Patienten verstehen selten das Fach-Chinesisch deutscher Ärzte. Auf der Online-Plattform "Was hab` ich?" werden die Befunde von Medizinstudenten in eine verständliche Sprache übersetzt. Auch Studierende der Otto-von-Guericke-Universität beteiligen sich ehrenamtlich.

Magdeburg l Der Arztbesuch beginnt oft mit einem vollen Wartezimmer und langen Wartezeiten. Im Arztzimmer angekommen wird schnell klar, dass auch hier die Zeit drängt. Der Befund wird dann häufig nicht hinterfragt, selbst wenn der Patient inhaltlich kaum etwas versteht. Die Plattform "Was hab` ich?" schafft Abhilfe: Hier werden medizinische Befunde kostenlos von Medizinstudenten in eine für Laien verständliche Sprache übersetzt. Eine dieser Studierenden ist die 25-jährige Julia Vahldieck. Sie ist Medizinstudentin im zehnten Fachsemester an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU). Im Oktober steht das zweite Staatsexamen vor der Tür.

Obwohl das Studium viel Zeit fordert, widmet sie sich ehrenamtlich dem Übersetzen von Befunden. Julia ist eine von fünf Studierenden der OVGU, die sich am Projekt beteiligen. "Meist werden die Befunde von Krankenhausärzten für Hausärzte geschrieben, so dass Nicht-Mediziner kaum etwas verstehen", sagt sie. Dem nehmen sich dann Studenten ab dem achten Fachsemester an. Bislang gab es mehr als 23 000 dieser Übersetzungen.

Was ist ein Ösophagus?

Der Ablauf einer Übersetzung ist denkbar einfach: Die Patienten laden anonym bis zu zwei Din-A4-Seiten auf der Online-Plattform www.washabich.de hoch, geben Alter und Geschlecht an und erhalten nach wenigen Tagen ihre persönliche Übersetzung. Wer als Student einen Befund bearbeiten möchte, muss sich auf der passwortgeschützten Seite einloggen und einen Auftrag auswählen.

"Man sucht sich dann Befunde aus, die einen interessieren, da jeder angehende Arzt andere Fähigkeiten oder Interessengebiete hat. Wenn man sich für einen Auftrag entscheidet, sollte man in den nächsten Tagen den Befund übersetzen. Das dauert schon eine Weile, da die Übersetzungen viel länger werden, als die ursprünglichen Befunde", berichtet Julia Vahldieck. "Mein favorisiertes Fachgebiet ist die Innere Medizin. Beim Übersetzen der ersten Befunde fiel mir auf, dass man als Mediziner Worte wie Ösophagus ganz selbstverständlich nutzt. Beim Schreiben musste ich mir anfangs immer bewusst machen, dass man Ösophagus auch mit dem Begriff Speiseröhre übersetzen kann." Die Studierenden erläutern jedoch nicht nur das Krankheitsbild, sie liefern weitere Informationen. Wer sich also seinen Kreuzbandriss erklären lassen möchte, wird darüber hinaus auch über den Aufbau des Knies aufgeklärt. Anhand von Bildern erfahren Betroffene, wo das Kreuzband sitzt und welche Funktionen es hat. Zweitmeinungen oder Therapieempfehlungen sprechen die Ärzte allerdings nicht aus, da die Übersetzung keinen Arztbesuch ersetzt.

Nutzen für beide Seiten

Auch wenn die Übersetzungen zeitaufwändig sind, profitiert Julia Vahldieck von dieser Arbeit: "Bei den ersten fünf bis acht Befunden ist es so, dass man seine fertige Übersetzung an einen Supervisor sendet. Dieser ist erfahrener und weiß, worauf zu achten ist. In der Regel folgt dann ein Telefongespräch, in dem die Befunde ausführlich besprochen werden. Dadurch lernt man als angehender Arzt sehr viel Nützliches über Patientenkommunikation oder bestimmte Fachbereiche. Viele Begriffe habe ich mir mittlerweile im Umgang mit Patienten abgewöhnt."

Dass die Arbeit hilfreich ist, zeigt auch das Feedback der Nutzer. Da sich viele Patienten nicht trauen, Unklarheiten beim Arzt anzusprechen, hilft die Webseite dabei, das eigene Krankheitsbild besser zu verstehen. "Ich persönlich fand es schon immer sehr spannend, komplexe Inhalte zu entwirren. Außerdem ist es ja so, dass Ärzte auch nur mit Wasser kochen und die Befunde meist gar nicht so komplex sind, wie es scheint. Wenn man dann noch hört, dass man einem Patienten weitergeholfen hat, hat sich die Arbeit gelohnt."