• 24. Mai 2013


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Kontroverse zur mangelnden Barrierefreiheit an Straßenbahnhaltestellen


"Für die Betroffenen äußerst misslich"

18.04.2012 04:21 Uhr |


Von Katja Tessnow


Achtung Kippgefahr: Eine Frau mit Kinderwagen meistert berherzt die Hürde zwischen ebener Erde und Bahnkante beim Einstieg an der Straßenbahnhaltestelle Westfriedhof in der Großen Diesdorfer Straße. Rollstuhlfahrer haben keine Chance. Und auch gehbehinderte und alte Menschen tun sich schwer mit der mangelhaften Barrierefreiheit an MVB-Haltestellen zum Beispiel entlang dieser Magistrale. Ein SPD-Antrag zur Abhilfe wurde dennoch höchst kontrovers diskutiert.

Achtung Kippgefahr: Eine Frau mit Kinderwagen meistert berherzt die Hürde zwischen ebener Erde und Bahnkante beim Einstieg an der Straßenbahnhaltestelle Westfriedhof in der Großen Diesdorfer Straße. Rollstuhlfahrer haben keine Chance. Und auch gehbehinderte und alte Menschen tun sich schwer mit der mangelhaften Barrierefreiheit an MVB-Haltestellen zum Beispiel entlang dieser Magistrale. Ein SPD-Antrag zur Abhilfe wurde dennoch höchst kontrovers diskutiert. | Foto: Viktoria Kühne Achtung Kippgefahr: Eine Frau mit Kinderwagen meistert berherzt die Hürde zwischen ebener Erde und Bahnkante beim Einstieg an der Straßenbahnhaltestelle Westfriedhof in der Großen Diesdorfer Straße. Rollstuhlfahrer haben keine Chance. Und auch gehbehinderte und alte Menschen tun sich schwer mit der mangelhaften Barrierefreiheit an MVB-Haltestellen zum Beispiel entlang dieser Magistrale. Ein SPD-Antrag zur Abhilfe wurde dennoch höchst kontrovers diskutiert. | Foto: Viktoria Kühne

Insbesondere Rollstuhlfahrer, aber auch gehbehinderte Menschen, die "Generation Rollator" oder junge Mütter oder Väter mit Kinderwagen haben im Magdeburger Nahverkehr ihre Probleme. Die Fraktion SPD-future! brachte das Thema auf die Ratstagesordnung.

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Magdeburg l Immerhin 139 von 258 Haltestellen im Magdeburger Straßenbahnnetz, das teilte MVB-Sprecher Andrej Kirschbaum gestern auf Volksstimme-Nachfrage mit, sind bereits barrierefrei. Erhöhte Haltestelleninseln ermöglichen einen stufenlosen Übergang in die haltende Niederflurbahn. Rollstuhlfahrer sind zwingend auf Barrierefreiheit am Ein- und Ausstieg angewiesen. Aber auch Gehbehinderte, Ältere und Kinderwagen-befrachtete Passagiere brauchen anderenfalls - also dort, wo eine Stufe zwischen ebener Erde und Einstieg zu überwinden ist - Hilfe, die meistens, aber eben nicht verlässlicherweise immer zur Stelle ist.

Burkhard Lischka (SPD): 

"Es kann nicht sein, dass Leute im Rolli in Richtung Diesdorf am Damaschkeplatz das letzte Mal aus der Bahn kommen."

Burkhard Lischka (SPD):
"Es kann nicht sein, dass Leute im Rolli in Richtung Diesdorf am Damaschkeplatz das letzte Mal aus der Bahn kommen." | Foto: Viktoria Kühne
Burkhard Lischka (SPD):
"Es kann nicht sein, dass Leute im Rolli in Richtung Diesdorf am Damaschkeplatz das letzte Mal aus der Bahn kommen." | Foto: Viktoria Kühne

Mit einem Ratsantrag in drei Beschusspunkten warb die Fraktion SPD-future! um eine Beschleunigung des komplett barrierefreien Haltestellenausbaus in Magdeburg. Alle anderen Ratsfraktionen bekundeten Zustimmung zu dem Anliegen an sich und winkten die Forderung unter Punkt 1 - der OB möge sich gemeinsam mit den MVB um Fördermittel zum Zweck bemühen - widerspruchslos durch.

