Protest vor dem Rathaus: Bevor der Bildungsausschuss am späten Dienstagnachmittag begann, demonstrierten die erwachsenen Schüler/-innen der Schule des Zweiten Bildungsweges gegen die Umzugspläne der Stadt. Sie übergaben dem Oberbürgermeister eine Petition mit ihren Einwänden. Es folgte eine heiße Debatte im Ausschuss.

Magdeburg. Im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch gehauen hat OB Lutz Trümper im Bildungsausschuss. Er hatte kurzentschlossen an der Sitzung teilgenommen, nachdem "ich im Laufe des Tages einen Antrag nach dem anderen bekommen habe", so Trümper. Er habe wissen wollen, "was da eigentlich los ist".

Los war eine ganze Menge. Für eine heiße Diskussion sorgte die sogenannte Druckvorlage DS0119/11: die Entwicklung der Schulstandorte. Neben den Diskussionen um die Grundschulen Schmeilstraße und Diesdorf (Volksstimme berichtete) sind die Umzugspläne für die Schule des Zweiten Bildungsweges ins Wanken gekommen. Bisher in der Brandenburger Straße untergebracht, ist ein Wechsel in die Helmstedter Straße geplant. Das dortige Gebäude soll gemeinsam mit der Goethe-Sekundarschule genutzt werden.

Einspruch gab es dazu nicht nur von den Schülern, auch von CDU/Bund für Magdeburg, Die Linke und Jürgen Canehl (im Stadtrat für die Grünen). Gemeinsamer Kritikpunkt: Geht die zentrale Lage der Schule verloren, wird der Besuch der Abendschule für auswärtige Schüler zum Problem. Das sind immerhin 42 Prozent der Teilnehmer; sie kommen u.a. aus Staßfurt, Wernigerode, Dessau.

Rosemarie Hein (Die Linke) rechnete ein Beispiel vor: Ist der Unterricht der Abendschule um 22 Uhr beendet, wäre ein Schüler aus Burg von der Helmstedter Straße aus mit Fußweg, Nachtbus und Zug um 23.42 Uhr auf dem dortigen Bahnhof. "Das müssen wir bedenken", forderte sie. Ähnlich ist es bei Kolleg-Schülern mit Familie, die vor der Schule morgens ihre Kinder in die Kita bringen müssen, betont Gunter Schindehütte (CDU). "Sie schaffen es zeitlich nicht zum Unterrichtsbeginn."

Finanzierung von drei Schulen nicht machbar

Aus diesen Gründen hatten die Schüler/-innen vom Zweiten Bildungsweg eine Demonstration auf dem Alten Markt veranstaltet und das Gespräch mit dem OB gesucht.

Der versuchte zu erklären: Die Stadt muss sparen und "wir werden keine drei Schulen betreiben, wenn wir nur zwei brauchen". Die Schüler aus dem Umland "werden von uns großzügigerweise mitfinanziert". Aber nicht um jeden Preis.

Magdeburg habe eine Verantwortung auch fürs Umland, betonte Rosemarie Hein. Schulen des Zweiten Bildungsweges gibt es nur in der Landeshauptstadt und in Halle. Wegen der Finanzierung müsse man sich "unter Umständen mit den umliegenden Kreisen verständigen", so Hein.

Zu den weiteren Kritikpunkten der protestierenden Schüler gehört auch die Platzkapazität im neuen Gebäude. Zu wenig Fachräume, Überschneidungen mit der Sekundarschule. Die sieht das offenbar ebenso, wie ein Schreiben belegt, das Ausschussleiter Schindehütte am Dienstagabend vorlegte. Dessen Unterzeichner (u.a. Kollegium, Schuleternrat, Schülerrat) argumentieren mit unzureichenden Räumlichkeiten. Bei den Planungen seien weder die Bedürfnisse noch das Nutzungskonzept der Schule bedacht worden, zu dem u.a. das Produktive Lernen gehört. Darüber hinaus seien Ganztagsbetreuung und alternativ die Öffnung der Schuleinzugsbereiche zu bedenken.

Da platzte dem OB fast der Kragen. Die Schulen sollen nun ihren konkreten Bedarf mitteilen. "Vorher gibt es keine Entscheidung", bestimmte der OB und erklärte: "Die Drucksache ist hiermit zurückgezogen!"

Das Thema kommt erst wieder auf die Agenda, wenn alle Fragen geklärt sind, betont Lutz Trümper. Dazu gehört für ihn weniger die Entfernung vom Stadtzentrum, sondern vor allem die Machbarkeit in den Gebäuden. In Sudenburg gebe es "zwei tolle Gebäude", wirbt er. "Aber es geht auch anders." Nur: "Es muss eine klare Entscheidung her und sie muss wirtschaftlich begründbar sein gegenüber dem Steuerzahler."

Vorschläge wie die Unterbringung von Kolleg/Abendschule in anderen Räumen in der Brandenburger Straße oder in der ehemaligen Gorki-Schule (Stadtfeld) lehnt Trümper ab. Das wäre noch mehr Aufwand und damit unsinnig. Ergo: "Wir werden entweder das Raabe-Gymnasium oder die Brandenburger Straße aufgeben."

Mit dem Ausgang der Sitzung zeigen sich die Schüler/ -innen "erst einmal zufrieden", sagt Schülersprecherin Michèle Bade. "Wir haben erreichen wollen, dass die Stadträte ihre Entscheidung noch einmal überdenken, und das passiert. Also können wir sagen: Es hat sich gelohnt."

Bilder