• 23. Mai 2013


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Mitmachprojekt ruft am 31. August zum gemeinsamen Bewegen im Takt der Musik auf


Zwischen Westerhüsen und Rothensee: Zu Ottos Geburtstag tanzt die ganze Stadt

20.08.2012 04:30 Uhr |


Von Stefan Harter


Adelheid Ernst tanzt schon einmal am Petriförder vor. Am 31. August sollen alle Magdeburger ab 10.50 Uhr zehn Minuten lang gemeinsam tanzen, um den 1100. Geburtstag von Otto I. zu feiern. Nicht zentral an einem Platz, sondern überall im Stadtgebiet.

Adelheid Ernst tanzt schon einmal am Petriförder vor. Am 31. August sollen alle Magdeburger ab 10.50 Uhr zehn Minuten lang gemeinsam tanzen, um den 1100. Geburtstag von Otto I. zu feiern. Nicht zentral an einem Platz, sondern überall im Stadtgebiet. | Foto: Stefan Harter Adelheid Ernst tanzt schon einmal am Petriförder vor. Am 31. August sollen alle Magdeburger ab 10.50 Uhr zehn Minuten lang gemeinsam tanzen, um den 1100. Geburtstag von Otto I. zu feiern. Nicht zentral an einem Platz, sondern überall im Stadtgebiet. | Foto: Stefan Harter

Anlässlich der neuen Landesausstellung über Otto I. soll am 31. August in der ganzen Stadt für zehn Minuten getanzt werden. Die schöne Idee findet bislang aber wenig Mittänzer. Angst vor GEMA-Forderungen und Polizeieinsätzen lähmt die Tanzbeine.

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Magdeburg l Wenn es am 31. August zehn vor elf ist, tanzen in der ganzen Stadt - von Westerhüsen bis Rothensee, von Diesdorf bis zur Berliner Chaussee - alte und junge Magdeburger gemeinsam, um den 1100. Geburtstag des Stadtbegründers, Kaiser Otto I., zu feiern. Eine schöne Idee. Aber wohl zu schön, um wahr zu werden. Zwar haben Adelheid Ernst und ihre Mitstreiterinnen von der eigens ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe "Tanz der Generationen" bereits einige Mittänzer gefunden. Doch die Skepsis ist groß, wie sie nach einem halben Jahr Vorbereitung feststellen müssen.

magdeburg tanzt adelheid ernst

magdeburg tanzt adelheid ernst | Foto: Stefan Harter magdeburg tanzt adelheid ernst | Foto: Stefan Harter

Damals hatte Adelheid Ernst begonnen, mit einem vierseitigen Ideenpapier für das stadtweite Tanzprojekt Werbung zu machen. In den Gemeinwesenarbeitsgruppen (GWA) suchte sie nach Unterstützern, in den kulturellen Einrichtungen der Stadt auch. Doch die Resonanz war insgesamt, gelinde gesagt, zurückhaltend. Aus den GWA gab es keine Reaktionen, die großen Häuser verhalten sich ebenfalls eher zögerlich. Am gleichen Tag wird am Nachmittag das Kaiser-Otto-Fest eröffnet, weshalb man auch dort beim Veranstalter anfragte. So könne man gleich noch Werbung für das Fest machen. Aber auch hier: Kein Interesse.

Angesichts der anhaltenden Diskussion um die GEMA-Tarife bei Veranstaltungen winken viele aus Angst vor teuren Rechnungen gleich ab. Auch die Kreidemal-Aktion auf dem Hasselbachplatz und deren Folgen habe man natürlich besorgt beobachtet, meint Adelheid Ernst. Deshalb will sich weder sie noch die Tanz-AG als Organisator verstanden wissen. Auch eine zentrale Tanzaktion auf einem großen Platz wurde deshalb bewusst nicht geplant. Viele angesprochene Institutionen scheuen das spontane, selbstlose Tanzen, erzählt Adelheid Ernst. "Es fehlt eine Autorität", gibt sie zu. Sie und ihre Mitstreiterinnen könnten und wollten das nicht übernehmen. "Vielleicht lässt sich ja in den kommenden Jahren jemand vom Tanzfieber infizieren", hofft sie. "Wir rufen die Magdeburger daher nur zum Tanzen auf. Wir wollen niemand zwingen, sondern nur animieren, sich so für die Geschichte zu interessieren", sagt sie. Denn indem man sich mit der Vergangenheit beschäftigt, könne man viel für die Zukunft lernen, so ihr Credo.

Die Tanzgruppen der einzelnen Seniorenzentren wollen sich auf jeden Fall beteiligen, einige Kita-Kinder werden auch an diesem Freitagvormittag mitzappeln. Vorher basteln sie Kronen und beschäftigen sich so mit Otto. Angesichts des verhaltenen Zuspruchs aufzugeben, komme für die Tanz-AG aber nicht infrage. "Das Prinzip Hoffnung stirbt schließlich zuletzt", bekräftigt Adelheid Ernst.

Der Ursprung für das ambitionierte Projekt liegt in der Langzeitstudie "Altersfitness durch Musik und Bewegung", die Adelheid Ernst im Rahmen des Seniorenstudiums mit erarbeitet hatte. Dabei wurde herausgefunden, dass die Magdeburger "Tanz als hohes Kulturgut schätzen und auf unterschiedlichen Ebenen des Tanzes selbst aktiv sind".

Eigentlicher Rahmen ist aber die Landesausstellung "Otto der Große und das Römische Reich - Kaisertum von der Antike zum Mittelalter", die am 27. August im Kulturhistorischen Museum eröffnet wird. "Am Freitag darauf sollen die Tanzaktionen an allen Ecken und Enden Magdeburgs stattfinden", so der Wunsch der Tanz-AG. Neugierig geworden durch die Tanzenden, werden die Zuschauer auf die Ausstellung und damit auf die Geschichte ihrer Stadt aufmerksam gemacht.

"Es gilt, die Erinnerungskultur zu pflegen und über die geschichtlichen Wurzeln Magdeburgs mehr zu erfahren, um sich mit der Stadt Kaiser Ottos zu identifizieren. Unsere Aktivitäten können nicht nur die Außenwirkung der Stadt verändern, die Bürger verändern vor allem sich selbst", ist Adelheid Ernst überzeugt.

Das letzte Vorbereitungstreffen der Tanz-AG findet heute ab 11 Uhr im Offenen Treff in der Max-Otten-Straße 10 statt. Wer Lust hat, das Tanzbein zu schwingen, ist dazu eingeladen. Aber auch am 31. August kann einfach mitgewippt werden. "Das wäre doch was, wenn sich die Leute spontan vor ihre Tür stellen und tanzen", meint Adelheid Ernst mit versonnenem Blick.



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Copyright © Volksstimme 2013
Dokument erstellt am 2012-08-20 04:30:15
Letzte Änderung am 2012-08-20 04:30:15

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