"Unhaltbarer Zustand" auch an der Halberstädter Straße

Im weiteren Detail brach allerdings viel Schimpfe über den Antrag aus. Grund: In den Punkten 2 und 3 verwandte sich SPD-future! für den schleunigen Bau barrierefreier Haltestellen ("mindestens zwei") speziell entlang der Großen Diesdorfer Straße. Die Situation hier ist für Behinderte in der Tat schlecht: Letzter barrierefreier Ausstieg Richtung Diesdorf ist der Damaschkeplatz. Entlang der kompletten "Diesdorfer" mitsamt Altenpflegeeinrichtungen, Arztpraxen und nicht zuletzt dem Westfriedhof als einer vielfach von alten Menschen aufgesuchten Adresse gibt es keine einzige barrierefreie Haltestelle, sondern erst wieder ganz am Linien-Ende (Haltestellen Hannoversche Straße/Diesdorf). "Das ist für die Betroffenen eine ganz missliche Situation", warb Burkhard Lischka (SPD) mit viel Nachdruck um Zustimmung für den fraktionseigenen Antrag.

Wigbert Schwenke (CDU): 

"Wir haben auch schweren Herzens feststellen müssen, dass Sudenburg ziemlich spät dran ist."

Wigbert Schwenke (CDU):
"Wir haben auch schweren Herzens feststellen müssen, dass Sudenburg ziemlich spät dran ist." | Foto: Viktoria Kühne
Wigbert Schwenke (CDU):
"Wir haben auch schweren Herzens feststellen müssen, dass Sudenburg ziemlich spät dran ist." | Foto: Viktoria Kühne

Oliver Müller (Linke) fuhr ihm entschieden in die Parade: "Auch wir sind unbedingt für den barrierefreien Ausbau der Haltestellen in Magdeburg, aber das ist nicht nur an der Diesdorfer ein Problem." Bestes respektive schlechtes Beispiel sei die Halberstädter Straße. Müller: "Rollstuhlfahrer, die zum Beispiel zum Sozial- oder Jugendamt wollen, müssen bereits am Südring aussteigen, weil allein dort die einzige barrierefreie Haltestelle entlang der gesamten Halberstädter Straße existiert." Müller nennt das einen "unhaltbaren Zustand". Wigbert Schwenke (CDU) pflichtete ihm bei: "Es gibt eine Prioritätenliste zum Ausbau; die ist viel diskutiert und auch wir haben schweren Herzens festellen müssen, dass Sudenburg ziemlich spät dran ist." Schwenkes Fraktionskollege Hubert Salzborn brachte später noch die Lübecker Straße ins Spiel, die schließlich auch noch nicht lückenlos mit barrierefreien Haltestellen ausgestattet sei. Kurz: So gut wie jedem Rat fielen mit Blick auf den eigenen Wahlbezirk eigene Beispiele ein, was den Kampf um zügige Ausbauten in der Großen Diesdorfer Straße schnell aussichtslos erscheinen ließ - nicht mehrheitsfähig.

Oliver Müller (Linke): "Das ist nicht nur in der Großen Diesdorfer Straße ein Problem, auch anderenorts; zum Beispiel auf der Halberstädter."

Oliver Müller (Linke): "Das ist nicht nur in der Großen Diesdorfer Straße ein Problem, auch anderenorts; zum Beispiel auf der Halberstädter." | Foto: Viktoria Kühne Oliver Müller (Linke): "Das ist nicht nur in der Großen Diesdorfer Straße ein Problem, auch anderenorts; zum Beispiel auf der Halberstädter." | Foto: Viktoria Kühne


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Dokumenten Information
Copyright © Volksstimme 2013
Dokument erstellt am 2012-04-18 04:21:14
Letzte Änderung am 2012-04-18 04:21:14

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von HUSpannaus am 23.05.2013, 16:34 Uhr

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