, wozu diese einst zählten. Nach alten Unterlagen stand dort bis 1945 das Hotel "Weißer Bär", zu dessen Kelleranlagen die Fliesenwand gehört haben könnte. Da diese aber recht modern ist, interessiere sie die Archäologen weniger, so Weber.

Die ebenfalls entdeckten alten Mauern aus Feldsteinen könnten zudem zu einem Haus gehören, das er auf einer Vorkriegsaufnahme dort ausgemacht hat. Die Mauern verbleiben nach der Untersuchung im Boden oder werden beseitigt, falls die weiteren Bauarbeiten für die neue Straßenbahnhaltestelle behindert würden.

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