Geschäftslage: Die Geschäftslage wird von den Magdeburger Handwerkern etwas schlechter eingeschätzt als im Frühjahr 2014. 48 Prozent vermelden jetzt eine gute Geschäftslage, 38 Prozent eine befriedigende und 14 Prozent eine schlechte (2014: 54, 34 und 12 Prozent). Die Erwartungen sind positiv. Es geht nur jeder Vierzehnte von einer schlechten Geschäftslage im nächsten Quartal aus.

Beschäftigungssituation: Hier ist mehr Bewegung als in den Landkreisen. 11 Prozent der Magdeburger Handwerker konnten Personal aufbauen, 71 Prozent hielten die Mitarbeiteranzahl konstant, 17 Prozent mussten sich von Personal verabschieden, dadurch ist das Beschäftigungssaldo wie im gesamten Kammerbezirk leicht negativ. Für das kommende Quartal wird ein positiver Beschäftigungssaldo erwartet (plus ein Prozent), da 13 Prozent der Betriebe Personal einstellen, 75 Prozent konstant halten und 12 Prozent Personal abbauen wollen.

Umsatz: Beim Umsatz sind keine großen Abweichungen zu verzeichnen: 20 Prozent der Betriebe meldeten einen gestiegenen Umsatz, 52 Prozent einen gleichbleibenden und 28 Prozent einen geringeren Umsatz als zuvor (Erwartung 21 Prozent steigend, 62 Prozent gleichbleibend, 17 Prozent sinkend).

Investitionen: 14 Prozent der Betriebe meldeten gestiegene Investitionen, 65 Prozent gleichbleibende und 20 Prozent geringere Investition als im Vorquartal (Erwartung: 23 Prozent steigend, 52 Prozent gleichbleibend, 25  Prozent sinkend).

Auftragslage: Die Magdeburger Handwerker sprechen von einer guten Auftragslage und melden einen Auftragsbestand von durchschnittlich 10,9 Wochen. Der Durchschnitt im Kammerbezirk liegt bei 8,3 Wochen.

Fehlender Nachwuchs ist ein immer wichtigeres Thema auch für das Handwerk. Gerade um kleine und mittlere Betriebe zu unterstützen, bietet die Handwerkskammer Magdeburg inzwischen den kostenfreien Service der "Passgenauen Besetzung" von Ausbildungsplätzen an.

Das Angebot richtet sich an Betriebe und interessierte Jugendliche, die sich auf sonst üblichen Wegen nicht begegnen würden. Ziel ist die passgenaue Besetzung von Ausbildungsstellen.

Inhalte: Es geht zunächst um die Ermittlung des betrieblichen Bedarfs an Auszubildenden. Dann wird ein betriebliches Anforderungsprofil erstellt. Geboten wird auch eine Beratung zum Azubi-Marketing, zur Rekrutierung und Integration von ausländischen Jugendlichen und Fachkräften und zur Suche nach potentiellen Auszubildenden. Zudem geht es um Auswahlgespräche, Einstufungstests und die Vorauswahl geeigneter Bewerber, die gezielte Vermittlung von Jugendlichen und die Beratung zum Praktikum in der Einstiegsqualifizierung.

Magdeburg l Jüngst hat die Handwerkskammer Magdeburg ihren Konjunkturbericht vorgelegt - die Volksstimme berichtete. Dabei war von einer "bemerkenswerten Kontinuität" und von einer anhaltend guten Stimmung die Rede. Dabei macht Magdeburg auch keine Ausnahme - siehe Infokasten.

Keinen Zweifel lässt aber Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, daran, dass es einige Aufgaben gibt, die gelöst werden müssen: "Wirtschaftliche Stabilität ist kein Selbstläufer", sagte er. Er forderte die passenden Rahmenbedingungen. "Der Ausbau der A14 und die Breitbandanbindung aller Regionen müssen schnellstmöglich vorangetrieben werden. Der Fachkräftebedarf im Handwerk wird langfristig nur gedeckt werden können, wenn Initiativen des Handwerks und flankierende Maßnahmen der Politik ineinandergreifen."

Ziel müsse sein, die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter zu erhöhen, Betriebe und Jugendliche für eine ganzheitliche duale Ausbildung zu gewinnen (siehe Infokasten) und auch Zielgruppen wie Frauen, Wiedereinsteiger, Ausbildungs- oder Studienabbrecher sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund zu begeistern.

Anspruchsvolle Berufe bei Studienabbrechern gefragt

Doch was bedeutet das für Magdeburg? Für Studienabbrecher als Handwerkernachwuchs gibt es zwar Beratungsangebote, aber noch geringe und damit keine statistisch belastbaren Zahlen. Tendenz sei, dass Studienabbrecher ein grundsätzliches Interesse an technischen und "anspruchsvolleren" Berufen haben. Dazu gehören zum einen die Gesundheitsberufe wie Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädiemechaniker, aber auch das Elektro- und SHK-Handwerk wird nachgefragt. Eine weitere wichtige Größe auf dem Arbeitsmarkt sind daneben die Zuwanderer. Elf von 938 Lehrlingen hatten aber zum Jahresende in Magdeburg gerade einmal eine ausländische Staatsbürgerschaft - das entspricht nur 1,2 Prozent. Aufgrund der Situation in Teilen Europas, dem Nahen Osten und Teilen Afrikas sowie des absehbaren Fachkräftemangels zeigt sich hier eine Herausforderung wie eine Chance: "Für potenzielle Auszubildende ist ein frühzeitiger Zugang zu Sprachkursen - mit dem Erwerb zumindest guter und durch berufsbezogene Termini erweiterter Kenntnisse der deutschen Sprache - unabdingbare Grundvoraussetzung zur Aufnahme einer Ausbildung im dualen System", heißt es von der Handwerkskammer. Und weiter: "Denkbar wäre hier, für die Ausbildungsdauer Instrumente der kooperativen Ausbildung einzusetzen und zusätzlich zur Ausbildung in Betrieb und Berufsschule Deutschkurse verpflichtend anzubieten."

Sicherheit für Lehrlinge und für Betriebe gefordert

Unabdingbar sind zudem frühzeitige Integrationskurse mit dem Schwerpunkt der Erörterung des Lebens und Arbeitens in Deutschland. Insbesondere für minderjährige Flüchtlinge muss ein rechtssicherer Ausbildungsaufenthalt geschaffen werden. Asylbewerber müssten eine in Deutschland begonnene Ausbildung auch abschließen und anschließend von dem Betrieb beschäftigt werden können. Dies sei für die Planungssicherheit der Ausbildungsbetriebe erforderlich.