Gazellen-Unternehmen, Rippel-Produkte oder Limfjorde gibt es tatsächlich. Aber nur als Missverständnis auf deutschen Internetseiten dänischer Unternehmen. Dort finden sich häufig solche Wortneuschöpfungen, die für Deutsche unverständlich sind.

Magdeburg. Um solche sprachlichen Unikate zu verbessern, hat sich eine Gruppe Journalistik/Medienmanagement-Studierender der Hochschule Magdeburg-Stendal mit deutschen Webseiten-Präsenzen dänischer Unternehmen beschäftigt.

Die ursprüngliche Idee kam von Anne Busch, die nach ihrem Abschluss an der Hochschule als Webberaterin bei einer Agentur für Webkommunikation in Aarhus, Dänemark arbeitet.

Die 27-Jährige holte sich mit Martin Nielsen, Dozent an der dortigen Universität, einen diplomierten Dolmetscher und Übersetzer ins Boot, der eben jene Tücken in Übersetzungen kennt: "Internationale Webkommunikation zwischen Deutschland und Dänemark ist ein Gebiet, welches in dem Maße noch nicht untersucht wurde", sind sich Busch und Nielsen einig.

Für dänische Unternehmen ist Deutschland Exportnation Nummer eins und Werbung über die dänischen Landesgrenzen hinweg immens wichtig. Für das Projekt untersuchten die Studierenden der Hochschule deutsche Internetseiten dänischer Unternehmen auf ihre Navigierbarkeit, Sprache, Grammatik, Struktur und Inhalt.

"Hauptproblem ist die Suchmaschinenoptimierung. Aber auch die Übersetzungen an sich und kulturelle Unterschiede spielen eine große Rolle. Witze und Redewendungen lassen sich schlecht in eine andere Sprache übertragen", so die Hochschul-Absolventin weiter. "Und das ist auch branchenunabhängig", fügt Nielsen hinzu.

In Dänemark gibt es beispielsweise eine Auszeichnung für besonders schnell wachsende Unternehmen: eine Gazelle. In Dänemark wisse jeder, was das bedeute, in Deutschland mit dem Titel "Gazellen-Unternehmen" zu werben, rufe höchstens Irritationen hervor. Bei diesem Beispiel müsse sich das Unternehmen entscheiden, ob es diese Information erklärt und weiter ausführt oder darauf verzichtet.

Im Vorfeld führte Anne Busch Interviews mit 83 Unternehmen, um herauszufinden, welche Ansätze jeweils verfolgt werden. Sie entwickelte einen Kriterienkatalog, anhand dessen die Studierenden der Hochschule etwa 50 Analysen durchführten.

Ziel des Hochschulprojektes war es, die Webkommunikation der teilnehmenden Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen wie Landwirtschaft, Mode, Lebensmittelindustrie oder Maschinenbau zu untersuchen und möglichst Vorschläge für eine Verbesserung zu machen.

18 Studierende nahmen an dem Projekt teil und ihnen gefiel besonders die Internationalität des Projektes: "Ich fand es spannend, mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken, der direkte Kontakt zur dänischen Sprache und Kultur, und zu etwas Großem etwas beigesteuert zu haben", sagt Kristin Letz, Teilnehmerin und Studentin im 5. Semester.

Die endgültigen Ergebnisse werden dann im Sommer 2012 auf einer Fachkonferenz in Aarhus vorgestellt und vielleicht werden dann Wortneuschöpfungen wie Gazellen-Unternehmen der Vergangenheit angehören.