Der Bildungsträger BAJ aus Buckau hat Anfang Mai beim Amtsgericht Magdeburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dem Verein und seiner gleichnamigen GmbH droht die Zahlungsunfähigkeit. 54 Mitarbeiter und 396 Magdeburger in verschiedensten Maßnahmen fürchten um ihre Existenz. Ein neuer Träger soll den Betrieb schnellstmöglich übernehmen.

Buckau. Der Stadtteil ohne den BAJ, das ist für viele Buckauer unvorstellbar. Kinder und Jugendliche besuchen für Spiel und Sport das "HOT", Ältere können sich in der freien Jugendwerkstatt ausprobieren und später einen Beruf erlernen. Hunderten Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen hat der Verein in den vergangenen 20 Jahren so beim Start ins Leben geholfen.

Wie konnte ein etablierter Träger wie der BAJ dann in die Schieflage geraten? "Der Markt ist für kleine Träger wie uns schwierig geworden", erklärt der Vorstandsvorsitzende und SPD-Stadtrat Jens Rösler. Arbeitsagentur und Jobcenter schreiben bundesweit Maßnahmen aus, um die sich die Träger bewerben können, das beste Angebot bekommt den Zuschlag. "Da herrscht enormer Preisdruck", sagt Rösler. Der BAJ habe immer noch zu hohe Lohnkosten und könne da kaum mithalten.

Der Verein bzw. die vor zwei Jahren gegründete BAJ GmbH, die den gesamten Betrieb führt, hätten deshalb schon seit einiger Zeit Verluste hinnehmen müssen, nun droht die Zahlungsunfähigkeit. Der Vorstand zog deshalb die Reißleine und stellte Anfang Mai beim Magdeburger Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. "Wir wollen versuchen, die GmbH an einen anderen Träger zu verkaufen und den Laden zu stabilisieren", sagt Rösler. Wenn möglich soll der ganze Betrieb mit allen Maßnahmen und möglichst vielen Mitarbeitern erhalten bleiben. "Wir tun alles dafür, dass es weitergeht", versicherte Rösler gestern den Mitarbeitern auf einer Versammlung. Im Mai und Juni könnten die Löhne in jedem Fall noch bezahlt werden.

Die Probleme des BAJ liegen jedoch tiefer und sind zum Teil hausgemacht, gesteht auch Jens Rösler ein und spricht von falschen wirtschaftlichen Entscheidungen, einer überforderten Geschäftsführung und Streit mit dem Betriebsrat, der sogar mehrfach vor Gericht ausgetragen wurde. Betriebsrat-Anwalt Uwe Bitter hält dem Vorstand eine "völlig falsche Unternehmensführung" vor, er sei Ratschlägen aus dem Betriebsrat nicht zugänglich gewesen. Der BAJ habe unwirtschaftliche Angebote abgegeben, um den Zuschlag für Maßnahmen zu bekommen und sie dann mit Lohndumping im eigenen Haus ausgleichen wollen. Wie geht es nun weiter? Das Amtsgericht hat den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens aus formalen Gründen abgewiesen, der BAJ musste nachbessern. "Es ist wichtig, dass das Gericht das Verfahren eröffnet", sagt Jens Rösler. Erst dann könnten potenzielle Geldgeber und ein Insolvenzverwalter arbeiten. Auch Kommunalpolitiker sind auf den Fall BAJ aufmerksam geworden und wollen das Jugendamt Ende Juni im Jugendhilfeausschuss beauftragen, Nachfolgeträger für HOT, die Jugendkompetenzagentur und die offene Jugendwerkstatt zu finden.

   

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