• 31. Mai 2012



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Als sechstes Kind übernahm Richard O. Wilhelm die Familientradition der Glaskunst / Heute ist er 80 Jahre alt


"Mit 6 Jahren bekam ich ein Diamant-Werkzeug geschenkt und lernte, damit Glas zu schneiden"

09.02.2012 05:23 Uhr |


Von Birgit Ahlert


Glasgestalter Richard Wilhelm blickt auf mehr als 70 Jahre Arbeit in der Glasgestaltung zurück: Der heute 80-jährige Künstler begann im Alter von sechs Jahren, den Umgang mit Glas zu erlernen.

Glasgestalter Richard Wilhelm blickt auf mehr als 70 Jahre Arbeit in der Glasgestaltung zurück: Der heute 80-jährige Künstler begann im Alter von sechs Jahren, den Umgang mit Glas zu erlernen. | Foto: Archiv Glasgestalter Richard Wilhelm blickt auf mehr als 70 Jahre Arbeit in der Glasgestaltung zurück: Der heute 80-jährige Künstler begann im Alter von sechs Jahren, den Umgang mit Glas zu erlernen. | Foto: Archiv

Richard Otfried Wilhelm gehört zu den großen Glaskünstlern der Stadt, war Gründungsmitglied der "Magdeburger Glasgestaltung" und lange Jahre auch ihr Leiter. Noch heute, mit 80 Jahren, widmet er sich täglich seiner Kunst und Arbeit.

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Magdeburg l Geboren wurde er am 7. Februar 1932 in Bautzen als sechstes Kind einer Glaserfamilie. Seine Vorfahren waren seit 1688 Glasermeister und Kunstglaser. Und so war es kein Wunder, dass der junge Richard von klein auf ins Handwerk eingeführt wurde. Als Sechsjähriger bekam er zum Weihnachtsfest nach dem Kirchgang einen Glasdiamanten geschenkt. Dazu sagte der Vater: "Damit wirst du morgen Glas schneiden lernen." Am Weihnachtsfest? "Da gibt es doch Gans", versuchte der Junge einzulenken. "Nachdem du gelernt hast, Glas zu schneiden", bekam er zur Antwort. Der Steppke wurde auf eine Kiste gestellt, damit er an die Werkbank reichte. Er lernte das Gerät zu handhaben, es beweglich und doch fest zu fassen, es mit Ruhe zu führen, aber nicht langsam. Das hat ihn geprägt, sagt er. Er tut vieles so, wie er mit Glas umgeht: beweglich und doch fest, mit Ruhe, aber nicht langsam.

In der Lemsdorfer Kirche hat Richard Wilhelm fünf Glasfenster restauriert.

In der Lemsdorfer Kirche hat Richard Wilhelm fünf Glasfenster restauriert. | Foto: Archiv In der Lemsdorfer Kirche hat Richard Wilhelm fünf Glasfenster restauriert. | Foto: Archiv

Richard Wilhelm hat nach der Lehre als Bau- und Kunstglaser die Kunstfachschule Magdeburg besucht und die Kunsthochschule in Berlin. Magdeburg wurde seine Heimat, hier gründete er mit Reginald Richter und Oskar Hamann die Gruppe Magdeburger Glasgestaltung. Von hier aus wurden er und seine Werke bekannt. Die wohl berühmteste Arbeit stand lange Zeit in Berlin: die "Gläserne Blume" im Palast der Republik. Geschaffen gemeinsam mit Reginald Richter. Weitere Arbeiten sind landesweit zu entdecken. Von der "Galaxis" in der Kugel des Berliner Fernsehturms bis zu den Glasbetonfenstern in Sachsen-Anhalts Landtagsgebäude. Zahlreiche Fenster und Türen in Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden, Hotels, auch Privathäusern gehören dazu.

Die "Gläserne Blume" in Berlin, eine Arbeit von Richard Wilhelm und Reginald Richter.

Die "Gläserne Blume" in Berlin, eine Arbeit von Richard Wilhelm und Reginald Richter. | Foto: Archiv Die "Gläserne Blume" in Berlin, eine Arbeit von Richard Wilhelm und Reginald Richter. | Foto: Archiv

Doch Wilhelm winkt ab: "Darauf bilde ich mir nichts ein." Für ihn sei wichtig, "die Menschen zu erreichen, ihr Bedürfnis und ihren Schönheitssinn zu achten". Auch nach ihren Wünschen zu arbeiten, nicht nur nach den eigenen. Und das Erbe der Vergangenheit zu bewahren. Beispielsweise bei der Restaurierung und Neugestaltung von Bleiglasfenstern in historischen Dorfkirchen und anderen denkmalgeschützten Gebäuden, denen sich Wilhelm leidenschaftlich widmet. Im vorigen Jahr hat er sein 60. Fenster gefertigt - für die Dorfkirche in Süplingen (Bördekreis). In der Kirche St. Sebastian in Lemsdorf hatte er zuvor alle fünf Glasfenster restauriert. Darunter ein Jesus, "wie ich ihn mir vorstelle und wünsche: ein junger Mann, der herausfordernd ins Leben blickt zu den Menschen", sagt der bekennende Protestant.

Hommage an Goethes Sonett "Natur und Kunst" im Eingangsbereich des Umweltforschungszentrums.

Hommage an Goethes Sonett "Natur und Kunst" im Eingangsbereich des Umweltforschungszentrums. | Foto: Archiv Hommage an Goethes Sonett "Natur und Kunst" im Eingangsbereich des Umweltforschungszentrums. | Foto: Archiv

Richard Wilhelm lebt heute mit seiner Frau Leonore im Hopfengarten. Er hat zwei Kinder und zwei Enkel. Handwerk an die nächste Generation weiterzugeben, hält er rückblickend für "mehr Segen als Fluch". Ohne Kinderarbeit zu befürworten, sagt er: "Kindern einfache handwerkliche Arbeit beizubringen, sie auch machen lassen - das kann ihnen Freude bereiten". Und ihnen für ihr weiteres Leben viel an Erfahrung und Geschick bringen.

Sie in eine Rolle zu zwingen, liegt ihm jedoch fern. "Es geht darum, das Talent zu fördern", sagt er. Das liege bei seinen Söhnen auf anderen Gebieten. Der eine ist Jurist, der andere mathematisch-naturwissenschaftlich talentiert.

In der Kirche St. Sebastian in Lemsdorf hat der Glasgestalter Richard Wilhelm die fünf Glasfenster repariert.

In der Kirche St. Sebastian in Lemsdorf hat der Glasgestalter Richard Wilhelm die fünf Glasfenster repariert. | Foto: Archiv In der Kirche St. Sebastian in Lemsdorf hat der Glasgestalter Richard Wilhelm die fünf Glasfenster repariert. | Foto: Archiv

Richard Wilhelm selbst ist seinem Talent treu geblieben. Noch immer steht er allmorgendlich sehr früh auf und ist ab 7 Uhr in der Werkstatt tätig. "Das muss so sein", sagt er, "das war schon immer so." Und bleibt es wohl auch.



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Copyright © Volksstimme 2012
Dokument erstellt am 2012-02-09 05:23:38
Letzte Änderung am 2012-02-09 05:23:38


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