Der Ortsrat Beyendorf-Sohlen zeigt Zähne: Am Montag verweigerte er die Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes für das Soziokulturelle Zentrum Beyendorf-Sohlen. Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte ein solches Konzept vom Ortsrat zur Bedingung für eine schrittweise Sanierung des früheren Gutshauses gemacht.

Beyendorf-Sohlen. Auf seiner Einwohnerversammlung am 16. Mai in Beyendorf-Sohlen hatte OB Lutz Trümper Klartext geredet: Die Stadt sei bereit, den Einwohnern das Soziokulturelle Zentrum zu erhalten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass man sich im Ort darüber einig wird, wer den Nutzungsvertrag mit der Stadt unterschreibt und künftig Ansprechpartner für das Haus ist: "Diesen Verein auszuwählen, ist Sache des Ortsrates, der ein Nutzungskonzept zu beraten hat. Erst wenn feststeht, wer künftig im Haus den Hut aufhat und die Verantwortung trägt, überlegen wir, wie wir in Etappen das Gebäude sanieren." Auch schriftlich hatte der OB bereits vor Monaten den Beyendorfer Rat aufgefordert, dieses Konzept noch vor der Sommerpause vorzulegen, damit der Stadtrat im September darüber entscheiden könne.

Wie dringend die Sanierung des alten Gutshauses ist, zeigt sich seit 9. Mai dieses Jahres. Wegen des undichten Dachs wird es derzeit neu gedeckt. Bei den Arbeiten erleben die Dachdecker derzeit jeden Tag eine neue Überraschung, wie Christel Schlee von der Verwaltungsaußenstelle weiß: "Im Dachgebälk ist der Pilz drin, eine Decke ist schon eingestürzt und der Heimatverein musste in aller Eile seinen Landwirtschafts-Ausstellungsraum räumen."

Und nun stellt sich auch der Ortsrat quer zur Aufforderung des OB. Denn statt der Diskussion über ein Nutzungskonzept für das Soziokulturelle Zentrum wetterte Ortsbürgermeister Siegfried Geue mit ungewohnt scharfen Worten gegen die Stadtverwaltung: "Mir kommt es so vor, als spielt die Stadt hier mit uns das Spiel ,Schraps hat den Hut verloren, ja wer hat ihn denn jetzt\'. Entsprechend dem Eingemeindungsvertrag aus dem Jahr 2001 ist die Verwaltungsaußenstelle für das Soziokulturelle Zentrum zuständig. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, einem Verein diese städtische Aufgabe überzuhelfen." Besonders verärgert sind die Ortsräte über die Aufforderung der Stadtverwaltung, Vorschläge zur Deckung der jährlichen Betriebskosten (27 500 Euro) zu unterbreiten. Ortschef Siegfried Geue: "Durch die Aufgabe der städtischen Liegenschaften Schulstraße 4 und alter Schafstall ist schon Geld eingespart worden. Auch der Verzicht der Unterbringung der Kita ,Kleiner Maulwurf\' im Soziokulturellen Zentrum spart der Stadt Umbaukosten, die mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt waren."

Ortsrat Jürgen Tiedge schloss sich der Argumentation an: "Es ist nicht unsere Aufgabe, Einsparpotenzial nachzuweisen." Stattdessen müsse die Verwaltungsaußenstelle ihrer im Eingemeindungsvertrag zugeteilten Rolle besser gerecht werden und lukrativere Vermietungsverträge und Nutzungsvereinbarungen für private Feierlichkeiten im Haus abschließen.

Geue verwies zudem darauf, dass laut Eingemeindungsvertrag die Verwaltungsaußenstelle für die Koordinierung der Nutzer im Haus zuständig ist: "Es gibt für uns keinen Anlass, daran etwas zu ändern. Da kann der Herr Trümper auf seinen Einwohnerversammlungen erzählen, was er will. Vertrag bleibt Vertrag."

Ortsrat Henry Hagendorf machte am Rande der Diskussion über den von Geue eingebrachten Beschlussantrag deutlich, warum das Gremium wohl auch gar nichts anderes entscheiden kann: "Es gibt derzeit in Beyendorf-Sohlen überhaupt keinen Verein, der das Haus betreiben könnte." Diese Aussage wird auch dadurch bestätigt, dass nicht ein einziger Vereinsvertreter an der Ortsratssitzung am Montag teilnahm. Demzufolge scheint das Interesse eher gering, das Soziokulturelle Zentrum zu übernehmen. Hagendorf: "Der Ortsrat und Christel Schlee haben ohnehin alle Hände voll zu tun, den alten Zustand wieder herzustellen."

Der "alte Zustand" ist nach Angaben von Siegfried Geue die Zeit vor der Ära von Otto Preuß als Ortsbürgermeister (6. Juli 2009 bis 10. März 2011). In seiner Amtszeit soll es im Soziokulturellen Zentrum drunter und drüber gegangen sein. Die Vereine (Heimatverein, Volkssolidarität, GWA) hätten sich gegenseitig behindert und Jedermann habe sich Zweitschlüssel besorgen können. Am Ende habe niemand mehr gewusst, wer im Haus eigentlich was darf.

 

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